Matthias Schmitt: „Für Spitzenstücke wird wieder deutlich mehr bezahlt“

Matthias Schmitt
„Für Spitzenstücke wird wieder deutlich mehr bezahlt“

Matthias Schmitt veranstaltet regelmäßig Auktionen historischer Wertpapiere. Im Interview erklärt er, wann eine Aktie auch nach ihrer aktiven Börsenzeit noch eine Rendite bringt und auf was man beim Kauf achten sollte.
  • 0

WürzburgHerr Schmitt: Wie viel ist das teuerste historische Wertpapier in ihrer Sammlung wert?

Das ist eine Aktie der Chaplin-Studios. Vor rund zwölf Jahren habe ich dafür 28.000 DM bezahlt. Heute hat das Stück seinen Wert fast verdoppelt und damit eine ordentliche Rendite erzielt, weil es alle Kennzeichen vereint, die ein historisches Wertpapier als Kapitalanlage haben sollte.

Welche sind das?

Der Emittent war ein bekanntes Unternehmen, das bedeutend für die Entwicklung der Filmbranche war. Außerdem trägt die Aktie die Originalsignatur einer populären Persönlichkeit. Charlie Chaplin wird man auch in hundert Jahren noch kennen. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit selten, woran sich auch nichts ändern wird. Von der Aktie sind lediglich die Nummern eins bis zehn von Charlie Chaplin persönlich unterzeichnet worden. Ab Nummer elf tragen die Papiere die Unterschrift seines Halbbruders Sydney. Es besteht damit keine Gefahr, dass weitere Papiere mit der Unterschrift des Komikers auftauchen werden.

Je bedeutender das Unternehmen war und je kleiner die Auflage des Titels ist, desto höher ist also der Wert. Ab welcher Größenordnung spricht man denn von einer geringen Verfügbarkeit?

Selten ist in unserem Markt ein Stück dann, wenn es zwischen drei bis fünf, manchmal auch zehn Exemplare davon gibt.

Und welche Rolle spielen das Alter und die Erhaltung des Wertpapiers?

Je älter das Papier ist, desto besser. Die Erhaltung ist wichtig, spielt jedoch nicht die ganz große Rolle. Schließlich waren die Papiere ursprünglich Gebrauchsgegenstände und Knickfalten oder Einrisse kaum vermeidbar.  

Eignen sich historische Wertpapiere zur Kapitalanlage?

Jein. Nehmen wir die Chaplin-Aktie. Ab einem gewissen Preis werden natürlich auch Nonvaleurs, wie die Papiere auch genannt werden, zu einer Geldanlage. Aber den Großteil der Wertpapiere sollte man unter dem Aspekt ihrer geschichtlichen oder persönlichen Bedeutung sehen. Oft besitzen die Sammler Aktien von Firmen, zu denen sie eine bestimmte Beziehung haben. Sammler, die regional oder auf bestimmte Branchen spezialisiert sind, können so gut die Entwicklung einer Gegend oder eines Wirtschaftszweiges dokumentieren. Genau dieser Aspekt unterscheidet auch die Scripophilie von der Philatelie oder der Numismatik.

Kommentare zu " Matthias Schmitt: „Für Spitzenstücke wird wieder deutlich mehr bezahlt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%