Manfred Schlumberger im Interview
„Die Krise hat ihren Schrecken verloren“

Der Dax steht so hoch wie nie - und dürfte noch weiter steigen, meint Manfred Schlumberger von der BHF Bank. Der Geldexperte vertraut darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und Deutschland für Europa haftet.
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Herr Schlumberger, der Dax hat ein neues Allzeithoch erreicht. Wann können wir von einer Blase sprechen?
Von einer richtigen Blase wie im Jahr 2000 sind wir noch Lichtjahre entfernt. Aktien sind nicht überteuert. Die Gefahr sehe ich eher bei Anleihen oder Immobilien. 

Sie haben Aktien aber zuletzt verkauft. Warum?

An den Märkten war es etwas unruhiger geworden. Darauf wollten wir flexibel reagieren. 

So niedrig war Ihre Aktienquote zuletzt im Sommer 2011. Kurz darauf brachen die Börsen ein.

Wir hatten die Aktienquote zwischenzeitlich gesenkt, sie lag aber selbst auf dem Tiefpunkt noch bei 50 Prozent. Aktuell haben wir sie schon wieder auf über 70 Prozent erhöht. 

Was war der Grund für die Verkäufe?

Da gab es verschiedene Gründe, zum einen die Syrien-Krise, zum anderen die Unsicherheit über den Ausgang der Bundestagswahl. Der wichtigste Punkt aber war die Ankündigung der US-Notenbank, dass sie die Anleihekäufe unter Umständen zurückfahren wird. In der Folge haben Investoren überall dort Kapital abgezogen, wo vorher viel hingeflossen war. Vor allem die Schwellenländer hat es hart getroffen. 

Glauben Sie, dass die US-Notenbank ernst machen wird? Was wird die Fed am Mittwoch entscheiden? 

Angesichts der positiven Konjunkturaussichten in den USA gehe ich davon aus, dass die Fed den Umfang der monatlichen Käufe zurückführen wird. Allerdings wird das Ausmaß der Reduzierung sehr moderat sein. 

Wie wichtig ist die Frage, wer die Nachfolge von Bernanke an der Spitze der Fed antritt? 

Die Frage ist aus meiner Sicht irrelevant, denn jeder Chef der US-Notenbank, egal wie er heißt, hat sich denselben ökonomischen Realitäten zu stellen. 

Kommentare zu " Manfred Schlumberger im Interview: „Die Krise hat ihren Schrecken verloren“"

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  • Gibt es eigentlich eine Vereinbarung, einen Vertrag, der in Sachen Euro nicht gebrochen wurde? Nun versucht die EU die vereinbarten Sparmaßnahmen auszuhebeln. Defizite werden "ausgelagert", Zahlen geschönt. Täuschen, tarnen, tricksen: das ist das Motto der EU und der Eurozone.
    von Michael Mross
    Sparen? Was ist das? - Verträge? Was sind sie wert? - Vereinbarungen? - Wer hält sich noch daran?
    Täuschen, tarnen, tricksen: das ist das Motto der EU und der Eurozone. Der EU-Gipfel ist der Gipfel der Lügen. Die EU-Kommission will nun Italien, Ungarn und vermutlich drei weitere Schuldensünder aus dem Defizitverfahren entlassen. Außerdem sollen bestimte Defizit-Positionen im Haushalt der Schuldensünder ausgeklammert werden. Schöne neue EU und Euro-Welt.
    Die Kommissare rechnen sich die Realität so, wie sie diese haben wollen. Schlimmer gings in der UdSSR auch nicht zu. Selbst der Euro-freundliche SPIEGEL Kolummnist Münchau kommt zu demm Schluss: Der EU-Plan zur Aufweichung des Sparkurses ist weder politisch, rechtlich noch moralisch akzeptabel - er löst nicht einmal das Problem der Krise. Die neuen Taschenspielertricks aus Brüssel sind der Höhepunkt der Verlogenheit.
    Mit plumpen Buchhaltungstricks, die in der normalen Wirtschaft den Tatbestand des Betrugs erfüllen, rechnet man sich im Brüsseler Politbüro die Defizite schön - oder gar ganz weg. Wenn ein Staat ein EU-Projekt kofinanziert oder Geld für Strukturreformen pumpt dann zählt das künftig nicht mehr als "Schulden". Was also zählt dann noch zum Defizit? Und was wird als nächstes aus dem Schuldenmeer heraus gerechnet?
    Mithilfe dieses Täuschungsmanövers mag man sicher die Statistiken schönen. Doch die EU-Bonzen machen die Rechnung ohne die normative Kraft des Faktischen: Auch wenn man Schulden noch so sehr versteckt: sie sind immer noch da. Und irgendjemand wird die Zeche in Zukunft zahlen müssen. Wehr wohl? Natürlich jene, die noch was haben - also die Deutschen. Der Tag der Abrechnung kommt nach der Wahl!!!.

  • Die nicht gewählten Architekten der Politik (vgl. N. Chomsky: Making the Future, London 2012, Seite 195 ff.) wissen um die Relevanz der Wahl in Deutschland.

    Die noch im Amt befindliche Regierung in Deutschland war und ist der Garant für die gegenwärtigen und die zukünftigen Transferzahlungen in Billionenhöhe an die (meist global agierenden Banken) der Gläubiger.

    Für das Kartell der Plutokraten (vgl. N. Chomsky, ebenda, S. 304 ff.) könnte eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl der Beginn eines veritablen finanziellen und auch geostrategischen Desasters werden. Es ist deshalb nur allzu verständlich, dass die medialen, politischen und finanztechnischen Stellschrauben derzeit skrupellos so justiert werden, dass der Status quo auch nach der Wahl erhalten bleibt.

    So wird in den nationalen und internationalen Medien u.a. fälschlich behauptet: Die Euro-Krise sei vorüber, das Gröbste sei überstanden, die Weltwirtschaft sei im Aufschwung und die Wahlprognosen seien ehrlich ermittelt.

    Begleitet werden diese euphorischen Aussagen durch logisch nur schwer erklärbare Kennzahlen. Die Lebenshaltungskosten und auch der Euro sind scheinbar stabil und der Dax scheint in ungeahnte Höhen zu steigen.

    Unterstützt wird dieses Orchester der Wahlpropaganda durch die bestellten Gutachten von Wissenschaftlern und hochrangig gebildeten Kommentatoren aus dem Inland und aber hauptsächlich (oft auch Harvard Absolventen) aus dem westlichen Ausland.
    Man kann sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass das Kartell der Plutokraten mit allen Mitteln verhindern will, dass ihnen die „Felle weg schwimmen“.
    Der deutsche Michel und seine Regierungsmannschaft, die auf diesem „Schachbrett“ gerade mal den Status eines „Bauern“ haben, erkennen mal wieder nicht, wie sie auf lange Sicht ausgeplündert und geopfert werden.
    Es gibt eine sachverständige „Alternative für Deutschland“, die diese Plünderung verhindern möchte. Helfen Sie, dass diese Partei eine Stimme im neuen Bundestag erhält

  • Warum unser System zweifellos zusammenbrechen wird? Wer rechnen kann, der rechne selbst. Glauben Sie mir nichts - überprüfen Sie alles selbst! Es rentiert sich.
    4 Punkte sind wichtig: 1. Der Zins ist eine Exponentialfunktion und führt jedes Zinssystem früher oder später, in unserem Fall bald, ins Abseits. Seit 10 Jahren fallen die Zinsen und das obwohl die Risiken steigen (Falls Sie/Du in VWL richtig aufgepasst habt, dann müsstet Ihr das wissen). Warum? Ein Blick in unseren Bundeshaushalt zeigt die riesige Position Zinsen. Wären diese nicht abgesenkt worden, dann würden nur noch Zinsen bezahlt werden. 2. Die Schulden finanziert "Jemand". Wer ist das? Derjenige, der zu viel Geld hat, der verleiht das und wird folglich immer reicher (Zinsen auf Kapitaleinkünfte wurde halbiert - Na?). 3. Die Anzahl der Vermögenden wird immer geringer, die Wenigen werden immer reicher. 4. Der Vermögende kann sein Geld nicht mehr ausgeben, denn mehr als 4 Pizzen schafft er am Tag nicht? Was macht er mit seinem Geld? Er investiert in Aktien, Wertpapiere oder Immobilien - diese steigen durch die kontinuierliche Nachfrage. So, durch steigende Preise aber wird die Masse immer ärmer, da sie sich keine teueren Immos oder Aktien (mehr oder noch nie …) leisten kann oder konnte... Der Warenkorb zeigt diese gigantische Inflation nicht an, da diese "Wertsteigerungen" nicht enthalten sind. Die Geldvermehrung der Zentralbanken oder die Bürgschaften der BRD für andere Länder sind massive Verschuldungsorgien. Wer mag, der kann im Buch "Spielgeld-ein neues Wirtschaftssystem" mehr lesen. Politisch scheint mir nur noch die AFD etwas entgegensetzen zu wollen...

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