Kurzfristwetten auf Konjunkturdaten sind riskant
Auch Profis liegen oft daneben

Donnerstag, 14.20 Uhr: Wertpapierhändler Hartmut Wollz (Name geändert) starrt auf die Kurstafel im Frankfurter Börsensaal. Wollz hat gerade Aktien verkauft, weil er mit enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten und fallenden Notierungen rechnet. Hunderttausende Euro stehen auf dem Spiel. Weil viele Marktteilnehmer wetten wie er, fallen die Kurse tatsächlich.

FRANKFURT/M. 14.30 Uhr, der Schock: In den USA wurden mehr Stellen geschaffen, als von den Pessimisten erwartet. Händler Wollz schreit: Kaufen, kaufen! Die Aktien steigen nun im Sekundentakt. Er muss die eben verkauften Aktien teuer zurückkaufen, um vom weiteren Anstieg zu profitieren, auf den er jetzt setzt.

14.40 Uhr, das Strohfeuer: Die Kurse fallen wieder. Wollz stöhnt über die Verlustgeschäfte: „Wer falsch liegt, wird überfahren.“

Spekulieren auf Konjunkturdaten – was Profis, wenn sie schief liegen, meist wegstecken können, kann Laien ihr Vermögen kosten. „Privatanleger sollten auf Tradinggeschäfte rund um Konjunkturdaten verzichten. Die Taktik ist selten erfolgreich, weil die Marktreaktionen kaum vorhersehbar sind“, warnt Johannes Reich vom Bankhaus Metzler.

Börsianer werden täglich mit vielen Daten konfrontiert – beispielsweise Arbeitsmarktzahlen, Auftragseingänge, Verbrauchervertrauen (siehe Tabelle). Solche Konjunkturindikatoren sind Statistiken volkswirtschaftlicher Daten und Stimmungserhebungen bei Unternehmen und Bürgern. Sie sollen Dauer und Höhepunkte von Wirtschaftsaufschwüngen oder Tempo und Ende von Abschwüngen signalisieren. Für Anleger sind die Zahlen vor allem Vorboten der Börsenentwicklung. Auch heute lauern die Investoren wieder auf neue Signale. In den USA werden wie jeden Donnerstag die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung gemeldet. „Die Konsensschätzung der Analysten liegt bei 340 000 Neuanträgen nach 360 000 vergangene Woche“, sagt Bettina Müller, Fondsmanagerin der DWS. 2003 hatten die Werte meist bei über 400 000 gelegen. Dennoch waren Aktien in der Hoffnung auf Besserung monatelang gestiegen.

Inzwischen hat der Optimismus abgenommen, obwohl die Arbeitsmarktdaten besser ausfallen als damals. Der Deutsche Aktienindex (Dax) und der US-Index Dow Jones notieren etwa auf Jahresanfangsniveau. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 ist sogar gefallen.

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