Kursblasen
Wie sich Newton verspekulierte

Der "South Sea Bubble" von 1720 beschäftigt Experten noch heute. Angefangen hatte alles im Jahr 1711, als mehrere britische Kaufleute eine Gesellschaft gründeten, um gegen eine Verzinsung von sechs Prozent einen Teil der Staatsschulden zu übernehmen.

STUTTGART. „Es ereignet sich nichts Neues. Es sind immer dieselben alten Geschichten, die von immer neuen Menschen erlebt werden.“ So lautet eine These des amerikanischen Schriftstellers William Faulkner. Da sich die Welt immer schneller dreht, sind es vielleicht heute sogar dieselben Menschen, die die gleichen Geschichten erneut erleben oder erleiden müssen. Aber wer will schon zweimal den gleichen Fehler machen? Deshalb blieben viele Anleger der Börse fern, nachdem sie sich während des dramatischen Kurseinbruchs der Aktienmärkte um die Jahrtausendwende gewaltig die Finger verbrannt hatten. Manche Auguren befürchten bereits eine neue Kursblase am deutschen Aktienmarkt. Es stellt sich die Frage, ob es dafür generell gültige Kennzeichen gibt.

Wenn nicht nur Faulkner, sondern auch viele Verhaltensforscher Recht haben, dann hat sich der Mensch trotz Aufklärung und Säkularisierung, trotz moderner Informationsmöglichkeiten, technischem Fortschritt und Globalisierung nicht entscheidend geändert. Um nicht alte Wunden aus der Zeit des Neuen Marktes aufzureißen, gehen wir also sicherheitshalber zurück in das Jahr 1720, als sich in England die so genannte South Sea Bubble abgespielt hat – aus heutiger Sicht ein herrliches Stück mit geradezu erschreckenden Parallelen zur Gegenwart.

Angefangen hatte alles im Jahr 1711, als mehrere britische Kaufleute eine Gesellschaft gründeten, um gegen eine Verzinsung von sechs Prozent einen Teil der Staatsschulden zu übernehmen. Sie erhielt dafür die Erlaubnis, Aktien zu emittieren. Außerdem wurde der Gesellschaft das Monopol für den Handel mit den spanischen Kolonien in Lateinamerika eingeräumt. Da man damals unter Südsee den Südatlantik verstand, lag der Gesellschaftsname South Sea Company nahe.

In den ersten Jahren nach der Gründung passierte kaum etwas. Zunächst verwehrten die Spanier der South Sea Company die erhofften Aktivitäten. Zwischenzeitlich wuchs – nicht zuletzt wegen kriegerischer Auseinandersetzungen mit Spanien – der britische Schuldenberg weiter. Da machte die South Sea Company der Regierung Anfang des Jahres 1720 das verlockende Angebot, einen Großteil der Staatsschulden zu übernehmen, wenn die Gesellschaft im Gegenzug ihr Kapital unbegrenzt und zu jedem Kurs erhöhen dürfe. Noch während der parlamentarischen Beratung des Gesetzes, das am 7. April 1720 in Kraft trat, verdoppelte sich der bis dahin eher schleppend laufende Aktienkurs.

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