Max Otte im Interview

„Ich freue mich auf Inflation“

Er warnte vor der Finanzkrise, jetzt rät er zum Aktienkauf. Bestsellerautor und Fondsmanager Max Otte sprach mit dem Handelsblatt über die richtige Aktienauswahl, sein Verhältnis zu Gold und die Liebe zum Land.
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"Die Segel sind gesetzt! Ich bin voll investiert", sagt Otte. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt

"Die Segel sind gesetzt! Ich bin voll investiert", sagt Otte.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Handelsblatt: Herr Otte, der Absturz an den Börsen hat viele auf dem falschen Fuß erwischt. Sie auch?

Max Otte: Ich habe vor fünf Monaten angefangen, japanische Aktien zu kaufen, weil sie spottbillig waren. Ich hatte den Markt zuvor drei Jahre lang beobachtet. Kurz nach meinem Einstieg kam Fukushima, jetzt der nächste Absturz. Manche Positionen haben sich gut entwickelt, mit anderen bin ich aber fast 50 Prozent unter Wasser.

Japan? Moody’s hat dessen Bonität gerade heruntergestuft ...

Das betrifft zuallererst die Anleihen, nicht die Aktien. Sollte der Yen unter Druck geraten, könnte das sogar positiv sein für exportorientierte Unternehmen.

Keine Angst, dass die Kurse noch weiter fallen?

Natürlich können die noch fallen. Der Markt wird derzeit von der Psychologie bestimmt, da kann alles passieren. Die Investoren verkaufen Aktien, weil sie es nicht aushalten, nichts zu tun, und im Zweifel lieber das machen, was alle tun. Sie laufen der Menge hinterher, um nicht alleine dazustehen, so wie die Lemminge. Die haben als Spezies zwar einen schlechten Ruf; man hat aber noch nie einen einzigen der Gruppe für das Verhalten aller zur Verantwortung gezogen.

Was raten Sie?

Als Value-Investor sollte man stets die langfristigen Perspektiven im Blick haben – und damit meine ich die nächsten zehn, besser noch 15 Jahre. Ich kann nur jedem Anleger raten: Lassen Sie sich nicht von den kurzfristigen Schwankungen verrückt machen, auch wenn es noch so schwer fällt.

War der Absturz übertrieben?

Nur im Fall einer echten Weltwirtschaftskrise und globalen Depression wäre das aktuelle Kursniveau vielleicht gerechtfertigt. Fundamental betrachtet sind derzeit viele Aktien günstig.

Zykliker ja, Bankaktien nein
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32 Kommentare zu "Max Otte im Interview: „Ich freue mich auf Inflation“"

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  • Das Hauptproblem von Otte ist, das er die realen Gefahren für die meisten Unternehmen nicht ernst nimmt, weil er die Lage zu positiv sieht und immer noch Grundvertrauen in die europäischen Staaten hat. Ich denke auch, das Aktien, Grundstücke und Sachwerte die richtige Richtung sind - aber Immobilien wohl auf mittelfristige Sicht nicht in Europa (zu leicht von Staaten zu sozialisieren über neue Grundsteuern, Neidkultur etc.) und das gilt auch für die meisten Unternehmen, sofern sie Preise nicht marktwirtschaftlich gestalten können (also sind Pharma, Versorger, Banken (da hat es Otte erkannt), Versicherungen, Waffenhersteller und Konsumwerte sowie Handel, deren Hauptkundschaft in der EU liegt, nicht empfehlenswert. Damit fallen ca. 80% aller DAX und Eurostoxxs-Werte schon mal weg, wenn man genau hinsieht. Es bleiben eventuell Nestle, Chemiewerte, diverse US-Aktien, grosse internationale Rohstoff-Firmen und einige asiatische Firmen als sinnvolle Investitionen - und vielleicht Grundbesitz in Asien, Afrika oder der Karibik..

  • Ein Portfolio-Manager mit 50% Verlust? Und dann freut sich Herr Otte auch noch auf die kommende Geldentwertung.
    Dem Mann würde ich keinen Cent anvertrauen.
    Seinem Gelddruck-Kollegen Jens Ehrhardt übrigens auch nicht.

  • ...und genau das geschieht bereits.
    Der Staat als Regierung gibt Staatsanleihen aus, die der Staat als Notenbank wieder aufkauft. Durch exzessive Käufe werden die Anleihepreise auf jeden gewünschten Wert hochgetrieben und damit die Zinssätze gegen Null.
    Mit dieser Zinskontroll-Politik werden Geldmengen und Zinssätze manipuliert. Die Staatsschulden explodieren, die Fallhöhe wird größer - bis es dann richtig kracht.

  • Die Inflation ist doch längst da - über die aufgeblähte Geldmenge (lat. inflare - aufblähen).
    Was er wohl meint, ist die Teuerung, die unweigerlich kommt
    -als FOLGE der Inflation- weil den Geld-"werten" nicht adäquat Güter gegenüberstehen.

  • Dr. Norbert Leineweber zu Otte
    Otte irrt hier. Bringt man seine Strategie auf den Punkt müsste man auf Kredit Aktien kaufen. Die Schulden werden durch die Inflation entwertet und die damit finanzierten Sachwerte steigen, was eine enorme Hebelwirkung wäre. Diese Strategie geht auf Basis des gesamtwirtschaftlichen und weltwirtschaftlichen Umfeldes nicht auf. Das ist relativ sicher prognostizierbar. Die Verkaufswellen kommen, wenn die Hedge-Fonds nach und nach kapitulieren müssen.

  • Darum arbeitet er! Und zwar nach der Königsanalyse.Das bringt im Profit und zwar in Liechtenstein. <https://www.privatinvestor.de/html/index.php?content=piglobalvalue>

    Und das ist er: <http://www.comdirect.de/inf/fonds/detail/chart.html?timeSpan=5Y&ID_NOTATION=22161907&REQUESTED_REDIRECT=FUND#timeSpan=1Y&e&<

    Spektakulär. Ich meine nicht. Gelddruckmashine für Otte!

    66 Mio. mal durchschnittlich 1,5-2%. Danke. Gute Vergütung. Auch ein Prof. arbeitet nicht kostenfrei. Und dann noch die Ausgabeaurfschläge beim Kauf. Prost Mahlzeit an die Anteilsbesitzer!

    Alles klar?

  • Freuen auf Inflation ?
    Ganz ehrlich - die Nazis mit Ihren Greultaten hääte es ohne Inflation nicht gegeben.
    Wenn der Mob die reichen Bankster plündert, dann wird man auch sicher seine Tür eintreten. Es sei denn man sucht sich einen anderen Schuldigen- wahrscheinlich müssen wieder die Juden herhalten.
    Geschichte wiederholt sich! Ständig. Und mit Ländern ist es wie mit den kleinen Individuen - die Grundbedürfnisse sind die gleichen.

  • Und für die, die es noch nicht kapiert haben:
    Die Zinsen müssen nicht steigen, wenn die Inflation kommt. Die Notenbank kann zu 0% Geld verleihen und eine gnadenlos expansive Geldpolitik fahren, wer braucht dann einem Sparer noch 5% oder mehr bieten, wenn er das Geld billiger von der Zentralbank bekommen kann. Die Banken können sich auf Kosten der Endverbraucher (Kreditnehmer) risikolos sanieren: Dem Sparer 1% bieten, 5% Hypotheken- , 12% Dispozinsen verlangen.

    Da muss noch viel Luft aus den Schulden herausgelassen werden. Ob Länder wie Griechenland die Pleite vermeiden können werden, kann ich momentan auch nicht einschätzen. Irgendwann werden die Staatsführer auch die Folterinstrumente für den Derivatemarkt auspacken: Börsenumsatzsteuer zur Vermeidung des HF Handels, Einführung einer UP-Tickregel für Leerverkäufe, höhere Margins bei Termingeschäften, Marginrabatte bei nicht spekulativen Marktteilnehmern (z. B. bei Öllieferanten und Airlines u. a. Großverbrauchern) u. v. m.
    Dadurch gewinnt die Realwirtschaft wieder an Bedeutung.

  • Wenn H. Otte oder ich wüssten, wie die Zukunft ausschauen wird, müssten wir nicht für Geld arbeiten.

    M. These:
    Die Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen wirkt inflationshemmend. Die die Geld haben brauchen es nicht auszugeben und die die keins haben können nicht.
    Deshalb versuchen sich die Notenbanken mit stärkerer Medizin (QE) aus der Krise hinauszuinflationieren. Festverzinsliche bieten eine Rendite von ca. 2% während die Inflation in Richtung 3% manipuliert werden soll. Wenn man dann noch 25% bzw. später 30% vom Zinsertrag an Väterchen Staat abführen muss, wird der Sparer schleichend enteignet.
    Crash: Bisher hat es noch keinen Crash gegeben. Die besten Versicherungen gegen einen Crash sind: Gold, Nahrungsmittel im Keller und einen gefüllten Weinkeller mit hohem Spirituosenanteil im LowCostSegment (Pennerglück). Zigaretten und Alkohol waren immer schon die besten Krisenwährungen.
    Aktien:
    Nestle und andere Nahrungsmittelhersteller: Während eines Crashes wird Probleme geben durch Deckelung der VKPreise bei steigenden EK Preisen. Nestle verdient mit teuren Kaffeeprodukten das meiste Geld >> ´nicht krisensicher
    Mein Tipp: Zigarettenhersteller kaufen, die haben eine zuverlässige Kundschaft (NikoJunkies) und der Staat hat kein Mitleid und wird die Preise nicht einfrieren.
    Siemens: Die braucht man für jeden Wiederaufbau.
    Pharma: Gesundheitswesen zu teuer, keine neuen Produkte, hohe Entwicklungskosten >>> Meiden, da keine eigene Preisfestsetzungsmacht, Staatspleiten führen zu Sparprogrammen..
    PS: Wer nichts hat, hat nichts zu verlieren.

  • Mit Freude Stelle ich fest, dass Max Otte jetzt offenbar doch Inflation für das zunehmend wahrscheinlichere und auch bessere Szenario hält, so wie ich es in meinem Buch "Die Inflation kommt!" beschrieben habe. In seinem fraglos prophetischen Buch "Der Crash kommt!" war noch ausschließlich von Deflation à la Japan die Rede. www.rissesblog.de

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