Kurzfristige Rückschläge machen Experten keine Sorgen – Bonds bleiben eine Alternative
Schwellenländer-Anleihen bringen Anlegern satte Erträge

Die Anleihekurse von Schwellenländern sind in den vergangenen Wochen gefallen. Die Furcht, dass die Weltwirtschaft langsamer wächst, ließ Anleger stärker zu Bonds der Industrienationen als zu riskanteren Papieren aus Südamerika, Osteuropa und Russland greifen. Die meisten Anleiheexperten sehen die Verluste jedoch nur als kurzfristigen Rückschlag an.

Hb FRANKFURT/M. Der Trend der vergangenen beiden Jahre, in denen die Kurse der so genannten Emerging-Markets-Anleihen kräftig gestiegen sind, ist intakt, glauben die Analysten. Die Kurse werden also nach ihrer Ansicht wieder steigen, zumindest so lange sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern (siehe „Risiken für Anleihen der Emergin Markets“).

„Wir haben derzeit ein so gutes Umfeld für Emerging Markets wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagt Larry Brainard, Analyst für Schwellenländer-Bonds bei der WestLB in London. „Die Neuverschuldung in vielen Ländern sinkt, sie werden politisch stabiler und ihre Wirtschaft wächst weiter.“

In den vergangenen beiden Jahren stiegen die Kurse der Emerging- Market-Bonds deutlich. Dadurch sanken ihre Renditen bzw. Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber US- Staatsanleihen von über zehn auf im Schnitt 4,1 Prozentpunkte. Brainard hält den Markt aber nicht für überbewertet und rechnet mit weiteren moderaten Rendite-Rückgängen. Auch Paul Terres, Research-Manager für Emerging-Market-Bonds bei der Fondsgesellschaft Deka Investment, hält die Anleihen weiterhin für eine Alternative zu anderen Bonds. Er warnt aber vor zu großem Optimismus: „Viele gute Nachrichten sind in den Spreads bereits enthalten, und die Erfolgsstory der vergangenen beiden Jahre wird sich in diesem Umfang nicht wiederholen.“ In ausgewählten Ländern wie Russland, Brasilien oder auch Südafrika bestünden jedoch noch weiter gute Aussichten.

„Langfristig spricht noch viel für die Anleihen von Schwellenländern“, sagt auch Christian Schiweck, der bei der Spezialfondsgesellschaft Deutsche Asset Management das Research für Emerging-Market- Bonds leitet. „Wir haben den Trend zu einer globalen Konvergenz, dass heißt die Schwellenländer gleichen sich wirtschaftlich den Industrienationen an.“ Dafür spreche etwa die demographische Entwicklung, die in vielen Schwellenländer positiver sei als in Industrienationen.

Zu den Favoriten vieler Experten gehören Anleihen aus Russland, die im Schnitt 2,6 Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen bieten. Das Land profitiert als einer der großen Ölexporteure vom hohen Ölpreis und gilt auch politisch als recht stabil. Dazu kommen Devisenreserven von über 100 Mrd. Dollar. „Russland wird bald ein Net Creditor sein, dass heißt, die Welt schuldet Russland dann mehr Geld als umgekehrt“, sagt Schiweck. Die Regierung in Russland erwägt, Schulden vom Pariser Club, in dem die größten Gläubiger versammelt sind, vorzeitig zu tilgen. Dies könnte zu einem besseren Rating führen, vermutet die DZ Bank. Auch Terres sieht für Russland noch Heraufstufungspotenzial. Die Ratingagentur Moody’s bewertet Russland schon seit einem Jahr mit „Baa3“, ein Rating am unteren Ende des sicheren Investment-Grade. Bei Standard & Poor’s und Fitch ist Russland mit „BB+“ noch eine Bonitätsnote von diesem Gütesiegel entfernt.

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