Märkte vor Frankreich-Wahl: Die Lehren aus Brexit und Trump

Märkte vor Frankreich-Wahl
Die Lehren aus Brexit und Trump

Mit der Frankreich-Wahl steht möglicherweise der Anfang vom Ende der Eurozone bevor. Doch die Markte sind entspannt: Die Aktienkurse steigen, die Anleiherenditen sinken. Was Anleger aus der Vergangenheit gelernt haben.
  • 0

DüsseldorfEigentlich müssten die Nervosität bei Anlegern wegen der Präsidentenwahlen in Frankreich am Wochenende deutlich ansteigen: Denn sollte die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen in die Stichwahl kommen und diese am Ende gewinnen, dürfte das die Europäische Union (EU) ins Chaos stürzen und mit ihr die Börsen. Le Pen will ähnlich wie der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon das Nachbarland aus der Euro-Zone führen.

Viele Experten erwarten, dass dann Aktienkurse einbrechen, der Euro massiv abwertet und Anleger in sichere Häfen wie Gold, Bundesanleihen und den Schweizer Franken fliehen. „Sollte es einen Überraschungssieg von Le Pen geben, würde das die Finanzmärkte erschüttern“, sagt Ökonom Christian Melzer von der Fondsgesellschaft Deka. Dass es tatsächlich zu einem EU-Austritt Frankreichs, also einem Frexit, kommt, kann sich aber kaum ein Börsianer so richtig vorstellen.

Vor dem ersten Wahlgang am Sonntag zeigt sich aber ein völlig anderes Bild: An den Aktienmärkten gibt weit und breit keinen Kurseinbruch, sondern steigende Notierungen. Der deutsche Leitindex Dax liegt weiterhin in Sichtweite seines Allzeithochs von 12.390 Punkten. Und auch der Cac40, der französische Auswahlindex, liegt mit 5070 Zählern nur 200 Punkte unter seinem Fünf-Jahres-Hoch. Seit Juni 2016 ist das französische Börsenbarometer um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Sie Anleiherenditen signalisieren ebenfalls Entspannung: Mit einer zehnjährigen Staatsanleihe aus Frankreich ist nur noch eine Rendite von 0,86 Prozent zu erzielen – so niedrig wie seit drei Monaten nicht mehr. Noch im Februar dieses Jahres lag sie bei 1,17 Prozent. Risikoaversion sieht anders aus.

Wie hängt das zusammen? „Wir werden bei den anstehenden Wahlen viele Überraschungen erleben“, prophezeite Börsenexperte Stephan Heibel bereits Anfang dieses Jahres. „Doch ob diese Überraschungen bei den Wahlen im Jahr 2017 erneut zu Börsenturbulenzen führen, das bezweifle ich“.

Seine damalige Argumentation: 2016 habe Anlegern bereits viele Nerven abverlangt, der Dax-Jahresverlauf war überaus turbulent. „Entsprechend erschöpft bereiten sich die Anleger nun auf eine Fortsetzung dieses Chaos im Jahr 2017 vor“, erläutert er. „Doch wenn Anleger sich gut auf dieses Chaos vorbereitet haben, dann wird kein negatives Ereignis Turbulenzen erzeugen“.

Seite 1:

Die Lehren aus Brexit und Trump

Seite 2:

Klettert der Dax auf ein neues Allzeithoch?

Kommentare zu " Märkte vor Frankreich-Wahl: Die Lehren aus Brexit und Trump"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%