Maschinenbauer Andritz und Austrian Airlines gelten als positive Ausnahmen
Kurse österreichischer Aktien scheinen weitgehend ausgereizt

Eilig organisierten Österreichs Finanzminister Karl- Heinz Grasser und der Chef der Wiener Börse, Stefan Zapotocky, am 2. Juli eine Pressekonferenz, schließlich gab es etwas zu feiern. In Sektlaune prosteten sie auf den „historischen Tag für den Finanzplatz Österreich“. Der Austrian Trade Index (ATX), der die 20 wichtigsten Aktien Österreichs abbildet, hatte die Marke von 2 000 Punkten übersprungen – erstmals seit seinem Debüt 1991 bei damals 1 000 Zählern.

DÜSSELDORF. Zapotocky sagte aber auch, dass die jahrelange Unterbewertung der Wiener Börse damit Geschichte sei. Recht hatte er – heute notiert der ATX wieder knapp unter 2 000 Punkten. „Allerdings basiert der Rückgang einzig auf der gescheiterten Übernahme des Indexschwergewichts Telekom Austria durch die Swisscom“, sagt Alfred Reisenberger, Analyst bei der Bank Austria. Nach dem Veto der österreichischen Regierung brach die Aktie um 23 Prozent ein und zog den Index, der am gleichen Tag zuvor noch auf Rekordkurs bei 2 055 Punkten gelegen hatte, nach unten. Trotz der leichten Verluste ist der ATX seit Jahresanfang mit einem Plus von 30 Prozent noch immer die Nummer eins in Europa. Zum Vergleich: Der Dax verlor im gleichen Zeitraum drei Prozent.

„Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 für das Jahr 2005 sind die Wiener Aktien allerdings nicht mehr billig“, sagt Günther Artner, Aktienanalyst bei der Ersten Bank. Kein Wunder, schließlich seien die Argumente, die die Rally in den vergangenen Monaten angeheizt hätten, längst eingepreist. Die aus ihren rentablen Osteuropageschäften gespeiste Phantasie der österreichischen Aktien ist bekannt. Dass 76 Prozent der ATX-Unternehmen einen Großteil ihres Umsatzes in den neuen EU-Ländern wie Tschechien, Ungarn oder der Slowakei erwirtschaften, hat vor allem internationale Investmenthäuser wie Merrill Lynch auf das Wiener Parkett gelockt und die Marktkapitalisierung der gesamten Börse auf über 50 Mrd. Euro getrieben – allein zwölf ATX-Mitglieder kosten inzwischen jeweils über eine Mrd. Euro. Anleger zahlen nach Schätzung der Raiffeisen-Centrobank inzwischen eine zehn- bis 15-prozentige „Osteuropa-Prämie“ für diese Aktien.

„Eingepreist ist auch die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 34 auf 25 Prozent ab dem Jahr 2005, welche die Unternehmen um rund eine Milliarde Euro pro Jahr entlastet“, sagt Bank-Austria-Analyst Reisenberger. Auch das neue Altersvorsorgemodell, das eine Förderung vorsieht, wenn bis zu 40 Prozent in heimische Papiere investiert werden, bewege die Kurse nicht mehr nach oben. Und die Phantasie aufgrund der Privatisierungspolitik der Regierung sei mit dem Veto beim Verkauf der Telekom Austria so gut wie nicht mehr vorhanden.

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