Laut Marktstatistik hat der amtierende US-Präsident die Wahl im November schon verloren
Die Börse senkt den Daumen über Bush

Wenn amerikanische Aktionäre vor der Wahl Verluste einstecken müssen, hat der Präsident schon verloren. Das belegt zumindest die Statistik. Seit dem Zweiten Weltkrieg sank das Kursbarometer Standard & Poor’s 500 in einem Präsidentenwahljahr nur zweimal: 1960 und 2000. Und beide Male schickten die Wähler den Kandidaten der regierenden Partei in die Wüste.

HB NEW YORK. So gesehen kann der republikanische Amtsinhaber George W. Bush eine zweite Amtszeit abschreiben, und sein Herausforderer, Senator John Kerry von den Demokraten, wird am 2. November zum neuen US-Präsidenten gewählt. Denn der Leitindex liegt schon 1,5 Prozent im Minus.

„Die Börse ist eine Art vorzeitiger Wahlzettel“, sagt Jeffrey Hirsch, Chefredakteur des „Stock Trader's Almanac“, der die Verlaufsmuster der US-Aktienkursen analysiert. Die Kursentwicklung sei aufschlussreicher als Umfrageergebnisse, „weil die Leute hier Taten sprechen lassen“, erläutert Hirsch. „Wenn es einen schwachen Amtsinhaber gibt, der die Wahl nicht gewinnen wird, wird die Börse das prognostizieren.“

Die Umfrageergebnisse sind verheerend für Bush. Die Zustimmung der Bürger ist auf Rekordtief. Und wenn die Wahlen jetzt stattfänden, würde Herausforderer Kerry den Meinungsforschern zufolge Bush klar schlagen.

Was die Frühwarnfunktion der Börsen angeht, kommt es für Bush noch schlimmer. Denn Rohstofftitel wie Öl- oder Gasaktien gehören trotz Flaute zu den Gewinnern im S&P-500. Der Branchenindex legte im Zuge der Ölpreishausse in diesem Jahr um 6,1 Prozent zu. Und wie die Marktforscher von Ned Davis Research herausgefunden haben, bedeuten boomende Rohstoffwerte für die Partei des Amtsinhabers für gewöhnlich eine Wahlniederlage. Volkswirtschaftlich lässt sich dieser Zusammenhang untermauern. Hohe Rohstoffpreise verteuern die Energiekosten von Unternehmen und führen zu höherer Inflation und höheren Zinsen, was dann auch noch die Geldbeschaffung der Firmen teurer macht – und zu sinkenden Aktienkursen führt.

Rückschau: Vor vier Jahren hatte George W. Bush dieses statistische Phänomen noch auf seiner Seite. In den zehn Monaten bis zur Präsidentenwahl 2000 sank der S&P-500 um 2,5 Prozent – und der Herausforderer Bush schlug den damaligen Vizepräsidenten Al Gore. Und 1960 waren die Kurse vor der Präsidentenwahl im November sogar um acht Prozent gesunken: Der Demokrat John F. Kennedy setzte sich gegen Richard Nixon durch – den die Republikaner, die damals mit Dwight Eisenhower den Präsidenten stellten, ins Rennen geschickt hatten.

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