Mehr Informationen: Stromerzeuger öffnen sich

Mehr Informationen
Stromerzeuger öffnen sich

Als Ausweg aus der Vertrauenskrise am Strommarkt wollen die deutschen Energieversorger künftig mehr Transparenz bieten und brennstoffabhängige Erzeugungsdaten veröffentlichen. Dieser von Vattenfall-Vorstandschef Klaus Rauscher während der Handelsblatt-Energietagung in Berlin angekündigten Initiative will sich nach eigenen Angaben auch RWE anschließen.

HB BERLIN. Auf diesem Wege sollen Vorwürfe entkräftet werden, die vier großen deutschen Energieversorger RWE, Eon, Vattenfall und EnBW manipulierten die Strompreise. In einer von der EU-Kommission vorgelegten Studie hatten 80 Prozent der Großabnehmer geklagt, über wichtige, die Preisgestaltung am Strommarkt betreffende Informationen –wie Kuppelleitungen, Erzeugungskapazitäten, Lastprognosen – nicht verfügen zu können. Rauscher kündigte an, das Vertrauen in die Funktionsweise des Großhandelsmarktes für Strom durch die Veröffentlichung von Daten der Erzeuger stärken zu wollen. Die Daten sollen über die Leipziger Energiebörse (European Energy Exchange, EEX) zur Verfügung gestellt werden.

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VKI) und Vertreter energieintensiver Unternehmen wie Norddeutsche Affinerie hatten zuletzt kritisiert, durch die oligopolistischen Strukturen der deutschen Energiebranche würden die Preise manipuliert. Das Argument: Die „großen vier“ böten dem Markt zu wenig transparente Informationen und nutzten die geringe Liquidität des Energiemarktes aus, die Strompreise in astronomische Höhen zu treiben. In der Tat sind die Strompreise in Deutschland im vergangenen Jahr um beinahe 50 Prozent gestiegen.

Beim Vorwurf der Preismanipulation steht die EEX im Mittelpunkt der Diskussionen. „Zu Unrecht“, sagt deren Vorstand Hans-Bernd Menzel. Der staatlichen Aufsicht der EEX seien weder Anzeichen für marktbehinderndes Verhalten von Börsenteilnehmern noch Anzeichen für Preismanipulationen aufgefallen. Zudem müsse erkannt werden, dass die Strompreise in Deutschland weniger stark gestiegen seien als in Nachbarländern.

Deutschland sei die Stromdrehscheibe in Europa geworden. Wenn der Strompreis in Deutschland angeblich manipuliert sei, müsse man sich fragen, warum etwa der ehemalige Stromeexporteur Frankreich zum Importeur deutschen Stroms geworden sei, sagt Stephan Judisch, Geschäftsführer der RWE Trading GmbH. Die an der EEX ermittelten Preise hätten europaweit Benchmark-Charakter, ergänzt Menzel.

„An der EEX handeln mehr als 100 Akteure aus 23 Ländern“, sagt Rauscher. Der Großhandelsmarkt für Strom bestehe nicht nur aus den Strombörsen. Er werde vielmehr durch den von Brokern und Banken dominierten Freiverkehrsmarkt (OTC) dominiert, der um ein Vielfaches größer sei. Banken schließen ihre OTC-Geschäfte auf Basis der EEX-Preise ab.

Lebhafter Handel

Freiverkehr

Strom wird an Börsen und im Freiverkehr (OTC) gehandelt. Am OTC-Markt sind die Händler der Energieversorger, Energiebroker und Banken aktiv. Das an den OTC-Märkten gehandelte Stromvolumen übersteigt die Umsätze der Strombörsen deutlich.

Börsen

In Europa gibt es fünf Strombörsen von Bedeutung. Nummer eins ist die skandinavische Nordpool. Rang zwei belegt die European Energy Exchange in Leipzig. Kleiner sind Frankreichs Powernext, die APX der Niederlande und Österreichs EXAA.

Preise

Im Jahr 2005 sind die Strompreise in Europa unterschiedlich stark gestiegen. Großbritannien verzeichnete mit plus 86,7 Prozent den stärksten Anstieg. In den Niederlanden wurde Strom 51,7 Prozent und in Deutschland 48,6 Prozent teurer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%