Mit der Umstellung auf internationale Rechnungslegungsstandards wirken sich Betriebsrenten stärker auf den Gewinn aus
Pensionen verändern die Bilanzen

Die Pensionslasten der Konzerne dürften nach der Umstellung auf die neuen Rechnungslegungsregeln IFRS für neue Überraschungen sorgen. Zwar ist die Berichterstattung künftig transparenter als in den früheren Abschlüssen nach HGB. Aber Anleger müssen sich dafür auf größere Schwankungen in den ausgewiesenen Positionen gefasst machen.

DÜSSELDORF. Das zeigt ein Blick in die Geschäftsberichte der im Dax notierten Konzerne. Ein sprunghafter Anstieg der bilanzierten Rentenverpflichtungen steht zudem einer Reihe von Nebenwerten bevor. Denn viele Firmen der zweiten Reihe haben noch nicht auf die neuen Standards umgestellt.

Vor allem große Konzerne mit langer Geschichte haben über die Jahre umfangreiche Pensionsverpflichtungen angehäuft. Als die Ratingagenturen einige Konzerne wie Thyssen-Krupp, Deutsche Post und Linde und in den USA General Motors und Ford mit Hinweis auf diese Lasten deutlich herabgestuft haben, mussten Anleger auf den Anleihe- und Aktienmärkten empfindliche Kursverluste hinnehmen. Seither sind Pensionslasten ins Zentrum des Interesses gerückt.

Die Position bleibt ein Zitterposten. „Der Pensionsaufwand der Unternehmen ändert sich laufend“, sagt Bilanzexperte Sven Hayn von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Für Schwankungen sorgen Faktoren wie die Kapitalmarktverzinsung, die Annahmen über die Lebenserwartung und die Gehaltsentwicklung der Mitarbeiter. „Damit lässt sich bis zu einem gewissen Grad auch Bilanzpolitik betreiben“, sagt Hayn. Die neuen Regeln verlangen zwar eine realitätsnahe Abbildung künftiger Verpflichtungen. Aber sie erlauben, Abweichungen bis zu zehn Prozent in der Bilanz unberücksichtigt zu lassen.

Die Unterdeckungen auf Grund veralteter versicherungsmathematischer Annahmen können dabei beträchtlich sein. So hat etwa VW im Anhang seines jüngsten Geschäftsberichts die in der Bilanzierung nicht erfassten versicherungsmathematische Verluste mit 1,7 Mrd. Euro beziffert. Beim Siemens-Konzern betragen sie gar 10,4 Mrd. Euro. Die Verluste ergäben sich aus Abweichungen der tatsächlichen Entwicklung von den unterstellten Annahmen zu Abzinsungsfaktor, Gehalt- und Rententrend, steht im Kleingedruckten. Verluste dieser Höhe sind keine Seltenheit: Daimler-Chrysler beziffert sie auf 2,14 Mrd. Euro, die Deutsche Bank auf 499 Mill. Euro, Eon auf 1,2 Mrd. Euro.

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