Leerverkäufe
Short Selling – ein Selbstversuch

Leerverkäufe sind ein Geschäft, bei dem man Nerven haben muss.
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Freitag, 11. Mai. Consors ist bereit, ein Testdepot zu eröffnen. Darauf kommen 50 000 Euro für Sicherheitsleistungen. Mein erster Kandidat: RWE. Der französische Versorger EdF soll angeblich an einer Übernahme interessiert sein. Die Börse glaubt die Story. Ich nicht. EdF ist an EnBW beteiligt, das gäbe Probleme mit dem Kartellamt. Außerdem wäre es nicht leicht, die vielen Kommunalfürsten, die an RWE beteiligt sind, herauszukaufen. Ich verkaufe RWE. Bis Montag werden die Dementis bestimmt wirken.

Montag, 14. Mai. Keine leichte Zeit für Short Seller. Der Dax schwingt sich wieder über 7 500 Punkte. Alles steigt, aber RWE fallen. Der Vorstand behauptet, die Übernahmenachricht sei gestreut worden, um den RWE-Kurs nach oben zu manipulieren. Das passt doch.

Mittags kommt der Quartalsbericht von Beate Uhse. Das einzig Glamouröse daran sind die mit Strass besetzten Handschellen, mit denen das Covergirl herumfuchtelt. Kostenlose Internet-Angebote machen Beate Uhse zu schaffen. Die Zahlen sind unterirdisch: 75 Prozent Minus beim Ergebnis. Der Vorstand bietet sich Investoren zum Kauf an. Die werden sich bedanken. In Frankfurt sucht jemand 750 Stück. Die soll er haben. "Von mir, an dich", heißt das auf dem Parkett.

Anleger können auch mit Put-Optionsscheinen auf fallende Kurse setzen. Auf kleine Werte wie Beate Uhse aber gibt es keine Puts. Außerdem laufen Puts selbst bei stark fallenden Aktien nicht wie erhofft. Die Schwankungsintensität der Kurse, die Restlaufzeit des Puts und miese Ankaufspreise der Banken schlagen da durch. Aktien-Shorts sind besser kalkulierbar.

Dienstag, 15. Mai. Vorstände von Continental haben Aktien verkauft. Die werden vielleicht wissen, warum sie Conti teuer finden. Ich hänge mich dran. 100 Conti finden in Stuttgart einen Käufer.

Ein noch besserer Short, weil operativ angeschlagen, sind TUI. Vorstandschef Michael Frenzel hat mal wieder danebengegriffen. Zwar steigen die Frachtpreise wieder, aber nur im Asienverkehr. Der teure TUI-Zukauf CP Ships fährt vor allem auf dem Atlantik. Die Touristik läuft auch mau. Zusammen mit TUI habe ich jetzt offene Short-Positionen über 43 000 Euro. Die Baisse kann kommen.

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