Michael Keppler im Interview: „Die Deutschen fallen auf Sicherheit herein“

Michael Keppler im Interview
„Die Deutschen fallen auf Sicherheit herein“

Michael Keppler setzt fast alles auf Aktien. Ist er ein Zocker? Nein, sagt der Fondsmanager aus New York. Das Geld sei dort besser aufgehoben als in Immobilien, Gold oder Anleihen. Warum, erklärt er im Interview.

Herr Keppler, warum kaufen Sie jetzt Aktien?

Die Aktie ist ein Sachwert – und zwar der letzte noch vernachlässigte Sachwert. Die Preise für Immobilien oder Gold sind bereits stark gestiegen, die Aktienkurse noch nicht. Aktien sind derzeit gemessen am Ertrag – das heißt Dividenden und Gewinnen – sowie an der Substanz günstig bewertet. Letztlich geht es nur um die Frage: Wo bekomme ich am meisten für mein Kapital? Da schneiden Aktien nun mal am besten ab.

Haben Sie keine Angst, dass die Euro-Krise erneut für Unsicherheit sorgt?

Nein, das wird überschätzt.

Also wird alles wieder gut?

Das auch nicht. Zumindest hat man die Probleme erkannt. Nun werden sie diskutiert. Bedauerlich ist, dass die Hauptleidtragenden der Krise meist nicht die Nutznießer des vorangegangenen Überschwangs sind. Deshalb müssen die Betroffenen wirksam unterstützt werden. Gleichzeitig gilt es sicherzustellen, dass alte Fehler nicht wiederholt werden.

Im Moment kommt die Unterstützung von der Europäischen Zentralbank, die billiges Geld zur Verfügung stellt. Macht Draghi einen guten Job?

Mario Draghi hat eine schwierigere Aufgabe zu lösen als sein amerikanischer Amtskollege. Angesichts des Problems, dass die europäische Fiskalpolitik aufgrund der unterschiedlichen Dispositionen der Mitgliedsländer der EU gelähmt ist, versucht er seine Aufgabe als Chef der Europäischen Notenbank breiter zu definieren, als dies der klassischen Vorstellung entspricht. Draghi kopiert damit Ben Bernanke und spielt auf Zeit.

Die Folgen der Euro-Krise für das Wachstum sind jetzt schon deutlich erkennbar. Die Euro-Zone steckt in einer Rezession. Deutschland wächst nur noch ganz schwach.

Deutschland kann sich der Euro-Krise nicht entziehen, das ist richtig. Das heißt aber nicht, dass die Unternehmen nicht gut verdienen. Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienkursen ist weit weniger ausgeprägt, als die meisten denken. Eine Analyse der vergangenen 120 Jahre zeigt, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Aktienkursen und gesamtwirtschaftlichem Wachstum gibt.

Wie kann das sein?

Wahrscheinlich sind in Zeiten niedrigen Wirtschaftswachstums die Lohnkosten niedrig, etwa weil die Gewerkschaften nur bescheidene Lohnsteigerungen herausholen können oder die Rohstoffpreise fallen. Demgegenüber wollen in Zeiten boomender Konjunktur alle am Wachstum partizipieren: Gewerkschaften fordern höhere Löhne, Rohstoffpreise steigen, die Politiker wollen Steuererhöhungen und die Aktionäre – mit ihrer traditionell schwachen Lobby – gehen leer aus, beziehungsweise kriegen was übrig bleibt.

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