Liquiditätsschwemme
Börse auf Droge – wie lange noch?

Die Märkte sind wie im Rausch. Getreu der Formel von Börsenaltmeister Kostolany „Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie“ geht die Party weiter. Doch was passiert, wenn den Börsen die Liquidität entzogen wird?
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DüsseldorfAktionäre im Glück – seit Monaten steigen die Aktienkurse rund um den Globus. Dax und Dow Jones jagen von Rekord zu Rekord. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der deutsche Standardwerteindex die magische Marke von 10.000 Punkten überwindet. Der Dow Jones ist mittlerweile auf mehr als 16.000 Punkte geklettert.  Im Oktober stand er noch unter 15.000 Punkten. Befeuert wird die Rally an den Aktienmärkten von den Notenbanken oder genauer ihrer Politik des billigen Geldes. Seit einigen Jahren fluten sie die Märkte mit Liquidität.

„Die Geldschwemme der vergangenen Jahre, die gekoppelt war und ist an ein Niedrigzinsumfeld in quasi allen westlichen Industrienationen, war die politische Antwort auf die hohen Verwerfungen aus den Jahren 2008/2009“, sagt Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brother, die eine weltweite Finanz- und in der Folge auch Wirtschaftskrise auslöste, hatten die Notenbanken nur ein Ziel: die Wirtschaft wieder zu stabilisieren und anzukurbeln. Die europäische Schuldenkrise zwang die Europäische Zentralbank (EZB) zu ähnlichen Maßnahmen wie die US-Notenbank Fed.

Die Leitzinsen rutschten auf Rekordtiefs. Und weil es in Zeiten, in denen auch Anlagezinsen quasi abgeschafft sind, an Investment-Alternativen mangelt, fließt eine Menge Geld in die Aktienmärkte. Liquiditätsgetriebene Rally nennen Experten das, was wir an den Märkten erleben. Doch wie lange kann das noch gut gehen? Wann entziehen die Notenbanken den Märkten das Geld, das wie eine Droge wirkt? Wann droht der Entzug? Und wird es ein kalter, also harter Entzug?

Schon André Kostolany sagte: „Meine einfache Börsenformel lautet: Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie. Der wichtigste Faktor ist die Liquidität. Wenn die Welt im Geld schwimmt, dann steigen die Kurse.“ Der Börsenaltmeister ist längst verstorben, doch seine Börsenformel gilt heute wohl mehr denn je.

Fest steht: Irgendwann wird die Politik des billigen Geldes zurückgefahren. Die Frage ist nur: wann? Und wie? „Der Einstieg zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik in den USA kommt wohl in Form von reduzierten Anleihekäufen durch die Fed frühestens im März und spätestens bis zum Sommer 2014“, glaubt Claude Heller, Leiter Vertriebspartnergeschäft bei der Fondsgesellschaft Fidelity in Deutschland. Bis es aber zum Zinsanstieg komme, werde es unter der neuen Fed-Chefin Janet Yellen noch eine Weile dauern. Oberste Priorität bleibe die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den USA. „Von dem Punkt, an dem Liquidität entzogen wird, sind wir noch sehr weit entfernt – zumal die EZB den Leitzins in Europa noch länger tief halten wird als die Fed“, ergänzt der Fidelity-Experte.

Kommentare zu " Liquiditätsschwemme: Börse auf Droge – wie lange noch?"

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  • @ Sparfuchs

    Die Mischung macht's. Wenn man auch bei Arbeitslosigkeit noch eine 2% "Vermögensabgabe" auf den von der Behörde festgelegten "Wert" des Hauses leisten kann ist man halbwegs sicher.

    Dass die geschröpften Lebensversicherungshalter danach rufen werden sobald ihre Police nur noch die Hälfte wert ist dürfte klar sein.

  • @ azaziel

    Bitte Geld und Währung (Papier-Versprechen auf vermutete zukünftige Kaufkraft) auseinanderhalten. Und dann wird auch schnell klar welche Anlageklasse am wenigsten verlieren wird.

    Die Unternehmen die auch noch in der Krise Gewinne machen können weil sie als Realgüter immer benötigt werden. Und Sachwerte die nicht einfach konfisziert werden können.

  • @ Gast

    Wenn Ihre Telekom-Aktie von 100€ auf 10€ Gefallen ist hilft es nicht mehr viel wenn man dafür nun jährlich 70 Cent vor Steuern erhält.

    Die Dividende ist ein nettes Beiprodukt. Der steigende Aktienkurs durch gute Geschäfte sind das Kernelement. Und in Zeiten verzweifelter Politikerbürokraten sollten die Unternehmen ihr Geschäft verlagern können. Eine RWE ist komplett von Politikerideologien abhängig. Eine BASF verlagert Forschung und Produktion wesentlich leichter.

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