Kursgewinne
Der Charme der Chemie

Experten sehen bei vielen Chemieaktien noch Potenzial. Vor allem in Europa ist die Branche verheißungsvoll in das laufende Jahr gestartet. Auf welche Werte die Experten jetzt setzen.

FRANKFURT. Anleger, die auf die Chemiebranche setzen, hatten in den vergangenen beiden Jahren wenig Grund zur Klage. Seit Mitte 2004 verbuchten europäische Chemiewerte immerhin Kursgewinne von durchschnittlich rund 60 Prozent, bevor auch sie in den vergangenen Wochen in den allgemeinen Abwärtstrend gerieten.

Die meisten Branchenexperten sehen den Sektor trotz der jüngsten Korrekturphase weiterhin in starker Verfassung. Denn vor allem in Europa ist die Branche durchaus verheißungsvoll in das laufende Jahr gestartet. Die meisten Chemiekonzerne, darunter etwa Marktführer BASF, die niederländische Akzo oder der Bayer-Abkömmling Lanxess, warteten mit Quartalsgewinnen auf, die über den Erwartungen lagen. Bei amerikanischen Chemiefirmen fielen die jüngsten Zahlen zwar durchwachsener aus. Die Prognosen indessen waren auch jenseits des Atlantiks überwiegend von Zuversicht geprägt.

Externe Beobachter leiten daraus eine weiterhin positive Einschätzung für die Chemiebranche und ihre Entwicklung an der Börse ab. Die Rating-Agentur Fitch etwa verweist auf ein Branchenwachstum von etwa zwei Prozent in Europa und Nordamerika sowie acht Prozent in China. Aus Sicht vieler Analysten bietet sich damit ein weiterhin günstiges Szenario für Chemieaktien. „Insgesamt bewegen sich die Bewertungen noch nicht auf einem Niveau, wo man sich Sorgen machen müsste“, schätzt etwa Stefan Kippe von der WestLB.

Anleger stehen jedoch vor der Herausforderung, dass der Sektor eine äußerst heterogene Gruppe von Unternehmen umfasst, von Basischemieherstellern wie Dow bis hin zu Spezialisten wie Syngenta oder Giveaudan. Glänzten in den vergangenen beiden Jahren vor allem Großchemiefirmen wie BASF oder Dow mit hohen Gewinnsteigerungen, könnte sich das Gewicht in näherer Zukunft nach Einschätzung vieler Analysten eher in Richtung der Chemiespezialisten verlagern. Diese Unternehmen hatten bisher zum Teil Probleme, die steigenden Grundchemiepreise an ihre eigenen Abnehmer weiterzugeben. Doch inzwischen gibt es Anzeichen, dass die Situation sich verbessert. Firmen wie Clariant oder Degussa etwa berichteten jüngst von einer verbesserten Preis-Situation.

„Investoren sollten daher 2006 durchaus intensiver auf die Spezialchemie schauen“, empfiehlt Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Experten der Hypo-Vereinsbank sprechen von einer Verschiebung der Wachstumsimpulse „von den frühzyklischen zu den spätzyklischen Segmenten der Branche."

Gleichzeitig haben aber auch Großchemiefirmen wie BASF in den letzten Jahren ihre Abhängigkeit von Basis- und Petrochemikalien stark vermindert, zugunsten von höherveredelten Chemieprodukten. Das aktuelle Ertragsniveau stellt daher auch bei diesen Unternehmen nicht unbedingt ein zyklisches Hoch dar, sondern möglicherweise ein neues Plateau. Unter dieser Annahme dürfte es bei der Bewertung noch erheblichen Spielraum nach oben geben. Der Spitzenverdiener BASF zum Beispiel wird derzeit lediglich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zehn gehandelt. „Viele Chemiefirmen“, so WestLB-Analyst Kippe, „haben so gesehen durchaus eine defensive Qualität.“

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