Markteuphorie macht misstrauisch
China fürchtet eine Blase

Erstmals startet der Schanghai-Index mit über 4000 Punkten in die Woche. Vor drei Monaten lag er noch bei 3000 Punkten. Jetzt wird der Boom unheimlich, die Blase droht zu platzen. Alle Marktbeobachter erwarten eine Kurskorrektur – die Frage ist nur, wann und wie stark.

PEKING. Im Fahrstuhl, im Büro, beim Bierchen oder am Mittagstisch. Chinesen interessiert momentan vor allem eine Frage: „Hast Du Aktien gekauft?“ 1,5 Millionen neue Aktiendepots in einer Woche, das ist selbst im Reich der Spekulanten Rekord. Und der Ansturm hält an. Experten sehen den Schanghai-Index, der erstmals mit mehr als 4000 Punkten in die Woche startet, schon auf 5000 Zähler klettern. Wenn die Regierung nicht eingreife, sei dieser Wert in einem Monat möglich, meint etwa Stephen Green, Chef-Volkswirt für die Standard Chartered Bank in China.

Vor drei Monaten lag der Schanghai Composite Index noch bei 3000 Punkten. Der kometenhafte Aufstieg zeige, dass das Vertrauen in den chinesischen Aktienmarkt wieder da sei, meint Louis Shan, Analyst von UBS Investment Research in Hongkong. Gleichzeitig warnt Shan aber wie andere Experten auch vor der Kehrseite der Medaille: „Die Gefahr einer Aktienblase ist nun groß.“

Alle Marktbeobachter erwarten eine Kurskorrektur. „Die große Frage ist nur, wann und in welchem Ausmaß“, sagt Ivo Naumann, Bankenexperte von Roland Berger in Schanghai. Während Naumann nicht mit einem baldigen Crash rechnet, sieht Wang Qian, Analyst von JP Morgan Chase in Hongkong, die Gefahr durch die vielen privaten Käufe näher rücken: „Es gibt die Sorge, dass sich immer schneller und schneller eine Spekulationsblase bildet.“

„Das Risiko einer zu großen Markteuphorie steigt", heißt es auch beim Investmenthaus Goldman Sachs. Die Banker verweisen zudem darauf, dass weder die Unternehmensgewinne noch andere Fundamentaldaten die enormen Kurssteigerungen in China rechtfertigen.

Der Schanghai-Index, der den größten Aktienhandel auf dem Festland widerspiegelt und der im vergangenen Jahr um 130 Prozent zugelegt hat, ist seit Jahresbeginn um weitere 50 Prozent gestiegen. Chinas Aktienmarkt hat damit einen Wert erreicht, der über dem der Hongkonger Börse liegt. Das zeigt bereits Wirkung: Am Freitag sanken die Topwerte in Hongkong, da das Zinssignal aus Amerika ausblieb – und weil für China-Aktien „eine Korrektur unmittelbar bevorstehen könnte“, sagt Alex Wong von Ample Finance.

Viele Konzerne der Volksrepublik sind sowohl in Hongkong (H-Aktien) als auch an den chinesischen Inlandsbörsen (A-Aktien) gelistet. Da das Bewertungsniveau an der Traditionsbörse Hongkong als realistischer betrachtet werden kann, seien die Kurse der A-Aktien „nichts anderes als Überbewertungen“, sagt Christian Hofmann von der FIVV Finanzinformation & Vermögensverwaltung in Peking. Eine Korrektur auf dem Festland würde die Kurse der H-Aktien automatisch sinken lassen.

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