Musikbranche erwartet gutes Weihnachtsgeschäft – Auch Computerhersteller profitieren
Unter dem Weihnachtsbaum spielt die Musik

Die Musikbranche hat harte Zeiten hinter sich, doch rechtzeitig zur Weihnachtssaison steigen die CD-Verkaufszahlen. Musik gehört zu den beliebtesten Geschenken.

HOUSTON. „Dieses Weihnachtsgeschäft wird das wichtigste für die Musikbranche seit mehr als einem Jahrzehnt, vielleicht sogar seit der Einführung der CD in den 80er-Jahren“, sagt Gene Munster, Technologieanalyst beim Bankhaus US Bancorp Piper Jaffray.

Die Gründe für die Wiedergeburt: Eine neue Generation von tragbaren Musikspielern lockt die Kunden mit nie da gewesenen Speicherkapazitäten, und durch die Legalisierung von Online-Musikangeboten verlieren Raubkopien ihre Attraktivität und bringen die Nutzer zurück zu Bezahlangeboten.

So hat sich die Internet-Musiktauschbörsen „Napster“, der sich vom ehemals größten illegalen Anbieter zum legalen Unternehmen gewandelt. Und im April brachte Computerhersteller Apple den Online-Service „I-Tunes“ auf den Markt, bei dem die Nutzer zu einem Festpreis von 99 Cent eine beliebige Anzahl von Titeln legal aus dem Internet herunterladen können. Dadurch brauchen die Kunden keine kompletten CDs mehr zu kaufen, sondern können sich ihre Lieblingslieder einzeln aussuchen. Bereits in den ersten vier Monaten verkaufte Apple auf diese Weise mehr als zehn Millionen Downloads. Davon profitiert auch die Aktie des Computerproduzenten. Kurz nach dem I-Tunes-Start lag der Kurs noch bei knapp 13 Dollar. Seither verdoppelte sich der Kurs in nur sechs Monaten auf ein Jahreshoch von 25 Dollar.

Laut US-Presseberichten planen jetzt auch der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart sowie der Drucker- und Computerhersteller Hewlett-Packard einen Internet-Musikhandel nach dem Vorbild von Apple. „Wenn sich das legale Herunterladen von Musik durchsetzt, wird das die Plattenindustrie retten“, sagte Analyst Josh Bernoff von Forrester Research der Nachrichtenagentur Reuters. „Deshalb ist diese Phase eine wegweisende Übergangszeit.“ Er schätzt, dass das Online-Musikgeschäft in Zukunft so stark wachsen wird, dass in drei Jahren mehr als 10 % der gesamten Brancheneinnahmen aus diesem Bereich stammt. Bis 2008 soll der Online-Sektor sogar ein Drittel aller Musikeinnahmen liefern. Andere Schätzungen sind noch optimistischer. Analysten raten den Investoren daher zum Kauf von Aktien aus diesem Bereich – neben Apple-Aktien zum Beispiel auch zu Roxio, der Muttergesellschaft von Napster.

Ähnlich lukrativ wie die Aktien der Musiktauschbörsen sind die Hersteller von Zubehör, vor allem von tragbaren Musikspielern. „Noch in der vergangenen Saison konnten die meisten Geräte nur 25 bis 60 Songs speichern und waren im Vergleich zur herkömmlichen CD nicht viel besser“, sagt Gene Munster. „Doch auf die neuen Spieler lassen sich bis zu 2 000 Titel laden, und die Nachfrage ist riesig.“

Einer der bekanntesten Musikspieler ist das Apple-Modell I-Pod, das auf den I-Tunes-Handel aufbaut. „Selbst wenn I-Tunes nur einen begrenzten Einfluss auf Apples Bilanz haben sollte, werden durch den Service mehr Nutzer auf den I-Pod umsteigen“, sagt Analyst Kevin Mc-Carthy von Credit Suisse First Boston (CSFB). Im dritten Quartal stieg der Umsatz bei Apples tragbaren Musikspielern verglichen mit dem Vorjahreszeitraum bereits um das Fünffache auf 111 Mill. Dollar. Die Analysten erwarten, dass das neue Produkt Bezahlmusik zu einem Selbstläufer entwickelt, ähnlich wie vor wenigen Jahren die DVD-Spieler. Im vergangenen Monat kürte das US-Magazin Time den neuen Dienst von Apple bereits zur „Coolsten Erfindung des Jahres“.

Analysten erwarten, dass der positive Trend noch bis zum Jahresende anhält. „Das wirtschaftliche Umfeld ist in diesem Jahr besser, und das hat einen positiven psychologischen Effekt auf die Kunden“, sagt Einzelhandelsanalyst Alan Rifkin von Lehman Brothers, der zurzeit Titel des Elektronikmarkts Best Buy zu seinen Favoriten zählt.

Selbst die klassische CD ist wieder im Aufwind. Angetrieben durch die neuen Alben von Stars wie Britney Spears oder dem Rapper Jay-Z erreichte die Anzahl der verkauften CDs in der letzten Novemberwoche fast 17 Mill. Platten – ein Plus von rund 10 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

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