Kurt von Storch im Interview
„Aktien, Gold und Immobilien rücken in den Fokus“

Kurt von Storch ist Gründer und Vorstand des unabhängigen Vermögensverwalters Flossbach & von Storch. Im Interview spricht er über Veränderungen im Private Banking und über Trends bei der Vermögensverwaltung.
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Handelsblatt: Unabhängige Vermögensverwalter sollten von der Krise und dem Vertrauensverlust der wohlhabenden Familien profitieren. Aber der Ansturm ist bisher ausgeblieben, oder sehen Sie das anders?

Von Storch: Ansturm ist übertrieben, aber wir verspüren seit mehreren Monaten durchaus großes Interesse an unseren Dienstleitungen. Vor allem Kontinuität in der Betreuung und eine nachhaltige Performance werden von den Kunden nachgefragt und honoriert. Derzeit sondieren vor allem Inhaber großer Vermögen den Markt.

Ein großer Teil der Kunden ist nachhaltig verunsichert. Viele mussten erfahren, dass der Vermögenserhalt nicht garantiert werden konnte. Wie können die Banken und Vermögensverwalter verlorenes Vertrauen in den kommenden Monaten zurückgewinnen?

Die Verunsicherung der Kunden ist durch die Finanzkrise und die ständige Veränderung in der Bankenlandschaft stetig gewachsen. Dieses Vertrauen kann nur langfristig durch ehrliche Kommunikation, Offenheit, Betreuungskontinuität und mindestens akzeptable Performance wieder aufgebaut werden. Das ist keine Sache von zwei oder drei Jahren.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Branche in Zukunft? Wie müssen sich die Geschäftsmodelle nach der Finanzkrise ändern?

Die größte Herausforderung besteht für viele Akteure darin, ein Geschäftsmodell zu etablieren, das den Kunden wieder in den Mittelpunkt der Tätigkeit stellt und auf eine Interessensidentität zwischen Kunde und Vermögensverwalter abgestellt ist. Hierzu gehören passionierte und wertpapiererfahrene Berater, welche dem Kunden auf Augenhöhe begegnen und ihn umfassend betreuen. Langjähriges und tiefgehendes Wissen um die Kapitalmärkte sind dabei Minimalvoraussetzung.

Welche Trends erwarten Sie in der Aufteilung der Vermögen im kommenden Jahr? Gehen die Kunden weiterhin auf Nummer sicher und setzen dabei vor allem auf Geldmarktprodukte, wie wir es in den vergangenen Monaten erlebt haben?

Die Solvenz von Staaten mit extrem hoher Verschuldung wie beispielsweise Griechenland, aber auch Großbritannien, werden ein zunehmendes Thema an den Rentenmärkten. Sachwerte wie Aktien erstklassiger Unternehmen, Gold und solide Immobilien rücken dadurch in den Fokus langfristig orientierter Investoren. Dabei spielt nicht nur die Rendite, sondern auch der Erhalt der Kaufkraft eines Vermögens eine große Rolle. Das sind für mich die wichtigsten Trends.

Was erwarten die Kunden in Zukunft von ihren Vermögensverwaltern? Bleibt ein Misstrauen gegenüber quantitativen Modellen im Markt?

Die Kunden erwarten eine kompetente und ehrliche Beratung. Gesunden Menschenverstand und Bodenhaftung statt quantitativer Modelle. Offenheit und Transparenz sowie Langfristigkeit im Denken statt einer kurzfristigen Provisionskultur. Das sind die wesentlichen Punkte.

Wie verändert sich der Markt durch die Übernahme des Kölner Privatbankhauses Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank? Wird sich der Deal auszahlen, oder werden Mitbewerber profitieren? Spüren Sie Anfragen wechselwilliger Kunden?

Kurz gesagt: Kompetenz und Integrität sind wichtiger als Historie und schiere Größe. Der Trend zu unabhängigen und sachkompetenten Vermögensverwaltern wird sich fortsetzen.

Kommentare zu " Kurt von Storch im Interview: „Aktien, Gold und Immobilien rücken in den Fokus“"

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  • Warum sollte ein vermögensberater für mich arbeiten ?
    Hätte er Ahnung, hätte er Vermögen und würde es nicht nötig haben für mich zu arbeiten.
    Und warum sollte man auf Vermögensberater hören, die derzeit empfehlen, was alle empfehlen ? Sie sind wie Tiere die mit der Horde rennen.

    Was der Kunde vom Anbieter braucht, sind informationen zum "Finanzmarktprodukt" und diese informationen müssen vollständig sein. Es müssen gesetzliche Vorgaben her, nicht im möglichen Design eines Finanzmakrtprodukts, sondern zum inhalt der beschreibung. Verlust- und Haftungsrisiken, Anrechenbarkeit bei Hartz4 oder steuerliche Ausasgen (Doppelbesteuerung etc.) und wenn diese Angaben nicht zutrafen, hat der Anleger entschädigt zu werden.
    Nur bei ehrlichen Anbietern kann ein Anleger entscheiden, und da hilft ihm letztendlich auch kein Anlageberater (Madoff oder Lehman?).
    Leider ist Ehrlichkeit ein Fremdwort in unserer Gesellschaft der Gier.

  • Zuerst auch vielen Dank für diesen nach der Überschrift zu vermutenden interessanten Artikel.

    Enttäuschend belässt es Herr von Storch bei der Eigenwerbung indem er mehrfach auf die "unabhängigen Finanzberater" hinweist, wobei auch diese intern nicht unabhängig sind da dem eigenen Geschäftsmodel verpflichtet.

    Leser freuen sich heute über konstruktive Gedankenanstösse, wie man heute vor allem vernünftig investieren könne - hier lässt Herr von Storch nicht im Ansatz Kompetenz und Wissen durchklinken - leider ist somit auch nicht´s bei uns hängen geblieben.

    Für meinen Geschmack gibt sich Herr von Storch hier zu verschlossen und die Fragen hätten ruhig ein wenig fordernder gestellt werden können.

    beste Münchner Grüsse
    R.Haller
    www.goodmanhaller.com

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