Musterdepots
Das Problem mit der „Stillen Reserve“ der USA

Daniel Hupfer nimmt die „Stille Reserve“ des US-Jobmarkts kritisch unter die Lupe, Georgios Kokologiannis braucht ein neues Dax-Bonuszertifikat und Alexander Kovalenko sucht nach afrikanischen „Einsteins“ der Zukunft.
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Sechs Jahre nach dem Ende der „Großen Rezession“ hat sich der Arbeitsmarkt in den USA deutlich erholt. Die Arbeitslosenquote, die im Oktober 2009 bei zehn Prozent lag, ist zuletzt auf 5,4 Prozent gesunken. Im Juni 2004 lag diese bei 5,6 Prozent, so dass dies als Argument für eine bald bevorstehende Zinserhöhung gewertet werden könnte.

Allerdings ist der Blick allein auf die Arbeitslosenquote irreführend, wenn man beurteilen will, in welcher Verfassung sich der Arbeitsmarkt befindet. Denn im Unterschied zu 2004 ist der diesmalige Rückgang der Arbeitslosenquote zu einem nicht unerheblichen Teil darauf zurückzuführen, dass sich viele US-Amerikaner gar nicht mehr als arbeitslos registrieren lassen. Dies zeigt sich an der deutlich gesunkenen Partizipationsrate, die derzeit bei weniger als 63 Prozent  liegt, verglichen mit einem Wert von 65 Prozent im Oktober 2009.

Die Partizipationsrate ist das Verhältnis von Erwerbstätigen in Relation zum Erwerbspersonenpotenzial, wobei Letzteres aus den Erwerbstätigen, den Arbeitslosen und der „Stillen Reserve“, also den nicht registrierten Arbeitslosen, besteht. Während die Zahl der Beschäftigten mit mehr als 141 Millionen zuletzt einen neuen Rekordwert erreichte, lag die Arbeitslosenzahl mit gut 8,5 Millionen immer noch um fast zwei Millionen höher als es vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Sommer 2007 der Fall gewesen ist.

Im Unterschied zu damals ist aber zu berücksichtigen, dass die US-Bevölkerung in diesem Zeitraum um gut 20 Millionen und die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um rund zehn Millionen zugenommen hat. Berücksichtigt man dies und würde man unterstellen, dass die Partizipationsrate bei 65 Prozent läge, würde sich aktuell eine Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent errechnen.

Umstritten ist allerdings, ob es sich bei dem Rückgang der Partizipationsrate um ein zyklisches oder um ein strukturelles Phänomen handelt. Trotz dieser ungeklärten Frage ist aber festzuhalten, dass die Verbesserung am Arbeitsmarkt dazu führt, dass die Fed der einen Zielgröße ihrer Geldpolitik – Vollbeschäftigung – nähergekommen ist.

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