Marc Faber im Interview
„US-Staatsanleihen sind finanzieller Selbstmord“

Die Börsen werden weiter fallen, trotzdem seien Aktien weniger riskant als Staatsanleihen, sagt Marc Faber. Vor allem die USA sieht der prominente Investor auf dem absteigendem Ast. Welche Risiken Anlegern drohen.
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Herr Faber, Standard & Poor’s hat der US-Regierung das erste von drei „A“ genommen. Kommt bald die nächste Abwertung, oder wird Washington jetzt sparen?

S&P hat abgewertet, was zuvor schon Ramsch war. Die US-Regierung wird ihre aktuellen Ausgaben nicht kürzen, sondern sie will nur zukünftige, zusätzliche Ausgaben streichen. Also wird die Staatsverschuldung weiter steigen. 1980 kletterten die US-Staatsschulden erstmals über eine Billion Dollar. Dafür hat man 200 Jahre gebraucht. Seitdem sind die Schulden um das 14-Fache gestiegen, auf über 14 Billionen Dollar. In sieben Jahren werden sie doppelt so hoch sein wie heute. Nicht eingerechnet sind da die ungedeckten Schecks auf die Zukunft, etwa bei den Sozialversicherungen. Unter diesen Bedingungen würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!

Es gibt viele, die das machen...

Ja, es ist schon erstaunlich, was an den Anleihemärkten passiert. Die Realzinsen sind negativ. Man verliert mit US-Anleihen Kapital. Angenommen, wir beide müssen Geld für zehn Jahre anlegen und könnten es in dieser Zeit, weil wir ins Gefängnis müssen, nicht umschichten. Was würden Sie tun?

Sagen Sie es.

Auf jeden Fall einen Teil in Aktien packen. Bargeld zu halten ist ein großes Risiko, weil das Geld in zehn Jahren wesentlich weniger wert sein wird als heute. Staatsanleihen werden, wenn überhaupt, mit wertlosem Papiergeld zurückbezahlt. Die Deutschen sollten das ganz genau wissen. Im Ersten Weltkrieg ist der Staat pleitegegangen, dann kam die Weimarer Hyperinflation, dann der Zweite Weltkrieg. Aktien von Siemens oder Daimler waren vielleicht keine gute Anlage, aber man hatte noch etwas. Staatsanleihebesitzer hatten nichts mehr, und Bargeld wurde auch dreimal wertlos. Eben deshalb glaube ich, dass die Aktienmärkte nicht ins Bodenlose fallen werden.

Aber sie werden weiter fallen?

Davon gehe ich aus, technisch sieht es ziemlich bitter aus. Aktuell sind die Börsen aber unglaublich überverkauft, eine Erholung ist wahrscheinlich. Doch das Jahreshoch des US-Aktienindex S&P 500 vom 2. Mai bei 1370 Punkten wird auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht. Dieses markiert den Beginn eines neuen Bärenmarktes.

Die Börsen haben furchtbare Angst vor einem Einbruch der Weltwirtschaft. Zu Recht?

Die Weltwirtschaft verlangsamt sich. Der S&P 500 fällt natürlich nicht um 20 Prozent, wenn die Wirtschaft gut läuft. Aber das Verrückte an den Finanzmärkten ist ja: Auch wenn es der Wirtschaft immer schlechter geht, ist es trotzdem möglich, dass die Aktien steigen.

Warum?

Weil die Notenbank Geld druckt, um die Vermögenspreise nach oben zu schieben. Das Gelddrucken hat der Realwirtschaft und den Menschen in Amerika wenig geholfen, wohl aber den Aktienmärkten und damit den reichen Leuten.

Kommentare zu " Marc Faber im Interview: „US-Staatsanleihen sind finanzieller Selbstmord“"

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  • Kennt Ihr den Traum der Ackermänner und Bernakes dieser Welt? Nein? Dann macht euch hier ein Bild davon:
    http://twitpic.com/5z04yt

    "Reichtum ist nicht auf Leistung zurückzuführen, sondern auf das Versagen der Gesellschaft, die Ökonomie fair zu gestalten!"

    Gruß @irisiert

  • “…würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!”

    Damit hat Herr Faber Recht, auch wenn er es als “großer Investor” sicher anders gemeint hat: Jede langfristige Anleihe, die auf Dauer mehr als Null Prozent Rendite bringt, ist Selbstmord.

    Um das zu verstehen, müsste Herr Faber zuerst ein Bewusstsein entwickeln:

    http://www.deweles.de/files/bewusstsein.pdf

  • Sehr düstere Prognose, keine Frage. Und möglicherweise auch etwas oberflächlich. Aber im Kern hat der Mann schon recht. Und was man auch rauslesen kann: Die derzeitige Situation ist für besonnene Menschen echt unschön. Da spart man in der Zeit, um was zu haben in der Not. Und dann stellt man fest, dass man als Spekulant verschrien an allen möglichen Stellen abkassiert wird; sei es über Steuern, Inflation oder fallende Kurse.

    Also, in dem Sinne: Live now, pay never!

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