Märkte vor Frankreich-Wahl Die Lehren aus Brexit und Trump

Mit der Frankreich-Wahl steht möglicherweise der Anfang vom Ende der Eurozone bevor. Doch die Markte sind entspannt: Die Aktienkurse steigen, die Anleiherenditen sinken. Was Anleger aus der Vergangenheit gelernt haben.
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Die britische Premierministerin und der US-Präsident während einer Pressekonferenz. Das Brexit-Votum und die Wahl des US-Präsidenten haben die Märkte beflügelt. Analysten hatten ein anderes Szenario erwartet. Quelle: Reuters
Theresa May und Donald Trump

Die britische Premierministerin und der US-Präsident während einer Pressekonferenz. Das Brexit-Votum und die Wahl des US-Präsidenten haben die Märkte beflügelt. Analysten hatten ein anderes Szenario erwartet.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEigentlich müssten die Nervosität bei Anlegern wegen der Präsidentenwahlen in Frankreich am Wochenende deutlich ansteigen: Denn sollte die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen in die Stichwahl kommen und diese am Ende gewinnen, dürfte das die Europäische Union (EU) ins Chaos stürzen und mit ihr die Börsen. Le Pen will ähnlich wie der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon das Nachbarland aus der Euro-Zone führen.

Viele Experten erwarten, dass dann Aktienkurse einbrechen, der Euro massiv abwertet und Anleger in sichere Häfen wie Gold, Bundesanleihen und den Schweizer Franken fliehen. „Sollte es einen Überraschungssieg von Le Pen geben, würde das die Finanzmärkte erschüttern“, sagt Ökonom Christian Melzer von der Fondsgesellschaft Deka. Dass es tatsächlich zu einem EU-Austritt Frankreichs, also einem Frexit, kommt, kann sich aber kaum ein Börsianer so richtig vorstellen.

Vor dem ersten Wahlgang am Sonntag zeigt sich aber ein völlig anderes Bild: An den Aktienmärkten gibt weit und breit keinen Kurseinbruch, sondern steigende Notierungen. Der deutsche Leitindex Dax liegt weiterhin in Sichtweite seines Allzeithochs von 12.390 Punkten. Und auch der Cac40, der französische Auswahlindex, liegt mit 5070 Zählern nur 200 Punkte unter seinem Fünf-Jahres-Hoch. Seit Juni 2016 ist das französische Börsenbarometer um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Sie Anleiherenditen signalisieren ebenfalls Entspannung: Mit einer zehnjährigen Staatsanleihe aus Frankreich ist nur noch eine Rendite von 0,86 Prozent zu erzielen – so niedrig wie seit drei Monaten nicht mehr. Noch im Februar dieses Jahres lag sie bei 1,17 Prozent. Risikoaversion sieht anders aus.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
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Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Wie hängt das zusammen? „Wir werden bei den anstehenden Wahlen viele Überraschungen erleben“, prophezeite Börsenexperte Stephan Heibel bereits Anfang dieses Jahres. „Doch ob diese Überraschungen bei den Wahlen im Jahr 2017 erneut zu Börsenturbulenzen führen, das bezweifle ich“.

Seine damalige Argumentation: 2016 habe Anlegern bereits viele Nerven abverlangt, der Dax-Jahresverlauf war überaus turbulent. „Entsprechend erschöpft bereiten sich die Anleger nun auf eine Fortsetzung dieses Chaos im Jahr 2017 vor“, erläutert er. „Doch wenn Anleger sich gut auf dieses Chaos vorbereitet haben, dann wird kein negatives Ereignis Turbulenzen erzeugen“.

Klettert der Dax auf ein neues Allzeithoch?
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