MDax im Aufwind
Nebenwerte bieten Chancen

Institutionelle Investoren greifen wieder häufiger zu Nebenwerten – und treiben damit den MDax hoch. Anlageexperten warnen zwar vor stärkeren Kursschwankungen in der zweiten Reihe, sehen aber ebenfalls Chancen. Warum das Small- und Midcap-Segment so gefragt ist wie lange nicht mehr.

FRANKFURT. Deutsche Nebenwerte zeigen plötzlich Stärke. Während der deutsche Leitindex Dax seit Anfang März um 28 Prozent zulegen konnte, stieg der MDax für mittelgroße Aktien um rund 32 Prozent. Allerdings traf der internationale Kursverfall die deutschen Nebenwerte in den vergangenen zwölf Monaten auch besonders hart. In Krisenzeiten stoßen institutionelle und private Investoren zuerst riskante Papiere ab. Und dazu zählen die illiquideren Nebenwerte. Eine geringe Marktkapitalisierung birgt immer ein höheres Abwärtsrisiko. Die Folge: Der hohe Verkaufsdruck trieb die Aktienkurse im MDax stärker nach unten als die Dax-Aktien.

Mittlerweile ist der Handel mit Nebenwerten nahezu ausgetrocknet. Es finden kaum noch Umsätze in dem Börsensegment statt. Dabei versprechen nach Einschätzung von Experten viele deutsche Nebenwerte künftig eine höhere Wertentwicklung als ihre großen Geschwister im Dax. Der Großteil der MDax- und SDax-Mitglieder steht trotz der Krise fundamental besser da als viele Standardwerte.


Ausgewählte Fonds für Nebenwerte

Aktienfonds (KAG)ISINKurs in EuroAktienquote


in Prozent
Top-Sektor


(Portfolioanteil


in Prozent)
Wertent-


wicklung 3 Jahre in %
Small-Cap-Europa-Aktienfonds (Allianz RCM)LU009645063956,6093,27Industriematerialien


(26,02)
-15,91
Euroland-Equity-Smaller-Companies-Fund (HSBC)LU0165100255123,7292,73Unternehmens-


dienstleistungen (31,92)
-14,22
Euroland-Small-Cap-Equities-Fund (SGAM)LU0168013646103,8291,92Industrie-


materialien


(23,46)
-17,75

Stand: 29.4.2008; Quellen: Morningstar, Zertifikateweb, Onvista, Finanztreff



Im Deutschen Aktienindex beträgt der Anteil der Finanzaktien 21 Prozent. Wegen der Finanzkrise meiden Investoren diese Werte derzeit. Bei Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe hingegen sehen sie wieder Einstiegschancen. Und der MDax ist besonders stark von Industrieunternehmen und Maschinenbauern geprägt, darunter Elring-Klinger, Fuchs Petrolub, Gildemeister und Klöckner.

„Deutsche Smallcaps haben aufgrund der Branchenstruktur bei einem konjunkturellen Aufschwung ein größeres Aufholpotenzial als die Aktien im Dax“, sagt Matthias Born von Allianz Global Investors. Der Anlageexperte setzt auf Recherche: „Der Informationsfluss bei kleineren Titeln ist geringer. Hier machen sich die eigenen Analysen und Gespräche mit der Unternehmensleitung bezahlt“, sagt er. Diese Möglichkeit haben Privatanleger nicht, sie müssen ihre Anlageentscheidung auf Basis weniger Daten treffen, die sich zudem in der Regel auf die Vergangenheit beziehen. „Die bestehenden Informationen der Unternehmen beziehen sich nur auf die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie auf die Cashflow-Rechnung“, sagt Petra Oetken von der Fachhochschule Worms. Die Wissenschaftlerin ist Mitglied im DVFA – dem deutschen Berufsverband für Analysten. Um die Risiken zu streuen, sollten private Investoren auf Nebenwerte-Fonds oder Zertifikate setzen (siehe Tabelle). Denn gerade im Nebenwerte-Segment schaffen aktiv verwaltete Produkte wie Fonds aufgrund des Informationsvorsprungs einen Mehrwert.


Ausgewählte Zertifikate für Nebenwerte

Zertifikate (Emittentin)ISINKurs in EuroLaufzeitWertent-


wicklung 1 Monat in %
Wertent-


wicklung 1 Jahr


in %
M-Dax-Indexzertifikat (Landesbank Berlin)DE000LBB11N896,0105.07.2017-8,6964,85
Russel-2000-Open-End-Zertifikat


(Goldman Sachs)
DE000GS0J09536,14endlos10,49-21,54

Stand: 29.4.2008; Quellen: Morningstar, Zertifikateweb, Onvista, Finanztreff



Anleger müssen aber einkalkulieren, dass die Kursschwankungen der Nebenwerte sich auch künftig auf hohem Niveau bewegen. Denn je weniger Marktteilnehmer die Aktien handeln, desto stärker beeinflussen einzelne Käufe und Verkäufe die Kurse. Die neuerlichen Gewinne nicht nur in den deutschen Nebenwerten, sondern im gesamten europäischen Small- und Midcap-Segment stehen daher auch weiterhin auf dem Prüfstand. „Die große Nervosität im Markt könnte zu einem Rückschlag der Kurse auf den Tiefpunkt von Anfang März führen“, sagt Eduardo Lecubarri von JP Morgan. „60 Prozent der Small- und Midcap-Experten glauben, dass wir das Tal bereits durchschritten haben, 36 Prozent erwarten neue Tiefstände.“

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