Märkte versprechen hohe Renditen, bergen aber auch große Risiken
Schwellenländer rücken ins Rampenlicht

Die Aktienmärkte der Industrieländer dümpeln seit geraumer Zeit vor sich hin. Wen wundert es da, dass derzeit die schnell wachsenden Schwellenländer ins Blickfeld von Investoren geraten.

HB FRANKFURT. Volkswirtschaften wie China, Brasilien oder Indien wachsen mit jährlichen Raten zwischen fünf und zehn Prozent und werden als aussichtsreiche Zukunftsmärkte gehandelt. Aktienfonds, die in solchen Ländern investieren, glänzen mit teilweise zweistelligen Renditen.

Allerdings sind die verhältnismäßig jungen Volkswirtschaften der Schwellenländer anfällig für Krisen – und dann sind höhere Verluste möglich als an den Börsen der Industriestaaten. Beispielsweise büßten die Kurse in Russland und Asien in den Jahren 1997 und 1998 bis zu 95 Prozent an Wert ein. Dennoch: „Für Investoren mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren sind Emerging Markets eine sinnvolle Beimischung im Portfolio“, sagt Werner Hedrich, Research-Direktor bei Morningstar.

Aktien aus Schwellenländern sind wegen der Risiken immer niedriger bewertet, als die Konkurrenz in entwickelten Staaten. Die Papiere des russischen Lukoil-Konzerns liegen beispielsweise mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,4 unter denen des westlichen Konkurrenten Shell (KGV 10,7). „Der heutige Abschlag von 35 Prozent auf Schwellenländer-Unternehmen im Vergleich zur entwickelten Welt zeigt den Pessimismus, den es immer noch gegenüber Investments in Emerging Markets gibt“, sagt Thomas Wittwer, Manager bei Vontobel Asset Management. Da der Risikoaufschlag in der Vergangenheit durchschnittlich 25 Prozent betragen habe, finde er noch gute Unternehmen zu sehr vernünftigen Preisen in den Märkten. Wittwer rechnet in den kommenden Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten für seinen Fonds, warnt aber, dass kurzfristige Rückschläge möglich sind. Der Vontobel-Fonds orientiert sich an Fundamentaldaten der Unternehmen. In einem dreistufigen Prozess wählt er gesunde, profitable Werte aus. Nachträglich werden Länder- und Branchengewichtung überprüft.

Michael Keppler, der die drei Fonds berät, die das Fünf-Jahres-Ranking anführen, verfolgt eine andere Strategie. Er sucht zunächst nach unterbewerteten Märkten – und darin nach den günstigsten Aktien. „Eine Durchschnittsaktie in einem guten Markt ist besser als eine Spitzenaktie in einem miesen Markt“, sagt er. Hintergrund der Strategie ist das „Reversion to the Mean“-Konzept, nach dem Märkte immer wieder zu einem langfristigen Wachstumspfad zurückkehren. Deswegen ist Keppler Ende 2003 aus China ausgestiegen – eine richtige Entscheidung, denn chinesische Aktien haben seitdem stark nachgegeben. Der Shanghai-Composite-Index fiel auf den Stand von 1997. Weil nur wenige chinesische Unternehmen an der Börse notiert sind, spiegelt der Aktienmarkt das BIP-Wachstum nicht wider. Außerdem gelten die ehemals staatlichen Aktiengesellschaften als intransparent und kaum anlegerfreundlich. Auch von indischen Aktien rät Keppler ab, er hält sie momentan für überteuert.

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