Langlaufende Staatsanleihen
Bundesanleihen koppeln sich von Leitzinsen ab

Die letzten Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Investoren von langlaufenden Bundesanleihen mehr oder weniger kalt gelassen. Obwohl die Währungshüter den Schlüsselzins seit Mitte Januar schrittweise von damals zwei auf das jetzt historische Tief von einem Prozent gesenkt haben, ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wieder gestiegen.

FRANKFURT. Nach dem historischen Schritt der EZB fiel die zehnjährige Bund-Rendite, die als Messlatte für die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum gilt, auf ein Allzeittief von etwas unter 2,9 Prozent. Bis Juni kletterte sie dann aber - ungeachtet der weiteren Leitzinssenkungen bis auf knapp 3,8 Prozent. Seither ist sie wieder auf 3,3 Prozent gesunken.

Die 3,3 Prozent sind wenig für Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten. Die meisten Banken und Fondsgesellschaften finden die staatlichen Langläufer deshalb auch wenig attraktiv. Sie raten Anlegern zu höher verzinsten Unternehmensanleihen. Deren Renditen sind in diesem Jahr aber deutlich gesunken. Das lag daran, dass Investoren wieder risikofreudiger geworden sind und deshalb Unternehmensanleihen den niedrig rentierenden Staatsanleihen vorzogen.

Dass sich die langlaufenden Staatsanleiherenditen zuletzt von den Leitzinsen abgekoppelt haben, ist nicht ungewöhnlich. In der Endphase von Zinssenkungszyklen reagieren die Kapitalmarktzinsen meist nur noch wenig auf die Schritte der Zentralbanken. Mehr im Fokus stehen dann die Erwartungen an die künftige Zinspolitik und vor allem das wirtschaftliche Umfeld.

So stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auch von Mai bis Juni besonders deutlich, weil sich in dieser Zeit die Konjunkturperspektiven aufhellten. Zudem kochte damals die Diskussion um eine langfristig stark ansteigende Inflation hoch. Die Teuerungsraten erhöhten sich schließlich historisch gesehen stets dann, wenn Zentralbanken - wie seit diesem Jahr die Notenbanken in den USA und Großbritannien - über den Ankauf von Staatsanleihen die Finanzierung der Staatsverschuldung übernahmen und dafür die Notenpresse anwarfen.

In den letzten Wochen sind aber die Konjunktursorgen wieder mehr in den Fokus der Anleger gerückt. Trotz der Verbesserung von weichen Konjunkturdaten wie Stimmungsindikatoren bleibe die Frage, woher denn die Antriebskräfte für einen Wirtschaftsaufschwung kommen soll, meinen die Strategen der WGZ Bank. Dies scheinen sich viele Investoren zu fragen und greifen deshalb wieder etwas stärker zu ausfallsicheren Staatsanleihen.

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Langlaufende Staatsanleihen koppeln sich vom Leitzins ab

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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