Mehr Wettbewerb unter den Ratingagenturen gefordert
Sanio soll Ratingagenturen kontrollieren

Die Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft haben sich für eine laufende Aufsicht der Ratingagenturen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ausgesprochen.

BERLIN. „Wenn Bestimmungen zur Verbesserung der Transparenz der Rating-Prozesse und zur Regulierung von potenziellen Interessenkonflikten eingeführt werden sollten, muss ihre Einhaltung durch die Agenturen überwacht werden", heißt es in einer Stellungnahme des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) für das Bundesfinanzministerium, die dem Handelsblatt vorliegt.

Anderer Ansicht ist der BVI Bundesverband Investment und Asset Management. „Die Notwendigkeit einer staatlichen Aufsicht sehen wir nicht. Die Ratingagenturen sind alle in den USA geprüft und zugelassen“, sagte BVI-Geschäftsführer Rudolf Siebel dem Handelsblatt. Die Ratingagenturen selbst warnen vor einer Regulierung. Diese führe in der Regel zu Kontrolle, was den ganzen Zweck der Ratingvergabe auf den Kopf stellen würde, meint Paul Taylor, Chef der Ratingagentur Fitch.

Verbesserungsbedarf bei den Ratingagenturen sieht der BVI aber für die Punkte Transparenz, Organisation und Methodik. Staatliche Interventionen seien jedoch nicht nötig. „Über Wohlverhaltensregeln oder standardisierte Fragebögen kann das im Dialog mit den Ratingagenturen erreicht werden“, meint Siebel.

Dagegen weist der ZKA darauf hin, dass selbst interne Ratingverfahren der Kreditwirtschaft im Rahmen von Basel II der Bankenaufsicht unterstellt sind. Zudem spricht sich der ZKA für eine Regulierung auf internationaler Ebene aus, um „vor allem eine Mindestharmonisierung der Regeln für die global tätigen Ratingagenturen zu gewährleisten“.

Seit längerem stehen die Tätigkeiten der drei großen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch in der Kritik. Manche Kritiker reiben sich an ihrer Macht, weil die Ratingagenturen mittels der Bonitätseinstufungen über die Refinanzierungsbedingungen von Staaten und Unternehmen befinden. Die Konditionen der Kreditvergabe hängen vom Rating ab. BaFin-Präsident Jochen Sanio bezeichnet Ratingagenturen als die „größte unkontrollierte Machtstruktur im Weltfinanzsystem“, hält aber nicht viel von einer Aufsicht durch das BaFin.

Über die Notwendigkeit von Ratingagenturen besteht jedoch Einigkeit. „Ohne Ratings könnten unsere Mitglieder beispielsweise in Finanzierungsinstrumente wie Asset Backed Securities oder Unternehmensanleihen gar nicht investieren“, bemerkt Siebel. Mit einem Urteil über die Bonität einzelner Wertpapieremittenten leisteten die Ratingagenturen einen wichtigen Beitrag zur Markttransparenz, urteilt auch der ZKA.

Als Manko gilt die Dominanz der US-Giganten Moody’s und Standard & Poor’s sowie der kleinen Agentur Fitch. Zusammen beherrschen sie 95 % des Marktes. Es wäre wünschenswert, wenn die oligopolistische Struktur des externen Ratingmarktes durch weitere Wettbewerber aufgeweicht werden könnte, urteilt der ZKA auch mit Blick auf die hohen Gebührenforderungen der Agenturen.

„Wir wünschen uns mehr Player. Zwar funktioniert der Markt, doch der Wettbewerb ist eingeschränkt“, lautet die Einschätzung des BVI-Geschäftsführers. Keinen Charme kann er allerdings den Plänen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) abgewinnen, der sich für die Schaffung einer europäischen Ratingagentur stark macht. „Wir wüssten nicht, wo die herkommen sollte,“ sagt Siebel. Es sei auch nicht einleuchtend, dass nur eine europäische Ratingagentur die Besonderheiten europäischer Unternehmen bei der Bonitätsbewertung angemessener berücksichtigen könnte.

Mehr Wettbewerb auf dem Markt der Ratingagenturen könnte allerdings in den USA blockiert werden. „Wir sehen in den USA die Gefahr, dass neue Wettbewerber durch zu starke Regularien gar nicht erst auf den Markt kommen“, sagt Siebel. Der ZKA hat die Beobachtung gemacht, dass der Gesetzgeber in den USA wie auch in Europa Ratings häufig „zum Anknüpfungspunkt von Rechtsnormen“ macht. Damit werde der Einfluss der Ratingagenturen ausgeweitet. Im gleichen Atemzug werde der Marktzutritt für neue Agenturen erschwert. Nötig seien zumindest international vergleichbare Zulassungsvorschriften, fordert der ZKA.

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