Musterdepots
„Demontage der marktwirtschaftlichen Ordnung“

Musterdepotstratege Georgios Kokologiannis hält es für möglich, dass die Europäische Zentralbank ihr Kaufprogramm ausweitet und sogar Aktien im großen Stil einsammeln könnte. Mit erheblichen Nebenwirkungen.

FrankfurtAls ein maßgeblicher Grund für die so überraschende wie überzogene Rally europäischer Aktien nach dem Brexit-Votum Ende Juni gilt die Spekulation auf neue Marktmanipulationen durch die Europäische Zentralbank. Dass die EZB neben einer Ausweitung ihrer bisherigen Anleihekäufe künftig irgendwann sogar Dividendenpapiere im großen Stil einsammeln könnte, halten hinter vorgehaltener Hand mittlerweile sogar Vertreter namhafter Großbanken für nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Das aber wäre ein weiterer Schritt Richtung de facto (Teil-)Verstaatlichung in der Eurozone und Demontage der marktwirtschaftlichen Ordnung. Langfristig wahrlich kein Anlass zum Jubeln für private Kapitalanleger. Ein warnendes Beispiel: In Japan, wo sich die dortige Notenbank schon seit sechs Jahren über Indexfonds in die Unternehmen des Landes einkauft, zählt die Bank of Japan bereits jetzt bei dutzenden börsennotierten Firmen zu den größten Anteilseignern - und es werden laufend mehr.

Sollten sich demnächst tatsächlich die Gerüchte über ähnliche Aktienkauf-Pläne in den Schubläden der hiesigen Währungshüter erhärten – etwa diese Woche auf der diesjährigen internationalen Notenbankkonferenz in Jackson Hole – dann bekäme die jüngste Börsenrally noch aus einem weiteren Grund einen faden Beigeschmack: Was gab den ursprünglichen Anstoß dafür, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt einige Marktteilnehmer plötzlich das hierzulande lange Undenkbare in Erwägung zogen und so die Kurse befeuerten?

Schon bald könnten Erinnerungen geweckt werden an einen Fauxpas aus der jüngsten Vergangenheit der EZB, der an der Grenze zum Skandal lag - die kapitalmarktrelevante Kommunikationspanne im vergangenen Frühsommer: Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am 18. Mai bei einer Rede vor Banken und Hedgefonds die bis dato unbekannten Pläne zu einer möglichen Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms der EZB ausgeplaudert - welche die Anwesenden prompt für Insidertransaktionen nutzten.

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