Mikrokredite

Ich investiere in einen Saftladen

Rahab aus Kenia stellt Säfte her. 50 Dollar habe ich ihrem Start-Up über eine Plattform im Netz geliehen. Auch andere geben Geld. Wir bekommen Zinsen, Rahab günstig Kredit – eine Win-Win-Situation? Wo die Grenzen liegen.
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Umgerechnet 6,27 Dollar gibt Rahab täglich für frisches Obst aus, das sie dann zu Säften weiterverarbeitet: Kann ihr Geschäft schon bald wachsen? Quelle: Getty Images

Umgerechnet 6,27 Dollar gibt Rahab täglich für frisches Obst aus, das sie dann zu Säften weiterverarbeitet: Kann ihr Geschäft schon bald wachsen?

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfHeute habe ich in einen Saftladen investiert. Und das meine ich ganz ernst. 50 Dollar habe ich Rahab Njoki Kamau geliehen, damit sie an ihrem Fruchtsaft-Stand in Busia, Kenia, das Angebot vergrößern kann. Ein Mixer und ein Kühlschrank müssten angeschafft werden, dann könnte Rahab mehr Saft herstellen, aufbewahren – und verkaufen.

Ich bin nicht die einzige, die Rahab Geld geliehen hat. Eine Handvoll anderer Privatleute haben der 27-Jährigen gelernten Köchin ebenfalls kleinere Beträge überlassen. Insgesamt haben wir Rahab einen Mikrokredit über 290 Dollar gewährt. Wenn Rahabs Geschäftsidee aufgeht, bekommen wir ab jetzt über sieben Monate nicht nur unser eingesetztes Kapital zurück, sondern auch zusammengenommen 10,40 Dollar an Zinsen. Das entspricht einem Jahreszins von 5,83 Prozent.

Rahabs Vorhaben war dabei nur eines von rund 130, in das wir hätten investieren können. Auch einen Catering-Service hätten wir unterstützen können, oder eine junge Frau, die Kochschürzen herstellt. Die Projekte finden sich allesamt auf der Internetseite Zidisha. Jungen Afrikanern wird hier eine Plattform geboten, ihre Projekte oder Geschäftsideen der breiten Masse vorzustellen. Mehr als 2,3 Millionen Dollar haben Geldgeber seit der Gründung 2009 bereits in gut 8.100 Projekte gesteckt. Jeder, der einen Paypal-Account zur Verfügung hat oder eine Kreditkarte besitzt, kann investieren – von zu Hause aus, per Mausklick.

Zidisha, Suaheli für „wachsen“, war die erste Webseite ihrer Art, die versucht, die Finanzkraft der Masse für Mikrokreditprojekte zu bündeln. Mittlerweile haben auch andere Plattformen wie Bluebees aus Frankreich oder myc4 aus Dänemark das Prinzip microfinance meets crowdfunding für sich entdeckt.

„Geld fließt direkt von Privat an Privat. Die Bank als klassischer Kreditmittler fällt weg“, sagt Zidisha-Deutschland-Verantwortlicher Andreas Bernt-Bärtl. Als non-profit-Organisation stelle Zidisha sicher, dass – abzüglich einer geringen Überweisungsgebühr – die gesamte Kreditsumme beim Geldsuchenden ankomme.

Auf den ersten Blick scheint der „Kredit über das Internet“ für beide Parteien – Kreditgeber und -nehmer – eine attraktive Option zu sein. Potenzielle Kreditnehmer, meist junge Afrikaner, kommen leichter und Bernt-Bärtl zufolge auch deutlich günstiger an Kredite. „Eine Bank gibt es längst nicht in jedem Dorf, aber Zugang zum Internet haben mittlerweile fast alle“, sagt Bernt-Bärtl.

Theoretisch könne also jeder mit einer guten Idee für sein eigenes Business auch an einen Kredit kommen. Weil außerdem die Mittlergebühren der Bank wegfallen, könnten Kredite zu einstelligen Zinsen vergeben werden – bei klassischen Mikrokrediten seien dagegen auch Zinssätze von bis zu 30 Prozent keine Seltenheit.

„Jeder zwanzigste Kredit fällt aus“
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6 Kommentare zu "Mikrokredite : Ich investiere in einen Saftladen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Ben Hu: bei mir sind es 92% Rückzahlungsquote im Moment, Tendenz steigt aber.

    Diese Formulierungen á la "falls da etwas ankommt" finde ich äußerst unschön. Schau dir doch einfach mal ein paar Profile dort an, z.B. https://www.zidisha.org/loan/10155. Hat einen Online-Shop, die Story kannst du nachrecherchieren.

    Die Zidisha-Chefin war früher regelmäßig vor Ort, Zidisha ist Mitglied beim renommierten Y Combinator Programm für soziale Einrichtungen. Der Google Mail Gründer Paul Buchheit unterstützt die Organisation seit langem. Bitte nicht so hinstellen als wäre das alles 'Nigeria Connection' oder 'Katzen-in-Flaschen-Zucht'.

    Wenn du Probleme damit hast, dein Geld an dir persönlich nicht bekannte Menschen zu geben, dann ist es für dich wahrscheinlich der bessere Weg, bei dir vor Ort soziale Einrichtungen zu besuchen und diese zu fördern. Ich hoffe, das machst du dann auch!?

  • 90% oder deutlich mehr? Vielleicht 95%? Dann fallen die besagten 5% aus und bei einem Zins von 5% ist die Rendite nahe 0. Also keine neue Erkenntnis aus diesem Kommentar.

    Also aus sozialem Engagement (falls dort tatsächlich etwas ankommt) meinetwegen, aber nicht aus Renditesicht. Und Fotos und Texte... oh, dann bin ich ja beruhigt... ungefähr so beruhigt wie Papier geduldig ist.

  • Ich bin seit circa einem Jahr aktiv bei Zidisha und kann die hier geäußerten Bedenken nicht bestätigen.

    Die Rückzahlungsquote liegt natürlich bei jedem User ein wenig anders, aber mit ein wenig Vorsicht bekommt man sein Geld mit deutlich mehr als 90%iger Wahrscheinlichkeit wieder. Man muss es eben im Sinne einer ausgewogenen Portfolio-Strategie auf viele Projekte streuen und sich die Accounts der Kreditnehmer genau ansehen. Wenn dann das Scoring-Modell demnächst eingeführt wird, werden die Werte sicher noch einmal besser weil es die schwarzen Schafe dann noch schwerer haben werden, ihre Projekte überhaupt finanziert zu bekommen.

    Wer eine Plattform zur Geldvermehrung sucht, der ist hier vergebens. Dann lieber zu auxmoney oder ähnlichen internationalen Plattformen gehen, die auf Profitmaximierung geeicht sind.

    Zidisha dagegen ist eine sehr effektive (aus meiner Sicht DIE effektivste) Entwicklungshilfe-Plattform, denn:

    - die Community entscheidet, welche Produkte sie für finanzierungswürdig erachtet, nicht religiös motivierte oder weisungsgebundene Ausländer mit was auch immer für Absichten
    - die Verwaltungskosten sind unschlagbar niedrig, so dass der maximale Betrag beim Kreditnehmer ankommt bzw. die niedrigen Zinsen (der große 'Konkurrent' Kiva verlangt oft 25 - 35% Zinsen pro Jahr) höhere Wachstumsraten für die Einkommen der Kreditnehmer bedeuten. Sie stehen schneller auf eigenen Beinen und schaffen sich selbst und ihren Familien sowie Angestellten eine solide Lebensgrundlage
    - ich kann selbst aussuchen, welche Branchen, Regionen oder Unternehmensphasen ich supporten will
    - ich habe direkte Kommunikation mit den Kreditnehmern, kann nachfragen und bekomme per Foto oder Text Updates über die Geschäftsentwicklung
    - sobald ich ein paar Dollar an Ratenzahlungen zurückerhalten habe, kann ich diese gleich wieder reinvestieren. Die Förderung bekommt so Konstanz im Gegensatz zu den verbreiteten Krisen-/Weihnachtsspenden.

    Probiert es aus mit dem 25-Dollar-Gutschein...

  • Ich komme um drei Aspekte unweigerlich nicht herum.

    1) Kickstarter sind manchmal eine tolle Idee, man sollte diese Projekte unterstützen. Aber welche von den vielen?

    2) Warum muss ich unweigerlich an die Nigeria Connection denken, wenn ich diesen Bericht lese? Mein Gedanke war daher: Ja, so kann man natürlich auch an Geld kommen.

    3) Wenn ich wunderbare 5% Zinsen bekomme, jedes 20. Projekt aber ausfällt... dann habe ich eine tatsächliche Rendite, die gegen 0 strebt. Ganz so glänzend ist es dann doch nicht. Es ist nämlich ein furchtbar schlechtes Investment. Von "win" kann zumindest auf Investorenseite keine Rede sein.

  • An dieser Stelle noch ein paar zusätzliche Informationen zur oben genannten Website.
    Um hier transparent zu sein: Über den obigen Link erhält jeder Interessent ein Guthaben von 25$, allerdings erhalte auch ich 25$. Wenn ich die Website richtig verstanden habe, darf dieses Geld zu 0% Zinsen verliehen werden. Eine wie im Artikel oft genannte Win-Win-Situation.

    Ich habe gestern einen kleinen Betrag auf mein zidisha Konto geschoben, mit dem ich jetzt Projekte unterstützen kann.

    Ob ich von dem eingesetzten Kapital je was wiedersehe bleibt abzuwarten, jedoch versuche ich es auf viele Projekte zu verteilen. Ob mein Kredit überhaupt genutzt wird entscheidet sich in der Regel zwischen ein und 10 Tagen. Bis dahin muss eine vom Kreditnehmer genannte Minimum-Summe erreicht werden, um den Kredit in Anspruch nehmen zu können. Ich werde in den nächsten Tagen erfahren, ob meine Kredite genutzt werden. Ich habe Rückzahlungszeiträume zwischen 1 Monat und 17 Monaten ausgesucht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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