Märkte im Krisenmodus
Raus aus Aktien oder rein?

Die Unsicherheit könnte kaum größer sein. Nach dem Verwerfungen durch Japan suchen Anleger Orientierung. Auch Experten sind sich nur kurzfristig einig: Erst mal abwarten. Auf lange Sicht gehen die Meinungen auseinander.
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StuttgartIn Japan droht eine Nuklearkatastrophe, der Libyen-Konflikt verschärft sich und die Staatsverschuldung in Europa und den USA steigt immer weiter an. Momentan stehen die Krisen Schlange, bringt es Vermögensverwalter Alexander Seibold aus Bayern auf den Punkt und schaut von der Bühne in über 400 Augenpaare.

Auf der Anlegermesse Invest, die dieses Wochenende in Stuttgart, stattfindet, suchen die Besucher vor allem eins: Orientierung. Vor der Handelsblatt-Bühne ist auch der letzte Platz besetzt, viele stehen. Im Dreiviertelstunden-Takt diskutieren Analysten und Vermögensverwalter über die Rohstoff-Hausse, ob Anleihen ein Comeback feiern werden und wie es am Aktienmarkt weiter geht.

Eines haben in den letzten Tagen fast alle Vermögensverwalter gemacht: Sie haben ihre Anteilsscheine an RWE und Eon verkauft. Das war auch an der Börse sichtbar. Die Kurse rauschten zu Wochenbeginn in die Tiefe. „Ich glaube weiter an die Kernenergie“, sagt Georg Thilenius, „aber die Stimmung ist wegen Japan und der jüngst angekündigten Dividendenkürzung von Eon ziemlich schlecht.“ Erst wenn der Schock vorüber ist, werde er bei Energieversorgern wieder einsteigen.

Wie unterschiedlich Experten die Zukunft der Märkte einschätzen, wird schnell deutlich. Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage.

Die ersten bezweifeln bereits, dass die Unternehmen ihre angekündigten Gewinnprognosen noch einhalten können und befürchten einen Schwall von Rückstufungen durch Analysten. Thilenius hält dagegen: „Das glaube ich nicht. Auch wird von den großen Gesellschaften niemand die Dividende kürzen.“ Die jetzige Situation sei am ehesten mit den Jahren 2002/2003 zu vergleichen. Damals gab es den Irak-Krieg. Und der Konflikt in Nordafrika habe nicht dasselbe Ausmaß. Kurzfristig sei eh Japan das dominante Thema, die kommenden Tage seien die große Unbekannte. „Kurzfristig kann man nur abwarten, was in Japan passiert“, sagt Thilenius. Aber danach sollten Anleger wieder mutig investieren.

Der Kölner Vermögensverwalter Stephan Albrech glaubt ebenfalls weiter an Aktien. Er sieht wachsende Inflationsgefahr, weil die Notenbanken in der Finanzkrise das System mit Liquidität geflutet haben. „Investition müssen daher jetzt in Sachwerte gehen“, empfiehlt Albrech.
Sein bayerischer Fach-Kollege Seibold dagegen glaubt nicht an Hyperinflationsszenarien. Er erwartet eine moderate Preissteigerung von zwei bis drei Prozent. „Wenn das Geld der Notenbanken zu 100 Prozent in die Wirtschaft fließen würde, hätten wir längst zweistellige Inflationsraten.“

Kommentare zu " Märkte im Krisenmodus: Raus aus Aktien oder rein?"

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  • Wenn ich mir hier so die Kommentare ansehe........
    Dann wundert mich nichts mehr.......
    Die Menschen sind hoffnungslos naiv und oberflächlich.....
    Und dann noch dieser schwachsinnige Leitartikel....raus oder rein ......
    Wie dumm und krank muss man sein um dieses korrupte, manipulierte Treiben an der Börse noch mitzumachen ???????

  • Sie hätten sich heute den Bericht über Tschernobyl auf NTV ansehen müssen, dann wüssten sie, das Europa nur knapp einer Katastrophe entgangen ist. Wäre das Magma mit dem Wasser unter dem Reaktor in Berührung gekommen, wäre Schicht im Schacht gewesen: eine größerer Explosion als vorher und größer als Hiroshima.

    Besorgen Sie sich den Bericht, dann denken Sie anders.

  • @Robert

    Panikmache? Melden sie sich doch freiwillig und ersetzen Sie einen der japanischen Helfer am Reaktor: ich zahle Ihnen auch das Flugticket, versprochen.

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