Kursniveau bleibt niedrig
„Zukunftsaktien“ kleben am Boden

B-2-B-, Logistik-, Wind- und Solarenergie-Aktien werden ihre Höchstkurse nach Ansicht von Experten nicht mehr erreichen.

FRANKFURT/M. Ende des vergangenen Jahrtausends ließen schon zukunftsverheißende Schlüsselworte bestimmte Aktien steil gen Himmel steigen. Die „Zukunftstechnologien“ hießen B-2-B (Business to Business), Brennstoffzelle, Erneuerbare Energien oder Logistik, die „Zukunfts“-Aktien hießen Commerce One, Ballard Power, Solarworld, Energiekontor oder D. Logistics. Sie brachten Anlegern zunächst hohe Gewinne – im Extremfall Ballard Power wurden aus 1000 Euro rund 9,05 Mill. Euro.

Ab März 2000 folgte dann der Absturz mit Verlusten von bis zu 99,93 % (Internet Capital Group), aus 1000 Euro wurden rund 70 Cent. Während die Internet- und die Biotechbranche sich durchgesetzt haben und die Kurse überlebender Unternehmen wieder nach oben streben, ist das bei anderen „Zukunftsbranchen“ bislang ausgeblieben. Und bis auf Titel aus dem Brennstoffzellen-Bereich wird dies laut Experten auch so bleiben. „Die Kursniveaus des Jahres 2000 werden wir bei diesen Titeln höchstwahrscheinlich nie wieder sehen“, sagt Georg Hochwimmer, Geschäftsführer von General Research.

Bei den auf Wind- und Solarenergie spezialisierten Unternehmen liegt es nicht an einer Fehleinschätzung des Branchenpotenzials. „Photovoltaik und Windenergie sind Wachstumsmärkte, allerdings nicht mit den prophezeiten Wachstumsraten“, sagt Analyst Patrick Hummel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Projektentwickler Plambeck, Umweltkontor und Energiekontor leiden, da der deutsche Markt fast abgedeckt ist und der Schritt ins Ausland nicht klappt. „Das Geschäftsmodell hat sich überlebt“, sagt Hummel. Anders sieht es bei Herstellern von Windanlagen aus, wie Repower oder Nordex. „Anlagenhersteller werden am Offshore-Markt verdienen und einige Aktien bieten gute Einstiegsmöglichkeiten.“ Die börsennotierten Solar-Werte wie Solarworld und Solar-Fabrik sind laut Hummel am Weltmarkt unbedeutend. Den teilen sich Unternehmen wie BP oder Shell, gegen die die kleinen Firmen kaum Chancen haben.

Auch im Fall B-2-B war die Euphorie nicht unbegründet. „Das Problem ist, dass die B-2-B-Spezialisten zu Opfern ihrer eigenen Idee wurden“, sagt Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Jens Ehrhardt Kapital. Statt Ariba, Commerce One und Co. das Geschäft mit den Internethandelsplattformen für den B-2-B-Bereich zu überlassen, machten sich Branchengrößen aus der Old Economy die Idee zu eigen und bauten die Plattformen selber. „Deshalb konnten die B-2-B-Unternehmen die hohen Erwartungen nicht erfüllen“, sagt Hochwimmer. Ende des Jahrtausends sei der Markt davon ausgegangen, dass zwar „Business to Consumer“ (B-2-C)-Werte wie Ebay oder Amazon attraktiv seien. Noch attraktiver schätzte man B-2-B-Titel ein. „Das war eine krasse fundamentale Fehleinschätzung“, sagt Hochwimmer. Er ist aber optimistisch, dass Ariba, Commerce One oder Internet Capital Group im Kurs steigen könnten. Doch Anlegern, die einen Verlust von bis zu 99 % erlitten haben, ist dies ein schwacher Trost. Ähnliches gilt für Aktien wie Thiel Logistik oder D. Logistics. „Die Anbieter von Gesamtlösungen“ sind in der Hype-Phase viel zu schnell durch teilweise teure Käufe gewachsen“, sagt Jochen Rothenbacher von Equinet. Das Geschäft sei grundsolide, die versprochenen Margen aber nicht zu erzielen. Der Analyst empfiehlt, beide Werte zu verkaufen. „Sie sollten die Ertragswende schaffen, aber das ist in den Kursen berücksichtigt.“

Nur für Brennstoffzellen-Aktien sind Experten zuversichtlich. „Die Technik wird sich durchsetzen“, erwartet Weinberger. Fraglich ist nur, ob der einstige Börsenstar Ballard davon profitieren wird. „Wer am Ende die Nase vorn hat, ist schwer abzuschätzen“, so Weinberger. Er empfiehlt, nicht auf Spezialisten zu wetten, sondern sich an Großunternehmen wie Linde oder Sulzer zu beteiligen, die auch in der Brennstoffzellentechnik engagiert sind. „Wenn es dann nicht klappt mit der Brennstoffzelle, hat der Anleger immer noch eine solide Old-Economy-Aktie im Depot.“

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