Kurskosmetik
Aktiensplits feiern in Deutschland ein Comeback

In den Zeiten des Börsencrashs schien der Aktiensplit reif für die Mottenkiste. Halbieren taten sich die Kurse damals schließlich von ganz alleine. Doch seit die Notierungen wieder rasant gen Norden streben, entdecken immer mehr Unternehmen wieder das einstmals sehr beliebte und mittlerweile fast vergessene Instrument der Kurskosmetik.

HB FRANKFURT. „Das Auge kauft eben mit“, sagt Aktienstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Und nicht nur das: „Man kann über diesen Kniff die Nachfrage nach eigenen Aktien gezielt steuern“, erklärt Stefan Steib von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Mehr als ein bisschen Psychologie ist dazu nicht nötig: Denn große Zahlen auf dem Kurszettel – etwa Anteilspreise von mehr als 100 Euro – machen Aktien für Anleger schnell sperrig. Vor allem private Käufer schrecken dann leicht zurück vor Papieren wie denen von Porsche, für die sie pro Stück zurzeit gut 820 Euro auf den Tisch legen müssen. Schließlich erschwert das die gezielte Diversifikation im eigenen Depot.

Auf der anderen Seite beobachten Experten nach Ankündigung eines Aktiensplits oft steigende Kurse. „Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Aktien, die gesplittet werden, besser abschneiden als der Markt“, erklärt Steib. „Dabei sollte es de facto ein Null-Summen-Spiel sein“, fügt LBBW-Experte Schallenberger hinzu.

Denn bei einem Split erhöht ein Unternehmen zwar die Zahl seiner Aktien, Grundkapital und Wert der Firma bleiben aber gleich – das ist also in etwa so, als ob ein Zwanzig-Euro-Schein in zwei Zehner gewechselt wird. Stefan Rausch von Helaba Trust versucht dieses Phänomen so zu erklären: „Bei einem Split kommt zum Ausdruck, dass die Ertragslage der Firma gut ist.“ Denn obwohl die Zahl der Aktien steige, werde die Dividende sehr oft nicht im selben Verhältnis verringert. Die Folge: Der gesamte Ausschüttungsbetrag steigt. „Es sind tendenziell die gesunden Unternehmen, die so etwas machen“, betont Schallenberger. Auch Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen macht klar: „Ein Aktiensplit ist ein Signaleffekt des Managements, dass es in der Lage ist, die Dividende relativ gesehen zu erhöhen und die Erwartungshaltung der Anleger dahingehend zu befriedigen.“

Die Liste der deutschen Unternehmen, die bereits einen Aktiensplit angekündigt haben, wird immer länger: So wollen etwa Adidas, Beiersdorf und Celesio ihre Papiere durch einen klassischen Aktiensplit optisch billiger erscheinen lassen. Der Walldorfer Software-Konzern SAP plant eine andere Möglichkeit der Kurspflege. Mit der Ausgabe von Bonusaktien soll der aktuelle Kurs von rund 180 Euro verringert werden. Im Gegensatz zum klassischen Aktiensplit werden dabei Gewinnrücklagen in Grundkapital umgewandelt.

Für manch anderen steht Kurskosmetik dagegen überhaupt nicht zur Debatte: So hat etwa die US-Börsenlegende Warren Buffet die Aktien seiner Firma Berkshire Hathaway seit Bestehen des Unternehmens noch nie gesplittet. So viel Standfestigkeit gegen den Trend hat Folgen: Fast 90 000 Dollar muss ein Anleger berappen, um eine einzige Aktie der Beteiligungsgesellschaft zu ordern.

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