Metalle
In den Preisen steckt viel Spekulation

Kupfer, Aluminium oder Nickel werden immer noch viel gebraucht. Vor allem in China. Von der dortigen Entwicklung hängt vieles ab. Beobachter warnen vor Überhitzungen.

Kupfer ist das am stärksten gehandelte Industriemetall. Es wird vor allem im Hausbau für Elektro- und Sanitärinstallationen eingesetzt. In den USA erlebt die Bauwirtschaft gerade den größten Einbruch seit Anfang der Neunzigerjahre. Doch eine Tonne Kupfer kostet schon wieder mehr als 8000 Dollar und damit so viel wie im Juli und nur etwas weniger als beim Rekordhoch vom Frühjahr 2006. Wie geht es weiter? "Solange die chinesische Nachfrage nicht zusammenbricht, rechne ich nicht mit einem scharfen Einbruch der Preise von Industriemetallen", sagt Peter Dixon, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank in London.

Gerade für Euro-Anleger müssten die Preise für Kupfer, Aluminium oder Nickel weiter stark zulegen, um mögliche Währungsverluste auszugleichen. Zumal China immer noch abhängig ist vom Geschäft mit dem Ausland. Rund ein Viertel des chinesischen Wachstums kommt vom Außenhandel. Ein Abschwung in den USA wäre auch in China zu spüren. Möglicher Hinweis: Im Hafen von Los Angeles, dem wichtigsten Umschlagplatz der USA für Einfuhren aus Asien, gingen die Containeranlandungen im August um zehn Prozent zurück.

Auch die Sonderkonjunktur, die Olympia 2008 der chinesischen Bauwirtschaft bescherte, dürfte bald auslaufen, schätzt Unicredit-Analyst Hitzfeld. Er rechnet mit einer allmählichen Abkühlung der Metallnachfrage aus China. Hitzfelds Kollege Weinberg von der Commerzbank erwartet bei Kupfer gar, dass die weltweite Minenproduktion bald stärker zunehmen wird als die Nachfrage. Der Boom hievte Kupfer, Nickel und andere Metalle auf Preisniveaus, bei denen sich fast alle bekannten Vorkommen wirtschaftlich ausbeuten ließen. Auch die Lagerbestände an den Metallbörsen wie der London Metal Exchange (LME) steigen teilweise wieder. Damit verlieren unerwartete Produktionsunterbrechungen, etwa durch Streiks in großen Minen, ihre unmittelbare Wirkung auf Versorgungslage und Preis.

Die heiß gelaufene Wirtschaft behutsam abkühlen – das wollte die Regierung in Peking längst erreicht haben. Doch "2006 war das sechste Jahr in Folge, in dem die Investitionen stärker gewachsen sind als die Wirtschaft", sagt Nicholas Lardy vom Institut für Internationale Wirtschaft in Washington. Ein deutliches Signal für eine Überhitzung, nur wird das von vielen Investoren ignoriert. Sie haben sich an zweistellige Wachstumsraten gewöhnt und denken, in diesem Tempo gehe es weiter. Entsprechend heftig könnte die Reaktion sein, wenn sich das Wachstum Chinas verlangsamt. Immerhin erwarten die Experten der Schweizer Bank UBS, dass sich Chinas Wachstumsraten auf mittlere Sicht bei sechs bis sieben Prozent einpendeln.

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