Langfristanleger sollten im Ausland investieren und heutige Vorzeigebranchen wie die Autoindustrie meiden: Überalterung drückt die Renditen

Langfristanleger sollten im Ausland investieren und heutige Vorzeigebranchen wie die Autoindustrie meiden
Überalterung drückt die Renditen

Die Menschheit wächst und gedeiht – allerdings nicht in den westlichen Ländern. Die Vereinten Nationen haben hochgerechnet, dass es 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde gibt, gut 2,5 Milliarden mehr als heute. In den Industrieländern aber stagniert die Bevölkerungszahl auf dem heutigen Niveau von 1,2 Milliarden. Die westlichen Gesellschaften überaltern: auf jedes Kind kommen in 45 Jahren zwei Über-60-Jährige.

HB DÜSSELDORF. Das hat enorme Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Durch Überalterung und die Reformen der Rentensysteme drohen den Anlegern sinkende Renditen, vor allem bei Aktienanlagen, wie Michael Schröder sagt, der beim Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den Forschungsbereich internationale Finanzmärkte leitet. Denn die Deutschen investieren zurzeit vor allem im eigenen Land. Dabei sollte das in einheimischen Papieren angelegte Kapital Schätzungen von Investmenthäusern zufolge weniger als zehn Prozent des Portfolios betragen. Stattdessen dürften künftig vor allem Schwellenländer das Kapital der altersmüden Europäer anziehen (siehe „Anlagetrend Schwellenländer“). Das geht aus einer Studie hervor, für die das ZEW rund 250 Finanzexperten befragt hat.

Viele Anleger sind sich der Folgen der demographischen Umwälzung nicht bewusst. Der Wandel werde in den nächsten Jahren nur schleichend vor sich gehen, sagt Wolfgang Sawazki, Chef der Analyseabteilung des Bankhauses Sal. Oppenheim: „Im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 aber werden wir eine massive Beschleunigung des Effekts erleben, wenn die Babyboomer langsam ins Rentenalter kommen.“ Ältere konsumieren weniger und anders, beanspruchen aber zunehmend Leistungen.

Sawazki rät langfristig orientierten Anlegern, zur Absicherung gegen den demographischen Wandel strategisch in Industrien zu investieren, die von der Überalterung der Bevölkerung profitieren. „In den kommenden Jahrzehnten rechne ich mit weniger revolutionären Impulsen aus dem Technologiesektor als vielmehr aus dem Bereich Gesundheit und Wohlbefinden“, sagt Oliver Drebing, Analyst bei SES Research. Private Krankenhäuser wie die Marseille-Kliniken, die ihr Altenpflegesegment kontinuierlich ausbauen, zählt er „perspektivisch zu den Wachstumswerten schlechthin“ (siehe „Die Republik altert“). Auch angelsächsische Altenpflegekonzerne, zum Beispiel Sunrise Senior Living, streckten ihre Fühler nach Deutschland aus. Als „starken Wachstumstreiber“ für den Gesundheitssektor“ bezeichnet Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler den demographischen Wandel in den Industrieländern, die nun einmal der wichtigste Absatzmarkt für Medikamente seien: „Allein in den USA werden 40 bis 45 Prozent des Weltmarkts verkauft.“

Konsumgüterhersteller hingegen müssen mit geringeren Absatzchancen rechnen. Für Auto-Hersteller, die auf Volumen setzten und von der Kapazitätsauslastung lebten, sei die Überalterung ebenfalls eine schlechte Nachricht, sagt Auto-Analyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank (HVB). Er rechnet für die nächsten zehn bis 15 Jahre für die Autobranche in Westeuropa mit einer langfristigen Wachstumsrate von gerade mal 0,3 Prozent. Aber auch hier gibt es Ausnahmen – Firmen, die den Trend zu nutzen wissen: „Premiumhersteller wie Porsche stehen auf der Gewinnerseite.“

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