Kurs-Gewinn-Verhältnis
Warum KGV nicht gleich KGV ist

Drei Betrachtungsweisen bringen drei verschiedene Ergebnisse. Einschlägige Finanzdatenbanken liefern derzeit ganz unterschiedliche Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für den Dax. Dadurch erscheint er einmal vollkommen überteuert, einmal teuer und einmal recht günstig. Warum?
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Rückwärts

Auf Basis der bereits erzielten Nettogewinne kosten die Dax-Unternehmen derzeit nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Bloomberg das 40-fache ihrer eingefahrenen Erlöse. Demnach erscheinen Aktien derzeit vollkommen überteuert. Um auf den historischen Mittelwert von knapp 20 zurückzufallen, müsste sich der Dax halbieren - also auf 2 600 Punkte einbrechen. Doch daran gemessen wären Aktien in einer Rezession immer teuer und im Boom, wenn die Unternehmen Rekordgewinne einfahren, billig. Der Anleger würde also immer zum falschen Zeitpunkt Kauf- und Verkaufssignale erhalten.

Vorwärts

Weil Börsen die Zukunft, und nicht die Gegenwart handeln, leitet solch ein rückwärts gerichtetes KGV in die Irre. Deshalb erscheint es sinnvoller, die Gewinne mindestens ein Jahr im Voraus zu schätzen. Dafür ziehen Datenanbieter wie Datastream die Prognosen der Analysten heran, die sich täglich mit den Unternehmen beschäftigen. Greift man dabei auf die Gewinnschätzungen der Analysten bei der Deutschen Bank zurück, dann errechnet sich derzeit ein Dax-KGV von 20. Demnach erscheinen Aktien recht teuer, denn der langfristige Mittelwert liegt hier bei 15.

Konsens

Auffällig ist derzeit allerdings, dass die Schätzungen der Deutschen Bank stark vom Konsens abweichen. Grund dafür ist, dass der Branchenprimus pessimistischer in die Zukunft blickt und mit niedrigeren Firmengewinnen rechnet als andere Bankhäuser. Auf Basis der Gewinnschätzungen des Finanzdatenspezialisten Ibes - hier laufen die Prognosen der Analysten aller großen internationalen Investmenthäuser zusammen - errechnet sich für den Dax derzeit ein KGV von 12,5. Auf dieser Grundlage sind die Unternehmen derzeit an der Börse 50 Prozent teurer als im März, aber immerhin knapp 20 Prozent preiswerter als im Mittel der letzten 50 Jahre.

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