Musterdepots
Chinas Wirtschaft droht keine harte Landung

Der Handelsblatt-Depotstratege Daniel Hupfer blickt zum Wochenbeginn nach Fernost. Trotz Aktiencrash soll Chinas Wirtschaft mehr als sechs Prozent wachsen. Georgios Kokologiannis freut sich über den schwachen Euro.
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Der Internationale Währungsfonds rechnet in China für das Jahr 2015 mit einem BIP-Wachstum von 6,8 Prozent, 2016 soll die Wirtschaft um 6,3 Prozent wachsen. Wir halten es für plausibel, dass die offizielle Statistik ein Wachstum in dieser Größenordnung ausweisen wird. Doch die Exporte anderer Länder nach China, die chinesische Stromproduktion und die Daten aus Hongkong und Taiwan, die wir als weitere Indikationen für das Wachstum in China heranziehen, zeigen, dass im verarbeitenden Gewerbe 2015 vermutlich nur ein geringes Wachstum zu verzeichnen war.

So liegt die Stromproduktion in den Monaten bis Juli 2015 lediglich um 0,5 Prozent höher als in denselben Monaten des Jahres 2014, in den drei Jahren davor legte die Stromproduktion im Mittel jeweils um rund fünft Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Die Exporte der Eurozone nach China sind bis dato stark rückläufig und liegen im ersten Halbjahr 2015 um rund 17 Prozent unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2014. Diese Entwicklung ist mit einer offiziellen Wachstumsrate von sieben Prozent nicht gänzlich kompatibel.

Unterstellt man also extrem vorsichtig, dass die chinesische Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte gegenüber den jeweiligen Vorjahresquartalen überhaupt gar nicht mehr wächst (im ersten und zweiten Quartal lagen die Zuwachsraten bei jeweils sieben Prozent), dann würde das Gesamtjahreswachstum bei nur noch 2,8 Prozent liegen, um vier Prozentpunkte niedriger als der IWF unterstellt.

Dann müsste man von unserer ohnehin vorsichtigen Wachstumsprognose für die Eurozone von bisher 1,1 Prozent 0,6 Prozentpunkte abziehen, übrig bliebe ein kleines Wachstumsplus von 0,5 Prozent. Das wäre eine schlechte, aber keine katastrophale Entwicklung.

In den USA würde die Wirtschaft selbst bei einem schwachen zweiten Halbjahr in China noch um knapp zwei Prozent wachsen. Wir halten es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass es dazu kommt; unsere Berechnungen sollen dazu beitragen, einer gefühlt diffusen Bedrohungslage wieder stärker mit konkreten Szenarien entgegentreten zu können. Zudem sollte nicht übersehen werden, dass die chinesische Regierung ihre Stützungsbemühungen für die Wirtschaft zuletzt verstärkt hat; die jüngst ergriffenen Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, die Kreditvergabe wieder anzukurbeln. Auch die Abwertung des Renminbi sowie die niedrigen Rohstoffpreise dürften dazu beitragen, dass die chinesische Wirtschaft 2015 und 2016 keine harte wirtschaftliche Landung hinlegen wird.

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