Max Otte im Interview
„Ich freue mich auf Inflation“

Er warnte vor der Finanzkrise, jetzt rät er zum Aktienkauf. Bestsellerautor und Fondsmanager Max Otte sprach mit dem Handelsblatt über die richtige Aktienauswahl, sein Verhältnis zu Gold und die Liebe zum Land.
  • 32

Handelsblatt: Herr Otte, der Absturz an den Börsen hat viele auf dem falschen Fuß erwischt. Sie auch?

Max Otte: Ich habe vor fünf Monaten angefangen, japanische Aktien zu kaufen, weil sie spottbillig waren. Ich hatte den Markt zuvor drei Jahre lang beobachtet. Kurz nach meinem Einstieg kam Fukushima, jetzt der nächste Absturz. Manche Positionen haben sich gut entwickelt, mit anderen bin ich aber fast 50 Prozent unter Wasser.

Japan? Moody’s hat dessen Bonität gerade heruntergestuft ...

Das betrifft zuallererst die Anleihen, nicht die Aktien. Sollte der Yen unter Druck geraten, könnte das sogar positiv sein für exportorientierte Unternehmen.

Keine Angst, dass die Kurse noch weiter fallen?

Natürlich können die noch fallen. Der Markt wird derzeit von der Psychologie bestimmt, da kann alles passieren. Die Investoren verkaufen Aktien, weil sie es nicht aushalten, nichts zu tun, und im Zweifel lieber das machen, was alle tun. Sie laufen der Menge hinterher, um nicht alleine dazustehen, so wie die Lemminge. Die haben als Spezies zwar einen schlechten Ruf; man hat aber noch nie einen einzigen der Gruppe für das Verhalten aller zur Verantwortung gezogen.

Was raten Sie?

Als Value-Investor sollte man stets die langfristigen Perspektiven im Blick haben – und damit meine ich die nächsten zehn, besser noch 15 Jahre. Ich kann nur jedem Anleger raten: Lassen Sie sich nicht von den kurzfristigen Schwankungen verrückt machen, auch wenn es noch so schwer fällt.

War der Absturz übertrieben?

Nur im Fall einer echten Weltwirtschaftskrise und globalen Depression wäre das aktuelle Kursniveau vielleicht gerechtfertigt. Fundamental betrachtet sind derzeit viele Aktien günstig.

Kommentare zu " Max Otte im Interview: „Ich freue mich auf Inflation“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Hauptproblem von Otte ist, das er die realen Gefahren für die meisten Unternehmen nicht ernst nimmt, weil er die Lage zu positiv sieht und immer noch Grundvertrauen in die europäischen Staaten hat. Ich denke auch, das Aktien, Grundstücke und Sachwerte die richtige Richtung sind - aber Immobilien wohl auf mittelfristige Sicht nicht in Europa (zu leicht von Staaten zu sozialisieren über neue Grundsteuern, Neidkultur etc.) und das gilt auch für die meisten Unternehmen, sofern sie Preise nicht marktwirtschaftlich gestalten können (also sind Pharma, Versorger, Banken (da hat es Otte erkannt), Versicherungen, Waffenhersteller und Konsumwerte sowie Handel, deren Hauptkundschaft in der EU liegt, nicht empfehlenswert. Damit fallen ca. 80% aller DAX und Eurostoxxs-Werte schon mal weg, wenn man genau hinsieht. Es bleiben eventuell Nestle, Chemiewerte, diverse US-Aktien, grosse internationale Rohstoff-Firmen und einige asiatische Firmen als sinnvolle Investitionen - und vielleicht Grundbesitz in Asien, Afrika oder der Karibik..

  • Ein Portfolio-Manager mit 50% Verlust? Und dann freut sich Herr Otte auch noch auf die kommende Geldentwertung.
    Dem Mann würde ich keinen Cent anvertrauen.
    Seinem Gelddruck-Kollegen Jens Ehrhardt übrigens auch nicht.

  • ...und genau das geschieht bereits.
    Der Staat als Regierung gibt Staatsanleihen aus, die der Staat als Notenbank wieder aufkauft. Durch exzessive Käufe werden die Anleihepreise auf jeden gewünschten Wert hochgetrieben und damit die Zinssätze gegen Null.
    Mit dieser Zinskontroll-Politik werden Geldmengen und Zinssätze manipuliert. Die Staatsschulden explodieren, die Fallhöhe wird größer - bis es dann richtig kracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%