Kunstmarkt und Aktien
Dieses Bild gilt als Warnsignal für die Finanzmärkte

Kunst, die keiner will: Sotheby’s Impressionisten-Auktion in New York lief schlecht. Nur zwei Drittel der angebotenen Gemälde und Skulpturen konnten verkauft werden. Manche deuten das als schlechtes Zeichen für Aktien.

DüsseldorfBoote mit rot geblähten Segeln gleiten ruhig dahin, getupft aus ungezählten Farbklecksen. Das Bild von André Derain aus dem Jahr 1906 hat „Wallpower“, also eine ganz besondere Ausstrahlung für die Sammler bereit sind, Rekordpreise zu bewilligen. Damit und mit seiner erstklassigen Herkunft aus der Sammlung Blaffer hätte „Les Voiles rouges/Die roten Segel“ seinen Schätzpreis von 15 bis 20 Millionen Dollar einspielen, oder sogar übertreffen können. Doch keine Bieterhand rührte sich. Durchaus denkbar, dass sich das Bild in natura weniger brillant ausnahm als in der Katalogabbildung.

In Sotheby’s Abendauktion mit Kunst des Impressionismus und der Klassischen Moderne am vergangenen Montag in New York waren Derains Segelboote der prominenteste Flop, aber nicht der einzige. Gleich eine ganze Serie von weiteren 20 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen fielen in der zweiten Hälfte der Galaauktion durch. Normalerweise sind in dieser Kategorie von Versteigerung nur einzelne Rückgänge zu notieren. Ist das magere Ergebnis gar „der Vorbote für drohendes Ungemach durch wackelige Kapitalmärkte?“, fragt sich Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege bei der Deutschen Bank. Denn viele Millionen für Kunstwerke blättern oft Personen hin, die an den Kapitalmärkten erfolgreich angelegt haben. Die Auktion war das schlechteste Ergebnis seit der globalen Rezession aus dem Jahr 2009.

62 Kunstwerke der üblicherweise glamourösen Abendversteigerung hätten am 9. Mai mindestens 164,8 Millionen Dollar einspielen sollen. Das war die Summe der unteren Schätzwerte. Diese sogenannten Taxen werden immer in Von-Bis-Summen angegeben, so dass sich aus der oberen Gesamttaxe eine optimistische Erwartung ableiten lässt, aus der unteren einen verhaltene. Doch selbst die zurückhaltende Schätzung wurde mit einem Umsatz von lediglich 41 Kunstwerken für 144,5 Millionen Dollar (Kommission eingerechnet) weit verfehlt.

Die seit Sonntag laufenden Auktionen mit Kunst des 20. und des 21. Jahrhunderts in New York sind der Leitindex der ganzen Kunstbranche. Alle Marktteilnehmer schauen da genau hin. Denn in den überfüllten Auktionssälen von Christie’s und Sotheby’s, Bonhams und Philips entscheidet sich, ob sich der Hochpreismarkt abermals durch viel freies Geld zu neuen Rekorden aufschwingt und dadurch Euphorie verbreitet. Oder, ob er auf dem Weg zu schwindelerregenden Höchstpreisen, die sich nur ein winziger Teil der Sammler leisten kann, eine kleine Verschnaufpause einlegt.

Eine Rückgangsrate von über 30 Prozent für die akribisch zusammengestellten, dramaturgisch durchkomponierten Evening Sales kommt einer Blamage gleich. Noch im Jahr zuvor konnte Sotheby’s 368,3 Millionen Dollar mit 64 Arbeiten einnehmen. Was sind die Gründe für das ausbleibende Interesse?

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Wer nicht verkaufen muss, wartet lieber ab

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