Märkte hoffen auf weiter sinkende Leitzinsen
Kanadische Bonds überzeugen Analysten

Für Anleihe-Investoren ist die Luft dünn geworden. Die Renditen der meisten Staatsanleihen sind trotz des jüngsten Zinsanstiegs auf einem weiter niedrigen Niveau. Ein Einstieg erscheint zurzeit wenig attraktiv.

OTTAWA/DÜSSELDORF. Emerging-Markets-Anleihen bieten zwar auf den ersten Blick viel versprechende Renditeaufschläge (Spreads), sind aber mit hohen Risiken behaftet.

Doch auch unter den Staatsanleihen von Industrienationen gibt es Ausreißer mit ansehnlichen Spreads. Kanadische Bonds beispielsweise bieten Zinszahlungen, die deutlich über denen von Bundesanleihen oder vergleichbaren US-Treasuries liegen. „Aktuell werden zweijährige kanadische Anleihen mit 3,03 % verzinst, dem steht eine Rendite von 2,14 % für deutsche und 1,30 % für US-Anleihen gegenüber“, erläutert Ralf Umlauf, Rentenstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

„Unter den G7-Staaten hat nur noch der kanadische Bond-Markt nennenswertes Potenzial“, sagt Hans-Werner Hohl, Stratege der WestLB. Positiv sei zunächst einmal, dass die Unsicherheit über das Ausmaß der SARS-Seuche in Kanada überstanden sei. Speziell für Anleihen spreche darüber hinaus, dass die Dynamik der Konjunktur nachlasse. Im April ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals seit September 2001 im Vormonatsvergleich gesunken. Zuletzt gingen sowohl der private Konsum als auch die Industrieproduktion im Vormonatsvergleich zurück. Zudem leiden die Exporte unter der hohen Bewertung des kanadischen Dollars und der schwachen US-Konjunktur.

Positive Signale für Anleihe-Investoren liefert auch die Preisseite. Im Mai sanken die Verbraucherpreise in Kanada bereits den dritten Monat in Folge. Das sorgt am Markt für Zinssenkungs-Phantasie. „Ich rechne damit, dass die kanadische Notenbank die Zinsen im August oder September senken wird“, sagt Hohl. Den Kanada-Dollar-Anleihen würde dieser Schritt weiteren Schwung geben.

Notenbank wird erst im September handeln

In Kanada selbst erwarten alle Beobachter sinkende Zinsen. Aktuell liegt der Leitzins bei 3,25 % und damit 2,25 % über dem Zinssatz in den USA. Diese hohe Zinsdifferenz hat dazu geführt, dass der kanadische Dollar im Verhältnis zur US-Währung zuletzt auf ein Sechsjahreshoch geklettert ist und die Exporte in das Nachbarland, das Hauptabnehmer kanadischer Produkte ist, verteuert hat.

Die meisten Analysten rechnen allerdings damit, dass die Notenbank erst im September handeln wird, weil sie noch im April die Zinsen erhöht habe und innerhalb weniger Monate keine 180-Grad-Wendung machen wolle. Über die Höhe der Zinssenkungen gehen die Ansichten auseinander. Das kanadische Conference Board prognostiziert, dass die Notenbank die Zinsen um 50 Basispunkte senken und damit die Zinserhöhungen des Frühjahres rückgängig machen wird. Andere Analysten wie Aron Gampel von der Bank of Nova Scotia halten gar eine Rücknahme der Zinsen um bis zu einen Prozentpunkt für möglich.

Etwas skeptischer ist LBBW-Stratege Umlauf. Auch er geht davon aus, dass die kanadische Notenbank in Kürze die Zinsen senken wird. Danach werde sie aber bald wieder auf einen Zinserhöhungszyklus einschwenken, so Umlauf. „Wenn die US-Wirtschaft anzieht, wird sich dies auch positiv auf Kanada auswirken und der Notenbank den Spielraum für niedrigere Zinsen nehmen“, erwartet er. Kanadische Anleihen empfiehlt Umlauf daher nur Anlegern, die auf Endfälligkeit gehen. Für sie sei der attraktive Renditeaufschlag ein Kaufargument, allerdings sei mittelfristig im Fahrwasser eines schwachen US-Dollars auch mit einem tendenziell leichteren kanadischen Dollar zu rechnen. Investoren, die auf Kursgewinne spekulieren, rät er ohnehin von kanadischen Bonds ab. „Mittelfristig werden die Kurse am Anleihemarkt generell rückläufig sein, das wird in Kanada nicht anders sein.“

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