Liquiditätsschwemme

Börse auf Droge – wie lange noch?

Die Märkte sind wie im Rausch. Getreu der Formel von Börsenaltmeister Kostolany „Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie“ geht die Party weiter. Doch was passiert, wenn den Börsen die Liquidität entzogen wird?
21 Kommentare
Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch. Quelle: dpa

Börsenexperte und Bestsellerautor André Kostolany ist schon lange tot, doch seine Börsenweisheiten gelten auch heute noch.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAktionäre im Glück – seit Monaten steigen die Aktienkurse rund um den Globus. Dax und Dow Jones jagen von Rekord zu Rekord. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der deutsche Standardwerteindex die magische Marke von 10.000 Punkten überwindet. Der Dow Jones ist mittlerweile auf mehr als 16.000 Punkte geklettert.  Im Oktober stand er noch unter 15.000 Punkten. Befeuert wird die Rally an den Aktienmärkten von den Notenbanken oder genauer ihrer Politik des billigen Geldes. Seit einigen Jahren fluten sie die Märkte mit Liquidität.

„Die Geldschwemme der vergangenen Jahre, die gekoppelt war und ist an ein Niedrigzinsumfeld in quasi allen westlichen Industrienationen, war die politische Antwort auf die hohen Verwerfungen aus den Jahren 2008/2009“, sagt Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brother, die eine weltweite Finanz- und in der Folge auch Wirtschaftskrise auslöste, hatten die Notenbanken nur ein Ziel: die Wirtschaft wieder zu stabilisieren und anzukurbeln. Die europäische Schuldenkrise zwang die Europäische Zentralbank (EZB) zu ähnlichen Maßnahmen wie die US-Notenbank Fed.

Die Leitzinsen rutschten auf Rekordtiefs. Und weil es in Zeiten, in denen auch Anlagezinsen quasi abgeschafft sind, an Investment-Alternativen mangelt, fließt eine Menge Geld in die Aktienmärkte. Liquiditätsgetriebene Rally nennen Experten das, was wir an den Märkten erleben. Doch wie lange kann das noch gut gehen? Wann entziehen die Notenbanken den Märkten das Geld, das wie eine Droge wirkt? Wann droht der Entzug? Und wird es ein kalter, also harter Entzug?

Schon André Kostolany sagte: „Meine einfache Börsenformel lautet: Börsentendenz = Liquidität plus Psychologie. Der wichtigste Faktor ist die Liquidität. Wenn die Welt im Geld schwimmt, dann steigen die Kurse.“ Der Börsenaltmeister ist längst verstorben, doch seine Börsenformel gilt heute wohl mehr denn je.

Fest steht: Irgendwann wird die Politik des billigen Geldes zurückgefahren. Die Frage ist nur: wann? Und wie? „Der Einstieg zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik in den USA kommt wohl in Form von reduzierten Anleihekäufen durch die Fed frühestens im März und spätestens bis zum Sommer 2014“, glaubt Claude Heller, Leiter Vertriebspartnergeschäft bei der Fondsgesellschaft Fidelity in Deutschland. Bis es aber zum Zinsanstieg komme, werde es unter der neuen Fed-Chefin Janet Yellen noch eine Weile dauern. Oberste Priorität bleibe die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den USA. „Von dem Punkt, an dem Liquidität entzogen wird, sind wir noch sehr weit entfernt – zumal die EZB den Leitzins in Europa noch länger tief halten wird als die Fed“, ergänzt der Fidelity-Experte.

Kein Grund ängstlich oder panisch zu werden
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Liquiditätsschwemme - Börse auf Droge – wie lange noch?

21 Kommentare zu "Liquiditätsschwemme: Börse auf Droge – wie lange noch?"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Sparfuchs

    Die Mischung macht's. Wenn man auch bei Arbeitslosigkeit noch eine 2% "Vermögensabgabe" auf den von der Behörde festgelegten "Wert" des Hauses leisten kann ist man halbwegs sicher.

    Dass die geschröpften Lebensversicherungshalter danach rufen werden sobald ihre Police nur noch die Hälfte wert ist dürfte klar sein.

  • @ azaziel

    Bitte Geld und Währung (Papier-Versprechen auf vermutete zukünftige Kaufkraft) auseinanderhalten. Und dann wird auch schnell klar welche Anlageklasse am wenigsten verlieren wird.

    Die Unternehmen die auch noch in der Krise Gewinne machen können weil sie als Realgüter immer benötigt werden. Und Sachwerte die nicht einfach konfisziert werden können.

  • @ Gast

    Wenn Ihre Telekom-Aktie von 100€ auf 10€ Gefallen ist hilft es nicht mehr viel wenn man dafür nun jährlich 70 Cent vor Steuern erhält.

    Die Dividende ist ein nettes Beiprodukt. Der steigende Aktienkurs durch gute Geschäfte sind das Kernelement. Und in Zeiten verzweifelter Politikerbürokraten sollten die Unternehmen ihr Geschäft verlagern können. Eine RWE ist komplett von Politikerideologien abhängig. Eine BASF verlagert Forschung und Produktion wesentlich leichter.

  • Wenn man Schulden hat, dann muss man auch eine Arbeit oder eine Einnahmequelle haben, um die Schulden zu bezahlen. Das ist in vielen Ländern immer weniger der Fall

  • Ich hatte immer gedacht, der Wert einer Aktie hängt von der "Performance" einer Firma ab, ob es gut geht oder schlecht. Heuzutage warden Aktien gekauft, ganz einfach weil die Zinsen auf Null sind, Geld massenweise gedruckt wirD und die Anleger keine andere Alternative sehen, um ihr Geld zu plzieren.Wenn man gut überlegt, ist das pervers. Der EURO steigt,nicht weil es in Europa gut geht,sondern weil die Verwässerungspolitik der FED den Dollar schwächt und die Risikofreudigkeit der Anleger den EURO (in EURO libellierte Papiere, Aktien usw.)stärkt. Die ganze finanzielle Lage der Weltwirtschaft ist pervers geworden. Werte spiegeln nicht die Qualität und die Leistung wider. Das kann einfach nicht gut enden.

  • Ich freue mich 2008 eine ETW gekauft. Zinsbindung 5 Jahre, damaliger Zinsatz ca. 6 %. Ein Vertrag lief aus, mit 3,4 Prozent bis Laufzeitende finanziert. Der andere Vertrag (Hypothek) lief auch aus, mit 2,78 % finnaziert. Spare jedes Jahr ca. 2000 Euro an Zinsen. Ein hoch auf das billige Geld und die Maßbahmen der EZB, der FED etc.. Ich habe das kommen sehen und 2007 meine Lebensversicherung nach 14 Jahren aufgelöst und mir die ETW gekauft. Ein Hoch auf die Schulden, wer Guthaben hat, der wird geschröpft !!

  • Warum die Angst vor “Tapering”? Niemand redet davon, einen Teil der gigantischen Liquiditaet wieder abzuschoepfen, die ueber Jahre die Maerkte geflutet haben. Es wird nur darueber gesprochen, die Pumpe etwas langsamer laufen zu lassen. Seit Monaten wird ueber eine Verringerung des Anleihekaufs um weniger als 10% geredet. Das ist erstens soviel wie gar nichts und zweitens wird es immer wieder verschoben. Nein, es wird solange weiter gepumpt, bis die Inflation endlich anfaengt und dann wird sie ausser Kontrolle geraten. Geld verliert seine wichtigen Funktionen und die Guetermaerkte kommen zum erliegen. Affe tot, Klappe zu!

    Fuer Aktienvermoegen ist dieses Szenario bestimmt nicht gut. Die meisten Zeitgenossen werden erhebliche Vermoegensverluste erleiden. Bei welcher Anlageklasse man am wenigsten verliert, kann man wohl nicht sagen. Das haengt davon ab, wer nach der Krise das Sagen hat.

  • Genau, die MAsse hat von alledem noch garnicht begriffen und glaubt weiter an stabile Lebensversicherungen und B-Renten! :D

  • Was motiviert eigentlich unsere seriösen Journalisten, ein Kusniveau des Dax von 10.000 Punkten beständig als "magisch" zu bezeichnen. Im Handelsblatt, in der FAZ oder in der Welt liest man ständig diesen Dummsprech: "magische Grenze" respektive "magische Marke von 10.000". Das ist so unglaublich dämlich. Kann mir mal jemand erklären, was daran "magisch" ist.

  • Die USA und UK werden sich so lange nicht von europaeischen Massnahmen BEEINDRUCKEN lassen, so lange sie sich sicher sind, die Faeden fuer die Steuerung ihrer Marionetten, [...], in ihrer Hand zu haben!
    [...]
    Was ist zu tun?
    Nun ja, vielleicht sollte man mal nachdenken, dass das mit der Einheit, Gleichheit und Bruederlichkeit nicht mit einer gemeinsamen Waehrung zu schaffen ist, sondern nur freiwillig, wobei wir hier vor der Einfuehrung des EURO auf einem extrem guten Weg waren, ich verweise auf die engen kollegialen Verbindungen Deutschlands zu ALLEN uebrigen europaeischen Staaaten.
    Dies hat sich grundlegend geaendert und nunmehr ausserhalb jeder korrigierbaren Form!
    Man braucht doch nur die politischen Tendenzen zu beobachten und sie nicht als populistisch abkanzeln, dann sieht man, dass die Nationalstaaten auf ihre nationalitaet bestehen und nicht von aussen regiert werden moechten! nur in der reiheit, kann der Mensch sich entfalten und wird es auch, zum Vorteil der Gemeinschaft! Es gibt eben physikalische Gesetze, die man zwar ignorieren kann, aber sie wirken trotzdem! Druck erzeugt Gegendruck! Fragt sich nur, wann der Gegendruck groesser ist als der Druck? Aber wir werden die Antwort bekommen, gleichgueltig wie alt wir sind, bald!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%