Märkte verlieren Dynamik
Asien wird zum Auslaufmodell

Die asiatischen Märkte geraten immer mehr ins Hintertreffen. Anleger auf der ganzen Welt ziehen ihre Gelder aus dem Kontinent ab. Davon profitieren derzeit besonders etablierte Industriestaaten im Westen.
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Über Asien ziehen dunkle Wolken auf. Die Region droht als Wachstumstreiber der Weltwirtschaft an Bedeutung einzubüßen, denn die asiatischen Volkswirtschaften verlieren an Dynamik und Anleger ziehen Milliarden von Dollar ab.

Die Indische Rupie fiel am Dienstag auf ein Rekordtief, Thailand befindet sich in einer Rezession, und Indonesiens steigendes Leistungsbilanzdefizit hat die Rupiah auf den niedrigsten Kurs seit 2009 gedrückt. Brasilien und Indonesien haben 2013 die Leitzinsen erhöht, um ihre Landeswährungen zu stützen. Und in China schwächte sich das Wachstum ab, während die notleidenden Kredite der heimischen Banken zunehmen.

Die Konjunktursorgen haben gemeinsam mit der knapperen Liquidität und der nachlassenden Nachfrage nach Rohstoffen und Waren dazu geführt, dass Schwellenländer-Aktien verstärkt verkauft werden. Die Kapitalströme haben sich zugunsten der aufkeimenden Erholungen in den USA und Europa umgekehrt. Denn die Aussicht auf eine Rücknahme der quantitativen Lockerung in den USA dämpft die Nachfrage nach Anlagen in Schwellenländern.

"Das Auge des Sturms liegt direkt über den Märkten der Schwellenländer, zwei Jahre nach Europa und vier Jahre nach den USA", sagt Stephen Jen, Mitbegründer des Hedgefonds SLJ Macro Partners in London und ehemals leitender Devisenstratege bei Morgan Stanley. "Für Asien könnte es ernst werden."

In den ersten sieben Monaten des Jahres haben Anleger 155,6 Milliarden Dollar in börsengehandelte Produkte (ETP) mit Aktien aus Industrieländern gesteckt. Davon flossen 102,4 Milliarden Dollar beziehungsweise 65,8 Prozent in Nordamerika-Fonds, zeigen Daten des BlackRock Investment Institute. Japan zog die Rekordsumme von 28 Milliarden Dollar an, während auf Europa ausgerichtete Fonds 4,3 Milliarden Dollar anzogen. Aus Schwellenländer-Fonds wurden dagegen 7,6 Milliarden Dollar abgezogen.

"Das Pendel schlägt nun wieder zurück zugunsten der Industrieländer", sagt Shane Oliver, Investmentstratege von AMP Capital Investors in Sydney. "Das gehört zu den Dingen, die etwa einmal im Jahrzehnt passieren, wenn sich an der Entwicklung etwas ändert. Wir treten in eine zähere, schwierigere Phase" für Asien ein.

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„In Japan siegt die Lage besser aus“

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