Musterdepots
„Aktien sind alternativlos!“

Nachdem der Dax im Frühjahr die 12.000er-Marke geknackt hatte, riefen Experten immer spektakulärere Kursziele aus. Nun wollen die Verantwortlichen davon aber nichts mehr wissen, kritisiert Depotmanager Georgios Kokologiannis.

DüsseldorfWährend Berufsoptimisten und urteilsfreie Kommentatoren selbst beim Dax-Allzeithoch von fast 12.400 Punkten im April die Anleger noch zum Börseneinstieg gedrängt haben, wurde an dieser Stelle immer wieder vor der Kauf um jeden Preis gewarnt: Anders als es das Dauermantra der Finanzindustrie behauptete, seien Aktien keinesfalls "alternativlos" - und Dividenden alles andere als "der neue Zins", habe ich mehrfach geschrieben.

Mittlerweile hat der Dax nicht nur seinen kompletten Jahresgewinn von zeitweise mehr als 26 Prozent verloren – sondern zusätzlich auch den vollständigen Wertzuwachs des Vorjahres ausradiert und ist weit unter 9.500 Punkte eingebrochen. Gleichzeitig aber ist es auffällig still geworden um die Experten, die selbst auf dem Höhepunkt der Übertreibungsphase an den Börsen im Frühjahr noch zum Einstieg in Dividendenpapiere geblasen haben.

Ein regelrechter Wettkampf um die spektakulärsten Prognosen war damals vor allem am deutschen Aktienmarkt entbrannt: Nachdem der Dax die 12.000er-Marke geknackt hatte, riefen die ersten Fachleute bereits 14.000 Punkte als Jahresendziel aus. Mittelfristig seien selbstredend auch 20.000 und mehr Zähler drin.

Manch ein Stratege fühlte sich nach der Endlos-Hausse der vergangenen Jahre sogar dazu ermutigt, mit vollends unseriösen Kursprognosen zu kokettieren: Bei den extremen Niedrigzinsen am Anleihemarkt komme man derzeit rein rechnerisch auf einen fairen Dax im sechsstelligen Bereich, argumentierten etwa allen Ernstes sogar Vertreter namhafter Großbanken.

Von alldem wollen die Fachleute inzwischen natürlich nichts mehr wissen. Wer sich nicht gleich in vielsagendes Schweigen hüllt, der versucht sich zumindest möglichst geräuschlos von seinen bisherigen übereuphorischen Kurszielen zu distanzieren.

So kappten jetzt etwa die Verantwortlichen der Deutschen Bank ihre Dax-Prognose zum zweiten Mal innerhalb von weniger als vier Wochen – um insgesamt mehr als 1700 Punkte auf nur noch 10300 Zähler bis Ende dieses Jahres. Adjektive wie „alternativlos“ oder „zwingend“ werden inzwischen ebenfalls gemieden – und Anleger ratlos zurückgelassen.

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