Kursaufschläge
Aktien bleiben die bessere Wette

Die Kursprognosen in den USA für die globalen Aktienmärkten klingen nicht mehr euphorisch, aber immer noch optimistisch. Zwar lasse die jüngste Kursrally Aktien nicht mehr spottbillig erscheinen, sagt Tobias Levkovich, oberster US-Anlagestratege der New Yorker Großbank Citigroup. Aber er sieht keine bessere Alternative für Anleger.

NEW YORK. „Aktien sind günstiger bewertet als Anleihen“, unterstreicht Abby Joseph Cohen, US-Anlagestrategin von Goldman Sachs und eine der bekanntesten Marktexpertinnen. Sie erwartet – wie ihr Citigroup-Kollege Levkovich – einen Anstieg des US-Aktienindex Standard & Poor’s 500 (S&P 500) auf 1 400 Punkte bis zum Jahresende. Das entspräche einem Zuwachs von gut sieben Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

Für den Dow-Jones-Index, der die führenden 30 US-Aktien umfasst, prognostiziert Cohen 12 000 Punkte zum Jahresende. Das wäre ein neues Allzeithoch. Möglich erscheint dies allemal. Schließlich kletterte der Dow seit Ende Oktober bereits um rund 650 Punkte auf zuletzt 11 150 Zähler und nähert sich damit dem alten Rekordstand im Januar 2000 von 11 723 Punkten.

Hinter dem jüngsten Aufwärtstrend an den US-Börsen steckt die eindrucksvolle Gewinnentwicklung der Unternehmen. Diese wiederum beruht auf dem global solidem Wirtschaftswachstum. Die meisten Analysten erwarten weiter steigende Firmenerträge. So erhöhte Citigroup kürzlich die Gewinnprognose der Unternehmen im S&P-500.

Höhere Gewinne rechtfertigen höhere Aktienkurse, weshalb Henry Dickson, US-Chefstratege von Lehman Brothers, vor einigen Tagen den Aktienanteil in seinem Musterdepot anhob. Dickson empfiehlt Anlegern nun, 70 Prozent statt bisher 65 Prozent ihres Geldes in Aktien anzulegen und den Rest gleichmäßig auf Anleihen und Barreserven zu verteilen.

Problematisch ist allerdings, dass die weltweit robuste Konjunkturlage nicht nur die Firmengewinne antreibt, sondern auch das Inflationsrisiko. Um einen Anstieg der Geldentwertung zu verhindern, haben nach der US-Notenbank Fed auch die EZB ihre Leitzinsen angehoben. Höhere Zinsen belasten in aller Regel die Aktienkurse, denn mit ihnen steigt der Abzinsungsfaktor, zu dem künftige Gewinne in den heutigen Aktienkursen diskontiert sind. Gleichzeitig macht eine höhere Verzinsung Geldmarktpapiere und Anleihen attraktiver. „Steigende Zinsen begrenzen das Kurspotenzial der Aktienmärkte“, betont Goldman-Expertin Cohen. Aber in ihrem S&P-500-Jahresziel von 1 400 sei dies bereits berücksichtigt. „So lange die Inflation unter Kontrolle bleibt und die steigenden Zinsen keine Rezession auslösen, bleiben Aktien die aussichtsreichste Anlageklasse“, argumentiert Cohen.

Einige Experten sind skeptischer. Richard Bernstein, oberster US-Stratege von Merrill Lynch hält die Börsen für überhitzt. Hinter dem jüngsten Kursanstieg stecken laut Bernstein spekulative Anleger, nicht solide Fundamentaldaten. Der Merrill-Experte merkt an, dass Unternehmen von „niedrigerer Qualität“ den Kursaufschwung seit Jahresbeginn anführen. Als „qualitativ minderwertig“ klassifiziert Bernstein Unternehmen aus Branchen wie Maschinenbau und Informationstechnologie, deren Gewinne typischerweise im Konjunkturzyklus stark schwanken. Als qualitativ hochwertig gelten nach Bernsteins Definition indes solide Konsumgüterhersteller.

Bernsteins optimistischer gestimmte Kollegin Cohen sieht dagegen insbesondere marktsensiblere Branchen wie zum Beispiel Informationstechnologie als Gewinner. „Diese Bereiche werden profitieren, wenn der Kursaufschwung an Kraft gewinnt“, sagt sie.

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