Miese Analysten
Auf wen Anleger lieber nicht hören sollten

Eigentlich sollen Analysten Anlegern bei ihren Investment-Entscheidungen helfen. Nicht so die Aktienbewerter von Emperor Securities. Wer auf ihre Ratschläge hörte, übte sich im Geldverlieren.

HongkongFür Unternehmen sind die Empfehlungen von Emperor Securities in Hongkong so etwas wie Balsam für die Seele: Das Analystenhaus stufte alle 173 Firmen, für die sie Beurteilungen zwischen April 2015 und Mai 2016 abgab, mit „Kaufen” ein. Auch die Kursziele wählten die Aktienbewerter so, dass sich keine der Firmen beklagen konnte: Auf die Sicht der kommenden Wochen deuteten sie im Durchschnitt ein Plus von 25 Prozent an.

Investoren, die den Emperor-Einschätzungen gefolgt sind, dürften aber weitaus weniger begeistert sein. Denn Emperor-Analysten lagen in den vergangenen zwölf Monaten aber so daneben, dass Leerverkäufe aller Titel zu einem Plus von rund 6 Prozent nach nur vier Wochen und fast 13 Prozent beim Halten bis Ende vergangener Woche geführt hätten.

Die optimistischen Emperor-Analysten machen die Tücken des Aktienhandels für neue Kleininvestoren deutlich, die an die Märkte in China und Hongkong strömen. Kleinanleger deckten sich mit Aktien ein, als der Shanghai Composite Index eine seiner besten Rallys aller Zeiten verzeichnete und die Regeln für den gegenseitigen Handel auf dem Festland und in Hongkong gelockert wurden.

Emperor, das sich an solche Händler richtet, konnte nach eigenen Angaben in dem am 31. März zu Ende gegangenen Jahr einen Anstieg der Erlöse um 64 Prozent verzeichnen. Einer der Gründe hierfür war eine Zunahme der Broker-Gebühreneinnahmen.

„Das ist eben unser Stil, eine Kauf-Empfehlung mit einem Kursziel und einen Stop-Loss-Kurs zu haben - und nicht Halten- oder Verkaufen-Ratschläge”, sagt Stanley Chan, Director bei Emperor Securities Research, in einem Interview mit Bloomberg. Der „kleine, lokale Broker” biete Handelsideen, die auf der „Marktstimmung” sowie auf „Nachrichten, Ereignissen und Momentum” basieren würden. Es gehe nicht um Bewertungen, Gewinnpotenzial oder andere Fundamentaldaten. „Wir wählen Aktien mit einem Horizont von ein bis zwei Wochen.”

Ein Anleger, der jede der insgesamt 173 Aktien am Tag der Emperor-Empfehlung gekauft hätte, hätte im Durchschnitt nach einer Woche 0,9 Prozent, nach zwei Wochen 2,9 Prozent, nach drei 4,2 Prozent und nach vier Wochen 6,1 Prozent verloren. Das zeigen Daten, die von Bloomberg ausgewertet wurden. Nach vier Wochen hätten 119 Aktien einen Kursrückgang verzeichnet.

„Im zurückliegenden Jahr war der Markt sehr volatil. Und unsere kurzfristigen Empfehlungen haben sich nicht zufriedenstellend entwickelt”, sagt Chan. „Es war schwierig, gute Ratschläge bei einem derart fallenden Markt zu geben.”

Selbst unter Berücksichtigung des üblichen 12-Monats-Horizonts sieht die Bilanz von Emperor kaum besser aus. Ein Jahr nach der jeweiligen Empfehlung lagen 14 von 15 Aktien, bei denen mehr als zwölf Monate zuvor zum Kauf geraten worden war, im Minus - wobei sich der Kursrückgang bei allen 15 Titeln im Durchschnitt auf 29 Prozent belief.

Falls alle 173 Aktien am Tag der Empfehlung gekauft und bis zum Freitag der vergangenen Woche gehalten worden wären, hätte sich unterm Strich ein Minus von 12,9 Prozent ergeben. Emperor Capital Group, das Mutterunternehmen, bietet Finanzdienstleistungen über 11 Niederlassungen in Hongkong und 3 Büros auf dem chinesischen Festland an.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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