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Aktienrückkäufe werden zum Börsenrisiko

Das Volumen der durch US-Firmen selbst erworbenen eigenen Unternehmensanteile steuert in diesem Jahr auf einen Rekordwert zu. Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis findet das besorgniserregend.

Zu den maßgeblichen Kurstreibern an der Wall Street gehören neben der Geldflut der Notenbanken vor allem Aktienrückkäufe. Das Volumen der durch die US-Firmen selbst erworbenen eigenen Unternehmensanteile steuert in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit Ausbruch Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 zu.
Analog zur ultralockeren Geldpolitik gilt: Kurzfristig profitieren Anleger zwar davon – doch zu Lasten der langfristigen Perspektiven ihrer Depotwerte. Niedrigstzinsen halten nicht wettbewerbsfähige Unternehmen künstlich im Markt – und vielen Anteilseignern wird die Überlegenheit konkurrierender Geschäftsmodelle erst dann bewusst, wenn es schon zu spät ist.

Das Risiko bei übertriebenen Aktienrückkäufen: Zugunsten der bequemen Kurspflege vernachlässigen die Firmen oftmals operative Investitionen – beispielsweise für Forschung und Entwicklung oder für die Erschließung neuer Absatzmärkte.

Hintergrund: Weil nach einem Aktienrückkauf der Unternehmensgewinn auf eine verringerte Anzahl an Aktien aufzuteilen ist, steigt in der Folge der Ertrag je einzelner Aktie – selbst wenn sich die Gewinnentwicklung kein bisschen verbessert hat. Dadurch wiederum verbessert sich eine für viele Investoren entscheidende Kennzahl: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis nimmt ab.

Die Aktie erscheint also wie von Zauberhand plötzlich attraktiver bewertet - obwohl weder der Aktienkurs gesunken ist, noch der Gesamtgewinn des Unternehmens zugelegt hat. Die Folge: Mehr Anleger greifen zu, die Aktie steigt noch höher, die Anteilseigner und Bonusempfänger freut' s. Langfristfolgen werden ausgeblendet.

Allein im dritten Quartal dieses Jahres hat fast jedes vierte Unternehmen aus dem marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 die Menge seiner im freien Umlauf befindlichen Anteilsscheine um mindestens vier Prozent verringert. Insgesamt haben die 500 wichtigsten börsengelisteten Unternehmen in den USA von Juli bis September eigene Dividendenpapiere im Umfang von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zurückgekauft. Zum Vergleich: die gesamte Marktkapitalisierung im S&P 500 beläuft sich aktuell auf rund 19 Billionen US-Dollar.

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