Kurzfristige Engagements gelten jedoch als spekulativ
Lateinamerika-Strategen setzen auf Brasilien

Überdurchschnittliche Aktienfonds mit der Ausrichtung auf Lateinamerika weisen für die vergangenen zwölf Monate Wertgewinne von über 30 Prozent aus. Ob das so weitergehen kann, ist unter Experten umstritten.

HB FRANKFURT/M. „Für kurzfristig orientierte Anleger ist Lateinamerika derzeit hoch spekulativ“, meint Fondsexperte Gert Bennewirtz von SJB FondsSkyline. Er begründet seine Skepsis mit hohen Zinsniveaus, Inflation und anhaltenden politischen Unsicherheiten. In Brasilien beispielsweise umfasse der Schuldendienst aktuell 41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Argentinien sogar 90 Prozent – und in beiden Ländern stocke die Privatisierung. Zudem beschränke sich die Aktienauswahl faktisch auf nur drei Länder: Brasilien, Mexiko und Chile. „Fondsmanager haben unter diesen Umständen kaum Diversifikationsmöglichkeiten“, sagt Bennewirtz.

Positiver gestimmt sind James Gotto, Fondsmanager des Schroder ISF - Latin American Fund, und Will Landers von Merrill Lynch Investment Managers, der den MLIIF - Latin America Fund verwaltet. „Die attraktiven Bewertungen an den Aktienmärkten Lateinamerikas wiegen die Risiken auf, die mit dem weltweiten Anstieg des Zinsniveaus verbunden sind“, sagt Gotto. Auch die Stärke des Wachstums der regionalen Volkswirtschaften und der Unternehmensgewinne, vor allem in Brasilien und Mexiko, spreche für einen positiven Ausblick. In der Hitliste der Lateinamerikafonds rangieren beide Produkte mit Zwölfmonats-Wertgewinnen von 31,17 bzw. 30,94 Prozent auf dem sechsten und siebten Platz.

Vor allem Brasilien hat es beiden Fondsmanagern angetan. „Unser Portfolio ist so ausgerichtet, dass es von einer Erholung in Brasilien profitieren kann“, sagt Merrill-Fondsmanager Landers. Er erwartet weitere Zinssenkungen in Brasilien, die positiv auf die Börse ausstrahlen sollten. Leicht übergewichtet hat Landers Mexiko, während er in Chile und den kleineren Märkten insgesamt untergewichtet bleiben will. Ähnlich hält es Schroders-Mann Gotto. Auch in seinem Fonds sind nur Brasilien und Mexiko übergewichtet. „Zwar ist der Ausblick für Chile ebenfalls positiv“, so Gotto, „aber Anlagemöglichkeiten sind angesichts des dortigen Bewertungsniveaus schwer zu finden“.

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