Kurschancen werden vor allem bei Banken gesehen
Investoren drängen auf den tschechischen Aktienmarkt

Analysten spekulieren auf Privatisierungen und Umstrukturierungen im Unternehmenssektor.

BUDAPEST. Der tschechische Aktienmarkt ist klein und leicht überschaubar. Ganze 16 Werte umfasst der Prager Aktienindex PX-50, die zusammen auf eine Marktkapitalisierung von etwa 18 Mrd. Euro kommen. Und doch macht dieser Markt immer wieder von sich reden, weil die Börse seit Monaten boomt. So stieg der PX-50 in der letzten Woche auf den Wert von 651,7 Punkten, den er zuletzt im April 2000 erreicht hatte. Das entspricht einem Zuwachs von 38 % seit Jahresbeginn. Gestern fielen die Kurse leicht zurück; der PX-50 lag bei 650 Punkten.

Zu den Gewinnern zählten zuletzt vor allem der Zigarettenhersteller Philip Morris, das Rundfunk- und Telekomunternehmen Ceske Radiokomunikace und die Erste Bank, deren Kurs auf ein Allzeithoch von 3 047 Kronen stieg. Analyst Milan Prochazka vom Investmenthaus Patria Finance führt die jüngsten Kurssteigerungen darauf zurück, dass westliche Investoren verstärkt am Markt erschienen seien. Generell ist seit Wochen in Prag wie in Budapest und Warschau zu beobachten, dass westliche Fonds ihr Portfolio um Werte aus den wichtigsten EU-Beitrittsländern aufstocken. Auch die Aussicht auf erfreuliche Betriebsergebnisse der Unternehmen für das 3. Quartal dürfte eine Rolle gespielt haben.

Prager Analysten sind sich darin einig, dass das Vertrauen in den Aktienmarkt auch ein Verdienst der Nationalbank ist. Sie hielt die Währung mit einem Kurs rund um 32 Kronen zum Euro relativ stabil. Marketa Sichtarova von der Volksbank hält für diese Woche sogar ein Ansteigen des Kurses auf 31,50 (gestern: 31,73) zum Euro für möglich. Für die Stabilität spricht auch, dass die Verzinsung tschechischer Staatsanleihen fast schon identisch mit der von deutschen Bundesanleihen ist.

Alle Erfolge können aber auch nicht verhindern, dass regelmäßig die Diskussion aufflammt, ob denn eine kleine Börse wie die in Prag auf Dauer lebensfähig ist. Ganze sieben Spitzenwerte, zu denen auch Cesky Telecom, der Energiekonzern CEZ, die Komercni Banka und der Kraftstoffverteiler Unipetrol gehören, bestimmen etwa 90 % des Börsengeschäfts. Mit Ausnahme der Ersten Bank, die 2001 die Sparkasse Ceska Sporitelna übernommen hat und seither in Wien und Prag gelistet ist, hat es seit 1993 keine einzige neue Aktienemission (IPO) gegeben. Das bedeutet aber nicht, dass es an der Prager Börse für die nächsten Monate kein Kurspotenzial mehr gäbe.

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