Musterdepots
Auch am Anleihemarkt ist Nervenstärke gefragt

Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, dass die Renditen am Rentenmarkt ohne eine nennenswerte Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds rasant anstiegen – eine Entwicklung, die Anlegern noch immer in den Knochen steckt.

DüsseldorfDie seit geraumer Zeit zu beobachtenden sehr niedrigen Inflationsraten, verbunden mit gleichzeitig sehr geringen Wachstumsraten, sind der Hauptgrund dafür, dass nicht nur die EZB sondern auch viele andere Notenbanken die Zinsen immer weiter gesenkt haben. In den OECD-Ländern lag die Inflationsrate im Februar 2016 gerade einmal bei 1,0 Prozent, der Median der Preissteigerungsrate von 67 Ländern, von denen wir Inflationsdaten zur Verfügung haben, lag sogar nur bei 0,6 Prozent.

Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Median des Leitzinses von 42 verschiedenen Ländern zuletzt auf gut zwei Prozent gesunken ist. Nichtsdestotrotz können sich die Renditen am Rentenmarkt aber zumindest temporär von den fundamentalen Rahmenbedingungen, die die Geldpolitik vorgibt, abkoppeln.

So ist es jetzt fast genau ein Jahr her, dass die Renditen am Rentenmarkt ohne eine nennenswerte Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds rasant anstiegen – eine Entwicklung, die gerade institutionellen Anlegern immer noch in den Knochen steckt. Mitte April 2015 war die Rendite für 10- jährige Bundesanleihen bis auf 0,05 Prozent gesunken, und fast niemand rechnete damals mit einer deutlichen Veränderung. Diese kam aber dann doch und zwar mit Vehemenz: Anfang Mai war die Rendite schon auf 0,6 Prozent und Anfang Juni 2015 dann auf rund 1,0 Prozent angestiegen.

Was sich vergleichsweise harmlos anhört, hatte dennoch gravierende Konsequenzen für die Wertentwicklung: 10-jährige deutsche Staatsanleihen verloren innerhalb dieses Zeitraums acht Prozent an Wert.

Wer vor dem Renditeanstieg in noch längere Laufzeiten investiert hatte, erlebte einen wahren Crash. So verlor eine Bundesanleihe mit 30-jähriger Restlaufzeit in acht Wochen sogar 25 Prozent an Wert. Man vermutet heute, dass große Verkaufsorders aus Asien, vor allem aus China, diese Entwicklung ausgelöst haben und dass dann immer mehr Anleger zur Begrenzung ihrer Verluste auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind.

Da sich aber am fundamentalen Umfeld nichts änderte, erwies sich das Ganze als relativ kurzer Spuk, denn ab dem Spätsommer begannen die Renditen wieder zu sinken – und das bis zum heutigen Tag.

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