Marc Faber im Interview „Finanzieller Selbstmord“

Die Börsen werden weiter fallen, trotzdem seien Aktien weniger riskant als Staatsanleihen, sagt Marc Faber. Vor allem die USA sieht der prominente Investor auf dem absteigendem Ast. Welche Risiken Anlegern drohen.
  • Frank Doll
Update: 19.08.2011 - 12:49 Uhr 12 Kommentare
Marc Faber bei einer Investment-Konferenz in New York. Quelle: Reuters

Marc Faber bei einer Investment-Konferenz in New York.

(Foto: Reuters)

Herr Faber, Standard & Poor’s hat der US-Regierung das erste von drei „A“ genommen. Kommt bald die nächste Abwertung, oder wird Washington jetzt sparen?

S&P hat abgewertet, was zuvor schon Ramsch war. Die US-Regierung wird ihre aktuellen Ausgaben nicht kürzen, sondern sie will nur zukünftige, zusätzliche Ausgaben streichen. Also wird die Staatsverschuldung weiter steigen. 1980 kletterten die US-Staatsschulden erstmals über eine Billion Dollar. Dafür hat man 200 Jahre gebraucht. Seitdem sind die Schulden um das 14-Fache gestiegen, auf über 14 Billionen Dollar. In sieben Jahren werden sie doppelt so hoch sein wie heute. Nicht eingerechnet sind da die ungedeckten Schecks auf die Zukunft, etwa bei den Sozialversicherungen. Unter diesen Bedingungen würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!

Es gibt viele, die das machen...

Ja, es ist schon erstaunlich, was an den Anleihemärkten passiert. Die Realzinsen sind negativ. Man verliert mit US-Anleihen Kapital. Angenommen, wir beide müssen Geld für zehn Jahre anlegen und könnten es in dieser Zeit, weil wir ins Gefängnis müssen, nicht umschichten. Was würden Sie tun?

Sagen Sie es.

Auf jeden Fall einen Teil in Aktien packen. Bargeld zu halten ist ein großes Risiko, weil das Geld in zehn Jahren wesentlich weniger wert sein wird als heute. Staatsanleihen werden, wenn überhaupt, mit wertlosem Papiergeld zurückbezahlt. Die Deutschen sollten das ganz genau wissen. Im Ersten Weltkrieg ist der Staat pleitegegangen, dann kam die Weimarer Hyperinflation, dann der Zweite Weltkrieg. Aktien von Siemens oder Daimler waren vielleicht keine gute Anlage, aber man hatte noch etwas. Staatsanleihebesitzer hatten nichts mehr, und Bargeld wurde auch dreimal wertlos. Eben deshalb glaube ich, dass die Aktienmärkte nicht ins Bodenlose fallen werden.

Aber sie werden weiter fallen?

Davon gehe ich aus, technisch sieht es ziemlich bitter aus. Aktuell sind die Börsen aber unglaublich überverkauft, eine Erholung ist wahrscheinlich. Doch das Jahreshoch des US-Aktienindex S&P 500 vom 2. Mai bei 1370 Punkten wird auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht. Dieses markiert den Beginn eines neuen Bärenmarktes.

Die Börsen haben furchtbare Angst vor einem Einbruch der Weltwirtschaft. Zu Recht?

Die Weltwirtschaft verlangsamt sich. Der S&P 500 fällt natürlich nicht um 20 Prozent, wenn die Wirtschaft gut läuft. Aber das Verrückte an den Finanzmärkten ist ja: Auch wenn es der Wirtschaft immer schlechter geht, ist es trotzdem möglich, dass die Aktien steigen.

Warum?

Weil die Notenbank Geld druckt, um die Vermögenspreise nach oben zu schieben. Das Gelddrucken hat der Realwirtschaft und den Menschen in Amerika wenig geholfen, wohl aber den Aktienmärkten und damit den reichen Leuten.

"Die Gelddruckerei geht bald wieder los"
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12 Kommentare zu "Marc Faber im Interview: „US-Staatsanleihen sind finanzieller Selbstmord“"

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  • Kennt Ihr den Traum der Ackermänner und Bernakes dieser Welt? Nein? Dann macht euch hier ein Bild davon:
    http://twitpic.com/5z04yt

    "Reichtum ist nicht auf Leistung zurückzuführen, sondern auf das Versagen der Gesellschaft, die Ökonomie fair zu gestalten!"

    Gruß @irisiert

  • “…würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!”

    Damit hat Herr Faber Recht, auch wenn er es als “großer Investor” sicher anders gemeint hat: Jede langfristige Anleihe, die auf Dauer mehr als Null Prozent Rendite bringt, ist Selbstmord.

    Um das zu verstehen, müsste Herr Faber zuerst ein Bewusstsein entwickeln:

    http://www.deweles.de/files/bewusstsein.pdf

  • Sehr düstere Prognose, keine Frage. Und möglicherweise auch etwas oberflächlich. Aber im Kern hat der Mann schon recht. Und was man auch rauslesen kann: Die derzeitige Situation ist für besonnene Menschen echt unschön. Da spart man in der Zeit, um was zu haben in der Not. Und dann stellt man fest, dass man als Spekulant verschrien an allen möglichen Stellen abkassiert wird; sei es über Steuern, Inflation oder fallende Kurse.

    Also, in dem Sinne: Live now, pay never!

  • Der Herr hat Recht! Die USA haben noch nicht begriffen, dass das alte System nicht mehr funktioniert. Das amerikanische System ist auf Expansion gegründet, zuerst über den nordamerikanischen Kontinent, dann über die Welt. Mit dem Ende des kalten Kriegs entfiel diese Geschäftsgrundlage, seitdem sind die USA eine Firma ohne Businessplan und dabei, sich selbst zu kannibalisieren. Oder ist das US-Finanzgebaren und das Gezerre zwischen Reps und Dems etwas anderes?

    Dass aufstrebende Staaten, die auf den Weltmarkt drängen, Kriege auslösen ist eine erwiesene Tatsache. Beispiel ist Deutschland, das zu Ende des 19. Jhts auf den Weltmarkt musste, um seine stark zunehmende Bevölkerung zu ernähren. Wilhelm II war der Narr, der auf den Knopf drückte, aber dieser 1. Weltkrieg wäre auch ohne ihn ausgebrochen. China ist weise und lernt aus der Geschichte. Frage ist nur, ob das die USA auch tun.

  • Das Fass ist voll! Und sehr bald wird es ueberlaufen. Sobald noch mehr wertloses Geld in die Maerkte fliesst, wird der finale Countdown laufen. Unser System ist am Ende angelangt. Rette sich wer kann! Es wird sehr, sehr unschoen werden.

  • wir sind bereits mittendrin.

    @die überzeugten Eigenheimler:

    seid euch da mal nicht so sicher mit Eigenheimen. Steckt auch im Namen drin: "immobil". Im schlimmsten Fall ist es nichts Wert wenn an falschen Platz.

    Einfach Risiko streuen und nicht alles auf eine Karte setzen...

  • Absolute Räuberpistolen, was die USA betrifft. Selbstverständlichkeiten was Europa betrifft und 50-50 Einschätzungen zu Gold. Filmreifer Apocalyptiker. Eitel und peinlich zugleich.

  • hauseigentümer werden dann selbstverständlich mit einer 100 % igen zwangshypothek zu gunsten der allgemeinheit belegt.

    tuet buße brüder und schwestern !! das ende ist nahe !!

  • Hauseigentum ist ein reales Gut und sollte nicht mit Schatzbriefen, Lebensversicherungen oder Bausparverträgen in einen Hut geschmissen werden. Ansonsten stimme ich 100% zu.

  • Tatsächlich ist die Zunahme der Verschuldung nicht mehr aufzuhalten. Wir befinden uns bereits am Anfang der exponentiellen Phase. Das heißt; in immer kürzeren Abständen wird die Verschuldung immer massiver zunehmen. Der finale Kollaps ist unausweichlich.

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