Luiz Ribeiro
„Die billigste Börse weltweit“

Luiz Ribeiro ist Fondsverwalter von HSBC Brasil in Sao Paulo. Im Interview spricht er über das Kurspotenzial in Brasilien und das größte Risiko für einen Stimmungsumschwung.

Handelsblatt: Der Börsenindex in São Paulo hat gerade den Rekord von 40 000 Punkten übersprungen. Sehen Sie noch Kurspotenzial?

Luiz Ribeiro: Auf jeden Fall. Die Aussichten sind gut für die Unternehmen. Die Zinsen werden weiter sinken und die Konjunktur beleben. Schon im ersten Quartal haben die brasilianischen Unternehmen Rekordergebnisse erzielt. Wir schätzen, dass die Gewinne erneut um mindestens 20 Prozent im zweiten Quartal wachsen werden. Wir sind mit unserem Optimismus nicht allein. Über die Gewinnaussichten besteht Konsens unter den Investmentbanken zu Brasilien.

Wie schätzen Sie das politische Risiko ein? Immerhin wird im Oktober gewählt.

Gering. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Präsident Lula erneut gewählt wird. Seine Wirtschafts- und Finanzpolitik wird er nicht ändern, denn er weiß genau, dass er seine anhaltende Popularität seiner vorsichtigen Politik verdankt. Der Gegenkandidat wird ebenfalls positiv gesehen. Er will die Staatsausgaben reduzieren, um den Haushalt langfristig zu sanieren.

Aber die Regierung hat kaum Reformen in Gang gesetzt, um den Standort zu verbessern.

Doch, Brasilien ist seit dem Jahr 2003 eindeutig weniger verletzlich geworden. Der Überschuss in der Leistungsbilanz, die hohen Devisenreserven, die sinkende Inflation, der Primärüberschuss im Staatsbudget, also der positive Saldo im Haushalt (ohne Zinsausgaben), die sinkenden Dollarschulden – das alles hat das Risiko Brasiliens entscheidend reduziert.

Woher droht das größte Risiko für einen Stimmungsumschwung an der Börse?

Aus dem externen Umfeld. Wenn die Zinsen in den USA stärker steigen als erwartet oder die Risikoabneigung weltweit zunimmt. Beides würde den Kapitalzufluss nach Brasilien verringern.

Also sollten sich eher kurzfristig denkende Investoren an die brasilianische Börse wagen?

Interessant ist São Paulo für einen Investor mit einem Anlage-Horizont von einem Jahr. Ein Jahr ist in Brasilien eine lange Zeit. Aber derzeit ist die Börse einfach attraktiv. Wir sehen für die Bovespa ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,5 für das Jahresende 2006. Das ist extrem billig, selbst unter den Emerging-Markets. Vermutlich ist Brasilien derzeit die billigste Börse weltweit.

Was halten sie von den neuen Unternehmen an der Börse, die in den letzten Monaten gelistet wurden? Ihre Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind extrem hoch.

Da trifft eine hohe Nachfrage auf ein knappes Angebot, das treibt den Kurs. Bisher existieren kaum Aktien von Dienstleistern an der Börse in São Paulo. Investoren wollen trotz der hohen Bewertungen diese Aktien haben, weil die Unternehmen außergewöhnliche Wachstumsraten erwarten. Sicher würden diese Aktien unter einem Stimmungsumschwung am meisten leiden. Positiv ist nebenbei, dass die Börsengänge den Markt insgesamt vergrößert haben.

Die Fragen stellte Alexander Busch.

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