Literaturtipps für Anleger
Plädoyer für die Klassiker

Wie mach ich's am besten? Börsen-Amateure suchen Rat bei gedruckten Börsenratgebern - und kriegen oft nur Floskeln. Doch es geht auch anders. Einige Werke versprechen einen wirklichen Nutzen.

DÜSSELDORF. "Börse? Nein, danke!" So urteilen die deutschen Anleger schon seit Jahren. Auch die neuesten Statistiken ergeben kein neues Bild: Die Zahl der Aktionäre sinkt rapide. Frustriert von der geplatzten Internetblase und jetzt neuerlich von den Turbulenzen der Immobilienkrise setzen deutsche Sparer lieber auf risiko- und renditearme Anlagen wie eben das Sparbuch. Und dennoch fluten uns die Verlage, terminlich passend zum 20-jährigen Jubiläum von Deutschlands bekanntestem Börsenbarometer Dax am 1. Juli, mit Büchern rund um das Thema Börse. Doch viele Autoren schreiben am Aktionär vorbei und vergällen ihm deshalb das eigentlich so spannende Abenteuer. Wer sich dennoch aufs Parkett wagt, greift am Ende auf die jahrzehntealten Klassiker zurück.

Zu oberflächlich oder detailliert und unverständlich lesen sich viele Neuerscheinungen. Gern rühmen sich Verlage damit, Literatur großer Meister endlich einem breiteren und unerfahrenen Finanzpublikum schmackhaft machen zu können. Doch die Ergebnisse enttäuschen. Ausführungen über abgegriffene Schlagzeilen wie "Bezahlen Sie Vater Staat nicht mehr als nötig" erhellen nicht wirklich die komplizierte Börsenwelt im Zeitalter der komplexen Immobilien- und Finanzkrise. Vielmehr entlarvt sich die "Kleine Investment-Zauberformel" von John Clifton Bogle mit ihren vielen Allgemeinplätzen als unnütze Sammlung altbackener Selbstverständlichkeiten. Wie sich mit Aktien auf Dauer Geld verdienen lässt, bleibt auf der Strecke.

Die erste Erkenntnis im Börsen-Literaturdschungel lautet deshalb: nicht von großen Namen blenden lassen! Bogle gehört zweifellos zu den ganz Großen in der Finanzwelt, seitdem er die renommierte Investmentgesellschaft Vanguard Group gegründet und erfolgreich gemanagt hat. Doch solche Erfolge verleihen nicht die Gabe, zweifellos wertvolle Weisheiten einem breiten, unerfahrenen Publikum weiterzugeben, geschweige denn auf begrenztem Platz zu vermitteln.

Kaum besser geeignet sind "Geschichten aus dem Nähkästchen" von Altmeistern wie Warren Buffett und Donald Trump. Weil Herausgeberin Liz Claman den zweifellos erfolgreichen Investoren kaum mehr als zwei oder drei kleine Seiten widmet, ergeben sich kaum mehr als aneinandergereihte Zitate und Allgemeinplätze. "Die Fähigkeit, vom Zug abzuspringen - wenn auch etwas zu früh -, ist entscheidend, um Kapital in die nächste Hausse hinüberzuretten", orakelt beispielsweise Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds Pimco. Doch wann die richtige Zeit dafür kommt und vor allem, wie sich dem Anleger der Zeitpunkt erschließen könnte, bleibt offen. Dafür wären detailreichere Ausführungen nötig. Weniger wäre hier mehr.

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