Metall und Minen-Unternehmen gehören inzwischen zu Lieblingen vieler Fondsmanager
Rohstoffwerte erleben eine Renaissance

Die Geldanlage in angelsächsischen und europäischen Minenwerten ist eine Wette auf die Weltkonjunktur.

DÜSSELDORF. Lange Zeit galten sie als problematisch: Die Märkte für Nickel, Bauxit, Kupfer, Eisenerz und Gold standen jahrelang unter Druck. Die Preise purzelten und die Aktien der beiden größten Produzenten, der britischen Rio Tinto und der australischen BHP Billiton gingen in den Keller. Für den Anleger kamen Währungsrisiken hinzu: Sowohl Billiton als auch Rio Tinto bilanzieren in US-Dollar und sind an ihrer Hauptbörse London in Pfund Sterling notiert – ein pikanter Währungscocktail für in Euro geführte deutsche Depots.

Weil sich die Anzeichen mehren, dass die Konjunktur auffrischt, erwachen die zyklischen Rohstoffaktien aus ihrem Dornröschenschlaf. Die großen Metall und Minen-Unternehmen gehören inzwischen sogar zu den Lieblingen vieler Fondsmanager. Sie profitieren vor allem von den steigenden Kupfer- und Nickelpreisen, die durch die starke Nachfrage in den Schwellenländern Indien und China mit ihren hohen Wirtschaftswachstum getrieben werden.

BHP Billiton hat in der vergangenen Woche ein gutes Jahresergebnis veröffentlicht: Der Nettogewinn stieg um 12 % auf 1,9 Mrd. $. Vorstandschef Chip Goodyear sieht sogar Anzeichen für eine anziehende Nachfrage nach Metallen wie Aluminium in den USA.

„Vor allem der anhaltende Bedarf von China stimmt zuversichtlich“, sagt Jack Jones, Analyst bei CIBC World Markets. Er sieht ein Kursplus von 7 % für BHP bei einem aktuellen Kursniveau von 6,90 $.

Die beiden Konkurrenten auf dem Weltmarkt haben nach Schätzung von CIBC noch größeres Potenzial: Die Aktie von Rio Tinto könnte noch um gut 12 % steigen, weil Anglo American auch an dem Diamantenproduzenten DeBeers beteiligt ist, Sieht Jones für das Papier sogar ein Kursplus von bis zu 20 %.

Andere Analysten sind zurückhaltender: Da die Werte schon rasant gestiegen sind, sei das Potenzial bald ausgereizt, heißt es. Morgan Stanley hat die Sektoren Erz und Bergbau sogar herabgestuft. Die Bewertungen der großen Bergbau-Unternehmen seien im Vergleich zu anderen Rohstoff-Sektoren nicht attraktiv.

„Rio Tinto selbst bewertet seine Geschäftsentwicklung auch vorsichtiger als BHP“, sagt Simon Toyne von Dresdner Kleinwort Wasserstein, da das Unternehmen stärker vom Markt der Nichteisenmetalle abhänge. Die Halbjahreszahlen waren nicht überzeugend.

Und auch bei Billiton laufe längst nicht alles glatt, sagt Toyne. Trotz erheblicher Fortschritte bei dem Sparprogramm – bis 2005 sollen Kosten in Höhe von 770 Mill. $ abgebaut werden – ist die Ölproduktion weiter rückläufig.

Im Gegensatz zu Rio Tinto betreibt Billiton eigene Ölfelder – vor allem in der Nordsee und vor Australien. Das Problem: Die Reserven gehen zur Neige. Zwar hat der Konzern gut 2 Mrd. $ in Ölprojekte investiert „doch die sind noch nicht richtig angelaufen“, sagt Analyst Toyne. Bis 2007 will BHP seine Ölproduktion trotz rückläufiger Reserven um die Hälfte steigern.

Der Anleger sollte in jedem Fall Alternativen zu den angelsächsischen Branchenriesen im Auge behalten, denn die gibt es auch im Euro-Raum. Vor allem der Erzförderer Eramet sowie der Mineralienspezialist Imérys in Frankreich gelten als interessante Werte.

Eramet ist mit 650 Mill. Euro Marktkapitalisierung der deutlich kleinere, aber entschieden bekanntere der beiden Werte. Die Gruppe ist zweitgrößter Manganförderer der Welt und mit seinen Minen auf Neukaledonien unter den drei größten Nickelproduzenten der Welt. Alles, was auf der französischen Südseeinsel zusätzlich gefördert wird, landet in der Minisparte Legierungen, die führender Anbieter von Extremstählen ist.

Eramet hat zwar im ersten Halbjahr trotz eines um 10 % auf 507 Mill. Euro rückläufigen Umsatzes seine Erträge „signifikant gesteigert“. Exakte Ertragszahlen veröffentlicht die Gruppe bei den Zwischenberichten nicht. Doch war der Jahresüberschuss des Unternehmens 2002 mit 50 Mill. Euro auf ein Sechstel des Wertes für 2000 zusammengebrochen. Das macht Eramet zu einer Turn-around-Spekulation, von der sicherheitsorientierte Anleger lieber die Finger lassen sollten.

„Obwohl die steigenden Nickelpreise der Gruppe zu pass gekommen sind und inzwischen die Verlusten in den anderen Spartenausgleichen, würgen die absehbaren Wechselkursentwicklungen die längerfristigen Aussichten des Unternehmens ab“, urteilt Russel Skirrow, Rohstoffanalyst bei Merrill Lynch.

Er sieht nur eine Lösung für die Aktie: Eramet müsse alle Aktivitäten auf den Prüfstand stellen. Und bei Nickel müssen die Kosten runter. Solange rät Skirrow, die AKtie zu verkaufen.

Ob das die drei Staatsfirmen, die an Eramet zusammen 70 % halten, mitmachen, muss sich zeigen. Immerhin gab es in jüngster Zeit Hinweise aus Eramets Hauptquartier im Pariser Montparnasse-Turm, dass der neue Boss Jacques Bacardats das Mangangeschäft verkaufen würde. Dann wäre der Weg für einen Neuanfang frei.

Wenn aber alles so bleibt wie bisher, ist die Zukunft düster. Zwar brummt die Nickelförderung. Doch produziert Eramet zu teuer. „Die Streiks beim kanadischen Wettbewerber Inco sind vorbei, und ein schwächerer Inox-Stahlmarkt dämpft die Nachfrage in Europa. Die Nickelpreise könnten in den nächsten Monaten fallen“, meint Skirrow. Dann würde es ernst für Eramet, deren Erträge der Analyst 2004 weiter sinken sieht.

Wesentlich besser ist die Lage bei Imérys. Chef Gérard Buffière hat trotz eines Umsatzrückgangs den laufenden Halbjahresgewinn im Vorjahresvergleich um 10 % gesteigert. Und das Geschäft mit Porzellanpasten, Grafit, Papierpigmenten, Ton und Schleifmitteln ist kerngesund. „Imérys ist unser bevorzugter Small/Midcap unter Europas Rohstoffwerten“, schwärmt Skirrows Kollege Daniel Fairclough, der für die Aktie eine klare Kaufempfehlung gibt.

Kein Wunder: Immerhin hat die Iméry-Aktie seit März einen Kursanstieg um fast 80 % hingelegt. Doch bleiben französische Analysten nüchtern, obgleich die meisten von ihnen die Aktie mögen. „Nachdem die Aktie in diesem Jahr stark gestiegen ist, würden wir nicht zögern, erst einmal Gewinne mit zu nehmen“, heißt es beim Online-Researchdienst Firstinvest.

„Wenn dass so einfach wäre“, werden einige Anleger gestöhnt haben. Denn Imérys, mehrheitlich im Besitz der Banque Bruxelles Lambert und des Fonds Pargesa, hat an Euronext Paris nur äußerst knappe Umsätze.

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