Markt sieht starke Kapitalzuflüsse in europäische Wertpapiere
Eurobonds profitieren vom etwas stärkeren Yuan

Nach einigen turbulenten Tagen dürfte an den Bondmärkten in der neuen Woche mehr Ruhe einkehren. Die durch positive Konjunktur-Kommentare von Notenbankern, durch Terrorattacken und nicht zuletzt durch die neue Währungspolitik der VR China in ihrer Flexibilität geforderten Akteure an den Anleihenmärkten dürften dabei vor allem die Gelegenheit nutzen, die Auswirkungen der Yuan-Aufwertung auf die Welt-Finanzmärkte zu analysieren. Analysten glauben, dass die Kapitalmarktzinsen ihren am Freitag begonnenen leichten Rückgang zunächst fortsetzen werden.

FRANKFURT/M. Die Unsicherheit über das neue Währungsregimes Chinas dürfte abflauen und sich wahrscheinlich positiv auf die Bondmärkte auswirken, sagte William Dudley, Chefökonom von Goldman Sachs. Direkte Auswirkungen sehen Analysten sowohl für Europa als auch für die USA in der Gefahr steigender Importpreise. Zunächst dürften diese höheren Einkaufspreise allerdings von der Wirtschaft aufgefangen und nicht auf die Verbraucherebene übertragen werden, hieß es. Einige Ökonomen interpretieren den Schritt Pekings als Versuch, die boomende heimische Konjunktur abzukühlen. Dies werde möglicherweise kurzfristig negative Auswirkungen auf die Rohölpreise haben, hieß es. Beim Ölpreis war dies am Freitag jedoch noch nicht zu spüren; denn dieser legte an der Öl-Terminbörse in New York um 1,52 Dollar auf 58,65 Dollar je Barrel zu.

Marktteilnehmer wären nicht überrascht, wenn sich der jüngsteRenditerrückgang sowohl im Euro- als auch im Dollar-Raum fortsetzen würde. Für die meisten Beobachter steht fest, dass die Ankündigung Chinas, den Yuan künftig nicht mehr nur an den US-Dollar, sondern an einen Währungskorb zu koppeln, zu einer stärkeren Diversifikation der Währungsreserven Pekings führen und die Nachfrage nach anderen Devisen der wichtigsten Handelspartner Chinas steigen lassen wird. Als großen Gewinner sehen die meisten Ökonomien den Euro. Die WestLB vertrat am Freitag indes die Auffassung, dass die Yuan-Aufwertung einen nur geringen Einfluss auf Chinas Handelsbilanz mit den USA haben und der Appetit Chinas auf Dollaranleihen weiter groß bleiben wird. Am Freitag war indes zu erkennen, dass international vagabundierendes Kapital vor allem in Euro-Wertpapiere floss. Diese starken Zuflüsse wirkten sich in einem deutlichen Kursanstieg des September-Bund-Futures um 51 Basispunkte auf 122,54 Prozent aus, so dass es im Gegenzug zu einem Rückgang der Renditen zehnjähriger Euro-Staatsanleihen von 3,27 auf 3,22 Prozent kam. An der bei 100 Basispunkten im Zehnjahresbereich liegenden nominalen transatlantischen Zinsdifferenz änderte sich nichts, da auch die Rendite 10jähriger US-Staatstitel von 4,27 am Donnerstag auf 4,22 Prozent am Freitag fiel. Zuvor hatte sich diese Renditedifferenz im Hoch auf 106 Basispunkt ausgeweitet. Das ist der höchste Stand seit Mitte des Jahres 2000.

In dieser Woche sprechen viele Argumente für wieder sinkende Zinsen - zumindest in Europa. In diesem Kontext verwiesen Experten auf schwache britische Konjunkturdaten, die der Erwartung auf weitere Leitzinssenkungen durch die Bank of England neue Nahrung gaben. Am Markt hieß es, dass Anleihen dies- und jenseits des Atlantiks als vermeintlich sichere Kapitalanlagen auch deshalb gesucht sein dürften, weil es nach Terrorattacken in Großbritannien, Türkei, Ägypten und Terrordrohungen in Washington und Toronto eine „Flucht in Qualität" geben könnte.

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