Lebensversicherung
Die Garantie schwindet immer mehr

Eine Anordnung des Finanzminister konterkariert die offizielle Propaganda für die private Altersvorsorge: Die für 2007 vorgeschriebene Kürzung des Garantiezinses für Lebensversicherungen führt schlussendlich zu höheren Beiträgen. Damit verliert die Lebensversicherung im Vergleich mit anderen Anlagen weiter an Attraktivität.

DÜSSELDORF. Der Staat hat in den vergangenen beiden Jahren mehrfach in das Geschäftsmodell der Lebensversicherer eingegriffen. Der gravierendste Einschnitt war die Kappung des Steuerprivilegs für Kapital-Policen. Seit 2005 verkauft sich der einstige Kassenschlager der Branche daher bedeutend schlechter. Nun legt der Finanzminister mit der Senkung des Garantiezinses von 2,75 auf 2,25 Prozent noch einen Nachteil obendrauf. Die Regelung gilt für Policen, die ab 2007 abgeschlossen werden.

Der Garantiezins gibt den Versicherern die Verzinsung vor, die sie ihren Kunden maximal als Mindestgarantie zusichern dürfen (siehe „Verwirrung mit System“). Über die Höhe entscheidet zwar der Finanzminister. In der Frage, ob abgesenkt werden muss oder nicht, sind ihm allerdings die Hände gebunden. Dies richtet sich nach einer festen Formel: Wenn der aktuelle Garantiezins 60 Prozent der Umlaufrendite von Bundesanleihen im zehnjährigen Mittel überschreitet, dann muss abgesenkt werden – egal ob es in die politische Landschaft passt oder nicht. Aktuell liegt die Umlaufrendite bei rund 3,8 Prozent.

Alle bestehenden und bis Ende des Jahres abgeschlossenen Policen sind von der Absenkung nicht betroffen. Auf ab 2007 beginnende Policen wirkt sich die Zinsänderung allerdings preistreibend aus. Denn wenn der kalkulierte Zins sinkt, mit dem die Versicherungssumme oder spätere Garantierente angespart wird, steigt zwangsläufig der Beitrag. Wer eine feste Summe, etwa für eine Hausfinanzierung, absichern will, muss also demnächst tiefer in die Tasche greifen. Aber auch hier gilt, laufende Finanzierungen sind nicht betroffen.

Der Fachkreis Lebensversicherung der Vereinigung der Versicherungsbetriebswirte in Köln hat für das Handelsblatt folgendes Beispiel ausgerechnet: Ein 40-jähriger Mann, der noch in diesem Jahr beginnt, für eine private Rente in Höhe von garantiert 1 000 Euro monatlich ab dem 65. Lebensjahr anzusparen, zahlt der Versicherung dafür rund 600 Euro Beitrag pro Monat. Entschließt er sich dazu erst ab 2007, verteuert sich sein Beitrag um mehr als 80 Euro monatlich – oder 14 Prozent. „Umgekehrt wäre bei gleichbleibendem Beitrag die Garantierente entsprechend niedriger“, sagt Fachkreisleiter Eberhardt Froitzheim.

Die Garantie ist gleichwohl nicht alles. Wer einen Fernseher kauft, hat auch bloß zwei Jahre Garantie und darf dennoch darauf vertrauen, dass er länger läuft. Mit der Lebensversicherung verhält es sich ähnlich. Der Versicherer garantiert bei Abschluss eine Mindestverzinsung seiner Sparbeiträge; doch jeder geht davon aus, dass am Ende mehr herauskommt. Die Garantieverzinsung ist sozusagen nur die Pflicht und die Gewinnbeteiligung die Kür, die die Gesamtverzinsung aufbessert. Und die Gesamtverzinsung liegt nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 2006 bei den meisten Unternehmen zwischen 4,4 und 5,2 Prozent, inklusive der Schlussgewinnanteile.

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