Mit der Konzentration auf deutsche Werte sind viele Fondsmanager in jüngster Zeit gut gefahren
Zweistellige Renditen mit Nebenwerten

Für Iris Albrecht ergibt es mittlerweile „nicht mehr viel Sinn, wenn Manager von Aktienfonds ihr Anlagespektrum auf deutsche Nebenwerte begrenzen.“ Europaweit gebe es mehr Auswahl und bessere Renditechancen bei einem vergleichsweise geringen Risiko, sagt die Analystin und Geschäftsführerin des Analysehauses Fundsmarket Deutschland.

HB/vwd FRANKFURT/M. Fondsmanager Peter Conzatti widerspricht Albrechts Einschätzung: „Anleger profitieren vom Standortvorteil und vom direkten räumlichen Zugriff auf die Unternehmen“, betont Conzatti. In den vergangenen zwölf Monaten erreichten deutsche Nebenwertefonds, vor allem aufgrund der Hausse der Technologiewerte, deutlich zweistellige Renditen. Mit einem Plus von 24 % erreichte Conzattis Fonds, der UBS (D) Equity Fund - Small Caps Germany den sechsten Platz unter 22 Fonds, die in deutsche Nebenwerte investieren. Auch der Manager des Activest Deutschland Potenzial, Volker Riehm, lässt Albrechts Europa-Argument nicht gelten: „Wir dürfen europäische Nebenwerte mit einem Anteil von maximal fünf Prozent beimischen.“ Diese Flexibilität nutzt Riehm nach eigenen Angaben bei den Aktien solcher Unternehmen, deren jeweilige Branchen nicht oder nur unzureichend in den dominierenden deutschen Nebenwerte-Indizes MDax, SDax und TecDax vertreten sind.

Als Beispiele nennt der Activest- Stratege den Öl- und den Pharma- Sektor. Im vergangenen Jahr legte der achtplatzierte Activest-Fonds um gute 20 % zu.

Fondsanalystin Iris Albrecht hält beide Fonds für „recht solide“. Zudem zählen die beiden Konkurrenten zu den ältesten Fonds im Segment deutsche Nebenwerte. Der UBS-Fonds habe eine geringere Schwankungsbreite als sein Activest-Pendant und im längerfristigen Vergleich eine geringfügig bessere Rendite. Allerdings verlange die Hypo-Vereinsbank-Tochter Activest mit 1,1 % jährlich eine deutlich niedrigere Verwaltungsgebühr als die UBS (1,8 %).

Die mangelnde europäische Ausrichtung hat den deutschen Nebenwerte-Fonds in den vergangenen Monaten mehr genützt als geschadet. Denn nach den überdurchschnittlichen Verlusten bis Mitte März haben die „Small- und Mid-Caps, speziell jene aus dem Technologiesektor, überproportional zugelegt“, sagt UBS-Stratege Conzatti. Sein Fonds enthält zu mehr als 70 % Werte aus dem SDax und TecDax sowie Titel, die keinem Index angehören.

Conzatti räumt aber ein, dass die räumliche Begrenzung des Anlagehorizonts auch ein Nachteil sein kann. „In anderen EU-Staaten wie Irland und Spanien läuft die Konjunktur besser als in Deutschland.“

Über seine Favoriten und seine aktuellen Dispositionen will sich Conzatti allerdings nicht äußern. Momentan sei die Lage schwierig, vor allem Wachstumswerte seien in den vergangenen Wochen sehr gut gelaufen. „Wenn wir eine Übertreibung in der Kursentwicklung sehen, wird umgeschichtet“, betont Conzatti. Seinen Fonds sieht er „ganz gut positioniert“. Deshalb nehme er eine „abwartende Haltung“ ein.

Auch Activest-Manager Riehm wartet offenbar auf eine Korrektur speziell bei den deutschen Wachstumstiteln. „Ich rechne aber damit, dass der deutsche Aktienmarkt bis zum Jahresende weiter nach oben strebt“, sagt Riehm.

Denn momentan seien Investoren noch von einem starken amerikanischen Wirtschaftswachstum überzeugt, das auch die europäische und speziell die deutsche Konjunktur mitziehe. Riehm bevorzugt deshalb Unternehmen aus konjunktursensiblen Branchen wie die Autozulieferer. Den Dax-Neuling Continental und die Leoni-Aktie gehören in diesem Segment zu Riehms Favoriten.

Activest-Manager Riehm prognostiziert jedoch, „dass das Wirtschaftswachstum in Amerika nächstes Jahr eher bei 2,5 % als bei den erwarteten 4 % liegen wird. Spätestens im ersten Quartal kommenden Jahres stellt sich heraus, ob die Gewinnerwartungen nicht doch zu hoch sind und deshalb die Aktienmärkte spürbaren Korrekturbedarf haben.“

Unter einem solchen Szenario würden dann auch die deutschen Nebenwerte leiden. Deshalb empfiehlt Riehm Anlegern europäische Standardwerte-Fonds als Basisinvestments und die Small- und Midcap-Fonds als Beimischung zur mittel- und langfristigen Renditeoptimierung.

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